BVB-Leihspieler Toprak: Bremer Kaufverpflichtung und ein großes Aber

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Der endgültige Wechsel von Ömer Toprak von Borussia Dortmund zum SV Werder Bremen ist eigentlich längst perfekt. Dennoch ist die Personalie in mehrfacher Hinsicht pikant.

Dortmund

, 07.04.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sieben Spieler hat Borussia Dortmund aktuell verliehen. Wie es mit ihnen im Sommer weitergeht, ist angesichts der allgemein im Profifußball gestoppten Transfer-Aktivitäten offen. In unser Serie beleuchten wir, ob sich die Leihgeschäfte des BVB gelohnt haben - und wie die Perspektiven der einzelnen Spieler aussehen. Weiter geht‘s mit Ömer Toprak:

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Eigentlich dürfte Toprak in dieser Serie gar nicht auftauchen - das Leihgeschäft mit Werder Bremen, das den Türken kurz vor Beginn der aktuellen Saison vom Borsigplatz gen Norden trieb, ist mit einer Kaufverpflichtung gekoppelt. Abhängig von einer geringen Zahl von Pflichtspielen, die Toprak trotz des großen Verletzungspechs, das den 30-Jährigen in Bremen ereilte, auch schon absolviert hat. Doch die Sache hat einen Haken. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Toprak, dessen BVB-Vertrag noch bis zum 30. Juni 2021 läuft, im Sommer wieder in Dortmund vor der Tür steht. Und das hat mit Werder Bremens prekärer sportlicher Situation zu tun.

Personalie Toprak ist für Werder in mehrfacher Hinsicht pikant

Die Kaufverpflichtung für Werder greift nämlich nur, wenn die Bremer die Klasse halten. In Zeiten von Corona könnte das ja beinahe in Vergessenheit geraten, aber: Die Norddeutschen stehen mit dem Rücken zur Wand, bei derzeit acht Punkten Rückstand aufs rettende Ufer und nur noch zehn zu absolvierenden Spielen ist allenfalls die Relegation noch ein realistisches Ziel. Selbst wenn Bremen das Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt gewinnen sollte, wären es noch fünf Zähler. Das ist angesichts der letzten Eindrücke, die man von dieser Mannschaft sammeln konnte, ein dicker Batzen.

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Auch für Werder ist die Personalie Toprak in mehrfacher Hinsicht pikant. Bei einem Klassenerhalt würden für den intern sehr geschätzten Toprak 4,5 Millionen Euro Ablöse fällig. Das wäre eine gewaltige Investition für die klammen Bremer, die in der Zwickmühle zwischen sportlichen Notwendigkeiten und wirtschaftlichen Zwängen jeden Transfer sehr genau abwägen müssen. Steigt Werder ab, wäre man diese finanzielle Verpflichtung zwar los, hätte aber ganz andere Baustellen zu schließen.

Toprak spielt in Bremen mehr, als er beim BVB hätte erwarten dürfen

Ob sich das Leihgeschäft für Ömer Toprak gelohnt hat, diese Frage muss man von verschiedenen Perspektiven beleuchten. Aus sportlicher Sicht fällt das Zwischenfazit zweigeteilt aus: Vom Abstellgleis bei einem Champions-League-Klub ist er ins unruhige Fahrwasser eines Abstiegskandidaten geraten, den diese Entwicklung auch noch komplett überrollt hat. Zudem begleitete arges Verletzungspech die bisherige Spielzeit des Innenverteidigers. Sechs Spiele verpasste er wegen eines Muskelfaserrisses, den er sich am zweiten Spieltag zuzog. Als er Ende Oktober wieder auf dem Platz stand, beendete eine Sehnenentzündung seine Hinrunde vorzeitig.

In Dortmund führte Ömer Toprak ein Schattendasein am absoluten Rande des Geschehens.

In Dortmund führte Ömer Toprak ein Schattendasein am absoluten Rande des Geschehens. © dpa

Toprak kehrte erst im Januar zurück, spielte dann regelmäßig, doch im letzten Spiel Werders vor der Zwangspause verletzte er sich erneut schwer. Anriss der Syndesmose, Toprak ist damit, wenn man so will, einer, der von der momentanen Aussetzung des Spielbetriebs profitiert. Er kann seine Verletzung in Ruhe auskurieren. Und die bislang zwölf Pflichtspiele (808 Minuten) sind wohl deutlich mehr, als er in Dortmund hätte erwarten dürfen.

Ömer Toprak führte in Dortmund ein Schattendasein

Werder setzt alles auf den Neustart, der hoffentlich im Mai beginnen soll. Noch hat man sich nicht aufgegeben. Toprak spielt dabei eine wichtige Rolle, denn er hat gezeigt, dass er dieser Mannschaft mit seiner Erfahrung helfen kann. Und das berührt einen anderen, wichtigen Punkt bei der Beurteilung der Frage, ob dieses Leihgeschäft den Spieler weitergebracht hat.

In Dortmund führte Ömer Toprak ein Schattendasein am absoluten Rande des Geschehens, davon zeugen auch die nur noch 14 Pflichtspiele in der vergangenen Saison nach noch 36 in seinem ersten BVB-Jahr. Wirklich wertgeschätzt dürfte er sich zuletzt nicht mehr gefühlt haben. Das ist in Bremen ganz anders.

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