BVB-Neuzugang Brandt schießt sich aus der Krise - Zorc findet deutliche Worte

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BVB-Neuzugang Julian Brandt schießt sich mit einem Doppelpack gegen Gladbach selbst aus der Krise. Sportdirektor Michael Zorc ist extrem erfreut - und richtet deutliche Worte an die Kritiker.

Dortmund

, 31.10.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass er seinem Trainer arge Schmerzen zugefügt hatte mit einem Tor, das doch allerorten im schwarzgelben Reich für große Erleichterung gesorgt hatte, das hatte Julian Brandt gar nicht mitbekommen. Brandt hatte gerade ein Kopfballtor erzielt, nicht irgendeins, schon gar nicht in der Phase, in der Borussia Dortmund gerade steckt.

Brandt-Treffer sorgt bei Favre für seltenen Gefühlsausbruch

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Das sorgte bei Lucien Favre für einen seltenen Gefühlsausbruch an der Seitenlinie. Favre sprang jubelnd in die Höhe, nur um sich dann mit schmerzverzerrtem Gesicht an die hintere Oberschenkelseite zu greifen. Im Training hatte sich der Dortmunder Trainer einen Muskelfaserriss zugezogen, das aber im Überschwang der großen Glückseligkeit vollkommen vergessen.

„Ihn nach seinen Toren so jubeln zu sehen, hat uns alle extrem gefreut.“
Michael Zorc

Brandt grinste, als man ihm das zutrug, er grinste eigentlich dauerhaft, nachdem er nach dem Duschen die Kabine verlassen hatte. Es war das Grinsen eines Spielers, der binnen drei Minuten eine große Portion Glückshormone geschenkt bekommen hatte, nachdem sich die vergangenen Wochen für ihn angefühlt hatten, als habe irgendjemand Blei in seine Fußballschuhe gegossen.

Jeder Schritt war beschwerlich für Julian Brandt, der den Verlust der Leichtigkeit im Spiel der Borussia wohl so verkörperte wie kaum ein anderer. Nun die Erlösung.

„Ihn nach seinen Toren so jubeln zu sehen, hat uns alle extrem gefreut“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc am Donnerstag im Gespräch mit dieser Redaktion. Brandt war nur eins der Gesichter der sportlichen Dürre beim BVB, aber neben Marco Reus das prominenteste. Mit vielen Vorschusslorbeeren angekommen, dann zum Pendler zwischen Bank und Rasen herabgestuft.

Julian Brandt durchlebt beim BVB eine schwierige Phase

Nun reichten drei Minuten in der Pokalpartie gegen Gladbach, um das Blatt zu wenden. Hoffen zumindest alle, vor allem Julian Brandt selbst.

Bis zur 70. Minute war ihm erneut nicht viel gelungen, wenn man von einem schönen Schnittstellen-Pass auf Jacob Bruun Larsen mal absieht. Es sprach für den Blondschopf, dass er sein riskantes Spiel nicht geändert hat in dieser Phase, aber als ihm kurz vor der Pause der Ball bei einem vielversprechenden Konter versprang und er verärgert die linke in die rechte Hand schlug, da konnte man schon Mitleid bekommen.

BVB-Neuzugang Brandt schießt sich aus der Krise - Zorc findet deutliche Worte

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (r.) beglückwünscht Julian Brandt. © imago

Es sprach diesmal auch für das Gespür seines Trainers, dass er Brandt dennoch auf dem Feld beließ. Und der 23-Jährige dankte dies mit einer kaum noch für möglich gehaltenen Wende in diesem Spiel. Denn nach dem Gegentor-Schock in der 71. Minute schien der nächste Tiefpunkt für den BVB unausweichlich, die Krise kam mit großen Schritten näher.

Brandt geht sehr selbstkritisch mit der Situation um

Es sei „extrem wichtig“ gewesen, erklärte Brandt, der als einer der letzten Spieler aus der Kabine gekommen war, „dass ich uns und mich doch noch belohnt habe.“

Favre hatte ihn durch das Fehlen von Kapitän Reus auf seiner Lieblingsposition zentral hinter der einen Spitze aufgeboten, doch auch auf der Wohlfühl-Position fremdelte Julian Brandt. Mit dem BVB, vor allem mit sich selbst. Er habe sich zunächst wieder eingewöhnen müssen, erklärte er. Als Ausrede wollte er das aber nicht benutzen. Brandt ist jemand, der extrem selbstkritisch mit sich umgeht.

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Michael Zorc nimmt den Neuzugang in Schutz: „Mir werden diese negativen Urteile heute im Zeitalter von Social Media viel zu schnell und zu hart gefällt. Erinnern wir uns doch alle mal an das erste BVB-Jahr von - beispielsweise - Robert Lewandowski und Ilkay Gündogan zurück. Sie haben auch eine Eingewöhnungszeit benötigt und sind zu Weltklassespielern gereift.“

Julian Brandt und Marco Reus im zentralen Mittelfeld?

Wie es nun weitergeht für Julian Brandt, vor allem im Hinblick auf die nahende Rückkehr von Reus, der die Partie dick eingepackt wegen seiner muskulären Probleme von der Tribüne aus verfolgt hatte?

Brandt zuckte mit den Schultern. „Am Ende“ erklärte er, „schielt man darauf, möglicherweise auch mal gemeinsam auf dem Platz zu stehen.“ Er hoffe generell immer, beeilte er sich zu versichern, dass Reus für den BVB auf dem Platz stehen könne, weil der Kapitän enorm wichtig sei.

Es ist eine Schlüsselfrage vor der Partie gegen den VfL Wolfsburg: Was macht Lucien Favre mit Julian Brandt, wenn Marco Reus sich fit zurückmeldet? Für Brandts Wunsch, gemeinsam mit dem Kapitän auf dem Platz zu stehen, müsste Favre über seinen Schatten springen und das System ändern.

Julian Brandt: „Vergesst den Tag nicht“

Brandt wird die Antwort auf diese Frage sehr schnell bekommen, am Mittwochabend aber genoss er erst einmal das für ihn in Dortmund seltene Glücksgefühl.

Und er riet auch allen Medienvertretern, sich diesen besonderen Tag zu merken. „Vergesst den Tag nicht“, rief er und grinste. Das bezog sich auf die korrekte Feststellung eines Journalisten, der Brandt nach dem Gefühl nach dem 2:1 fragte, „weil sie ja als kopfballstarker Spieler nicht gerade bekannt sind.“

Vielleicht wird Julian Brandt aber noch aus anderen Gründen später einmal gern an diesen Abend zurückdenken. Weil er den Startschuss zum Besseren nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund markierte.

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