BVB-Neuzugang hat schwierige Startphase überwunden

Toljan ist die Allzweckwaffe

Als Flügelflitzer benötigt Neuzugang Jeremy Toljan (23) etwas Anlaufzeit bei Borussia Dortmund. Das liegt auch daran, dass er links wie rechts spielen kann.

DORTMUND

, 06.02.2018, 06:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Beim BVB angekommen: Jeremy Toljan.

Beim BVB angekommen: Jeremy Toljan. © Kirchner/Inderlied

Im Fußball ist das Leben manchmal leichter, wenn ein Spieler weniger Talente hat. Klares Profil, eine Stammposition, fertig. Da muss kein Trainer mehr überlegen, da wird keine Allzweckwaffe Opfer der eigenen Vielseitigkeit. Jeremy Toljan bringt als Typ wenig aus der Fassung - inzwischen nicht einmal mehr die Frage, ob er denn lieber links oder rechts verteidigt. Er kann beides. Fertig.

"Das ist ein Prozess"

Sechs Bundesliga-Spiele unter Peter Stöger, sechs Mal stand der 23-Jährige 90 Minuten lang auf dem Platz. Zweimal rechts defensiv, als Lukasz Piszczek verletzt war. Nun viermal links, weil Marcel Schmelzer und Raphael Guerreiro mit Muskelverletzungen ins neue Jahr starteten. "Je öfter man spielt, desto besser wird das Ganze", sagt Toljan. In der Tat scheint sich der Sommer-Neuzugang von 1899 Hoffenheim immer wohler zu fühlen beim BVB nach anfänglichen Schwierigkeiten. "Wenn man wechselt, ist halt vieles neu. Das Team, das Umfeld, die Trainer. Das ist ein Prozess, das dauert bei jedem, das ist doch nichts Ungewöhnliches", erklärt er unaufgeregt.

Toljan spricht zügig und unmissverständlich, er pflegt einen höflichen Umgang, ist klar im Kopf. So richtig greifbar geworden ist der bilaterale Flügelflitzer, Sohn einer Kroatin und eines Afroamerikaners, in Dortmund trotzdem noch nicht. Nach ein paar schwächeren Leistungen im Herbst winkten die ersten Fans ungeduldig ab. Die Erwartungen an den U21-Europameister und Silbermedaillengewinner von Rio 2016 waren groß, bemerkenswert groß.

40 Sprints gegen Köln

Als "Spieler mit großem Entwicklungspotenzial" hatte Sportdirektor Michael Zorc den beidfüßigen Defensivspieler begrüßt, und nach und nach zeigt Toljan diese Fortschritte. Obwohl er sich früher lieber als Rechtssverteidiger sah, kommt er links besser zum Zug. Vor allem dank seiner Geschwindigkeit. Mit 33,1 km/h "blitzten" ihn die Statistiker beim 3:2 in Köln, mit 40 Sprints zog er häufiger das Tempo an als jeder andere Spieler auf dem Platz. Exemplarisch die Szene vor dem 1:0, als er sein Gegenüber Frederik Sörensen im Strafraum wie eine Parkuhr stehen ließ, bis zur Grundlinie zog und Michy Batshuayi den Führungstreffer kredenzte.

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BVB-Training in Brackel am 5. Februar

05.02.2018
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Schlagworte Borussia Dortmund,

Toljan traut sich was. "Es dauert immer ein bisschen, in eine Mannschaft hineinzukommen", berichtet er. Die Saison hatte bereits begonnen, als er in Dortmund ankam. Dann die große Euphorie, gefolgt vom noch größeren Blues und dem Trainerwechsel von Peter Bosz zu Stöger. Wilde Zeiten mit viel Unruhe. Keine gute Basis für die Integration. Nicht zuletzt das Wintertrainingslager habe ihm geholfen, sagt Borussias Nummer 15. "Jetzt kenne ich die Jungs ein bisschen besser."

Moderne Ausbildung

Nun schaltet er auch häufiger den Vorwärtsgang ein. Tor gegen Freiburg, Vorlage in Köln - ein sehr ordentlicher Arbeitsnachweis für einen der fairsten Verteidiger der Liga. Nur sechs Fouls in den bisher 1173 Spielminuten - Zeugnis der modernen Ausbildung, erst beim VfB Stuttgart, dann im Leistungszentrum der TSG Hoffenheim. "Defensiv", sagt er selber, müsse er "noch dazulernen".

Es ist offensichtlich, dass die Gegner zuletzt immer wieder die linke Dortmunder Seite als Schwachpunkt ausgemacht haben. Permanent erzeugten sie Druck auf dieser Hälfte. Weil die Borussia mit nur einem Sechser spielt und die Achter und Flügelstürmer offensiv denken, muss hier viel Raum abgedeckt werden hinter wechselnden Vorderleuten.

Namhafte Konkurrenz

Mit mehr Routine will sich Toljan festbeißen, auch wenn Guerreiro oder Schmelzer zurückkehren, auch wenn Piszczek rechts als unangefochten gilt. Steffen Freund, der ihn als U17-Trainer beim DFB erlebte, wagt die Prognose: "Toljan ist in zwei, drei Jahren einer der besten Rechtsverteidiger in Deutschland." Rechts. Oder doch links.​

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