BVB mit bedeutendem Spiel in Berlin - kuriose Anreise im Kohlewaggon

Zeitspiel

Das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft 1949 war ein besonderes Spiel. Nicht nur, weil das Berliner Olympiastadion mit dieser Partie wieder in deutsche Hände fiel. Seinen Anteil hatte auch eine besondere Anreise.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 12.06.2019, 14:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB mit bedeutendem Spiel in Berlin - kuriose Anreise im Kohlewaggon

Der britische Stadtkommandant General Geoffrey Bourne führt, flankiert von Addy Preißler und „Ede“ Kasperski, den Anstoß aus. © Repro: Kolbe

Auf den Tag genau 70 Jahre ist es her: Borussia Dortmund, Meister der Oberliga West 1948/49, griff am 12. Juni 1949 in die Vorrundenspiele zur Deutschen Fußball-Meisterschaft 1949 ein. Gegner war im Berliner Olympiastadion der heimische Berliner SV 92. Und die Partie besaß eine ganz besondere sporthistorische Note.

Unbeschreiblicher Jubel schon beim Anstoß

Denn der britische Stadtkommandant General Geoffrey Bourne legte in Anwesenheit des legendären regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter mit diesem Spiel die Sportarena wieder in deutsche Hände zurück. Zuvor hatten seit dem 8. Mai 1945 ausschließlich die Siegermächte das Stadion nutzen dürfen. Als Genral Bourne, flankiert von Addy Preißler und „Ede“ Kasperski, persönlich den Anstoß für das Vorrundenmatch vollzog, brandete ein unbeschreiblicher Jubel der 50.000 Besucher auf.

Der BVB ging von Beginn an aufs Ganze. Die Elf, die ihrem Berliner Kontrahenten spielerisch, taktisch und körperlich deutlich überlegen war, ließ nichts anbrennen und siegte verdient mit 5:0. Michallek (2), Erdmann (2) und Kasperski erzielten die Tore für die „Kanarienvögel vom Borsigplatz“, wie die Borussen prosaisch in den Berliner Zeitungen angekündigt worden waren.

Michallek erlebt eine Odyssee und brilliert in Berlin

Der beste Borusse war ohne jede Frage der großartige Max Michallek, der von Trainer Havliczek von der Abwehr in den Sturm beordert worden war und das Angriffspiel seines Teams über die vollen 90 Minuten mit tollen Ideen befruchtete. Dass er darüber hinaus auch noch zwei Treffer erzielte, krönte seine hervorragende Leistung.

Dabei war es keineswegs selbstverständlich, dass die „Spinne“, wie der lange Max liebevoll genannt wurde, überhaupt so elanvoll aufspielte. Immerhin hatte er am Tag zuvor eine wahre Odyssee erlebt, bis er abends gegen 18.30 Uhr im Berliner Bahnhof ankam, wo ihn seine Mannschaftskameraden schon erwarteten.

Michallek verschläft die Abreise - und kommt in einem Kohlewaggon

Michallek hatte die Bahnabfahrt seines Teams schlichtweg verschlafen. Als er verspätet zum Dortmunder Bahnhof kam, bestand nur noch die Möglichkeit, mit einem Kohlewaggon nach Berlin nach zu reisen. Während der Fahrt half der lange Max sogar als „Hilfsheizer“ aus und arbeitete seine Bahnfahrt dadurch mit Muskelkraft in „Naturalien“ ab.

Eine brenzlige Situation gab es dann an der Zonengrenze zu überstehen: Russische Soldaten kontrollierten den Zug. Als Max Michallek ihnen mit Händen und Füßen erklären wollte, wer er denn sei, lachten sie und meinten:“ Du Fußballer Michailow! Du weiterfahren!“

BVB-Vorstand löst Probleme an der Grenze

Der Hintergrund: Der BVB-Vorstand hatte den Grenzposten bei der „offiziellen“ Einfahrt der Borussen vor mehreren Stunden per Dolmetscher erklärt, dass noch ein weiterer Spieler – ein gewisser Max Michallek – zu erwarten sei und darum gebeten, ihn in die Sowjetzone einreisen zu lassen.

Und so klappte alles noch mit dem Star und enfant terrible des BVB, der sich am Tag danach mit einem prächtigen Spiel für sein Verschlafen entschuldigte und mit zwei Treffern bedankte.

So ging es weiter - Dem klaren Sieg im Viertelfinale folgte ein 0:0 gegen Kaiserslautern im Halbfinale. Erst im anschließenden Wiederholungsspiel konnte sich der BVB mit 4:1 durchsetzen. Im Finale aber unterlag die Borussia dann dem VfR Mannheim mit 2:3 n.V.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt