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BVB-Neuzugang Meunier: „Lust auf Siege und Titel kennt kein Limit“

Interview

Thomas Meunier kommt mit großen Ambitionen zu Borussia Dortmund. Der Belgier bezeichnet seinen Wechsel als Entscheidung des Herzens - auch wegen der „großartigen BVB-Fans“.

von dpa

Dortmund

, 16.07.2020, 19:27 Uhr / Lesedauer: 5 min
Will mit dem BVB Titel gewinnen: Neuzugang Thomas Meunier.

Will mit dem BVB Titel gewinnen: Neuzugang Thomas Meunier. © imago / Kirchner-Media

Mit einem erfahrenen Profi wie Thomas Meunier will Borussia Dortmund dem ersehnten Titel wieder ein Stück näher kommen. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht der 28-jährige Belgier über den Wechsel zum BVB, sein Verhältnis zu Thomas Tuchel und die unschönen Begleitumstände seines Abschieds aus Paris.


Sie tauschen die Weltstadt Paris mit der Revierstadt Dortmund. Was hat Sie bewogen, ausgerechnet zur Borussia zu wechseln?

Es hatten in den vergangenen Monaten wirklich viele große Klubs Interesse an mir bekundet und zum Teil auch konkrete Angebote gemacht, aus Spanien, Italien, England und eben auch aus Deutschland. Schon vor meinem Wechsel zu PSG hatte ich ursprünglich nach Deutschland oder England wechseln wollen. Die Entscheidung für den BVB war jetzt eine Entscheidung meines Herzens. Mit inzwischen 28 Jahren wollte ich zu einem Klub, der mir und meiner Mentalität ähnlich ist und meiner Art zu denken. Ich bezeichne den BVB gern als die Weiterentwicklung meines Heimatclubs Brügge: ambitioniert und authentisch und auf angenehme Weise bodenständig.

ZUR PERSON
Thomas Meunier (28), geboren in Sainte-Ode, spielte unter anderem für Standard Lüttich, Royal Excelsior Virton, FC Brügge und Paris Saint-Germain. Der 28 Jahre alte Außenverteidiger und 40-malige belgische Nationalspieler hat beim BVB einen bis zum 30. Juni 2024 datierten Vertrag unterschrieben. Mit Paris gewann der WM-Dritte zweimal den Pokal (2017, 2018) und dreimal die Meisterschaft (2018, 2019, 2020). In der Champions League kam er bislang 17 Mal zum Einsatz, zuletzt im Achtelfinale gegen den BVB.

In Paris hatten Sie mit Thomas Tuchel und damit mit einem ehemaligen Dortmunder Trainer zu tun. Haben Sie mit ihm über den BVB gesprochen?

Nein, denn wenn ich eine Entscheidung treffe, versuche ich immer in erster Linie meinem eigenen Gefühl zu vertrauen. Das gilt übrigens auch über den Fußball hinaus. Doch natürlich war mir, spätestens nachdem die Gerüchte aufgekommen waren, auch von Mitspielern und Spielern anderer Klubs einiges über den BVB zugetragen worden, und das war alles nur positiv.


Wie haben Sie Tuchel in Paris erlebt?

Wenn ich ehrlich bin, wirkte er auf mich immer ein wenig, als wäre er nicht komplett frei. Man muss es bei einem Klub wie Paris aber eben auch verdammt vielen Leuten recht machen. Egal, wie groß du bist - irgendjemand ist oder scheint immer größer als man selbst. Und wenn du nicht Guardiola, Mourinho oder Ancelotti bist, also ein Trainer, der selbst schon alles gewonnen hat, dann musst du dich mit deinem Staff verdammt gut und schnell anpassen und kapieren, wie die Dinge laufen mit Spielern um dich herum, die auch schon alles im Fußball gewonnen haben und die jederzeit über dich und deinen Verbleib beim Klub richten können, mit dem Druck, die Champions League gewinnen zu müssen und damit, es auch sonst jederzeit am besten jedem recht machen zu müssen.


Wie war Ihr persönliches Verhältnis zu ihm?

Persönlich hatte ich mit ihm ein professionell gutes Verhältnis. Ich habe mein Bestes gegeben, mich seinem Spielstil anzupassen und seine Entscheidungen bestmöglich zu respektieren. Er hat ein großartiges Team um sich herum, das hilft ihm bei seiner Arbeit sicherlich sehr.

In Frankreich und auch in Belgien wurde die Saison aufgrund der Corona-Pause abgebrochen. War das Ihrer Meinung nach die richtige Entscheidung?

Ganz einfach: Rein wegen Covid-19 hätte das nicht geschehen müssen. Die Verbände haben auf diese Weise eine komplette Saison harter Arbeit und des Willens zu Gewinnen ruiniert. Wir können zweifelsfrei sagen, dass sie damit dem Fußball und dem Spirit des Wettbewerbs geschadet haben. Wenn überhaupt, hätte die UEFA die Entscheidung treffen müssen, den Wettbewerb in ganz Europa zu stoppen - was sie nicht getan hat. Anders als der Rest der Big-Five-Ligen hat Frankreich den Pragmatismus über die Organisationen der Klubs und ihr sportliches und wirtschaftliches Wohl gestellt. Für mich ein Beleg dafür, dass der Fußball in Frankreich noch immer nicht denselben kulturellen Bedeutungsgrad hat wie in anderen Ländern.


Die Fachwelt glaubt, dass Ihre Stärke als Außenverteidiger mehr in der Offensive als in der Defensive liegt. Teilen Sie diese Einschätzung? Schließlich waren Sie in jungen Jahren beim belgischen Drittligisten Virton mal Stürmer.

Angefangen mit sieben und bis ich 22 war, war ich Stürmer - und ich habe bis heute nicht das süße Aroma eines erfolgreichen Torschusses vergessen. Meine Stärken liegen deshalb noch immer eindeutig in der Offensive, aber auch defensiv habe ich mich in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert. Ich traue mir inzwischen auch zu, hauptsächlich defensiv-orientiert zu spielen, so wie es in der vergangenen Saison in Paris der Fall war. Man muss sich eben der Taktik anpassen.


Mit Paris und Brügge haben Sie viele Titel gewonnen. Wie groß ist Ihr Glaube, dass es auch in Dortmund mit der Meisterschaft klappen könnte?

Es waren mit PSG elf nationale Titel - und auch ohne meine physische Anwesenheit in den zwei Extra-Monaten der Saison könnten noch zwei Pokal-Siege und die Champions League zu meinem Lebenslauf dazukommen. Meine Lust auf Siege und Titel kennt aber kein Limit, und ich werde alles dafür geben, auch mit dem BVB so erfolgreich zu sein wie es nur geht. Wenn man sich die Qualität in unserem Kader ansieht und die Unterstützung der mehr denn je besten Fans in ganz Deutschland dazurechnet, dann muss der Klub in den kommenden Jahren einfach mal wieder was gewinnen. Und das wird uns auch gelingen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die besten Bilder aus der Karriere des Thomas Meunier

Über Brügge und Paris zum BVB - die besten Bilder aus der Karriere des Thomas Meunier.
24.06.2020
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Die besten Bilder aus der Karriere des Thomas Meunier.© picture alliance/dpa
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Wo steht der BVB im Vergleich zum FC Bayern. Wie wird das in Belgien und Frankreich wahrgenommen?

Als klassischer Fußballfan ist der BVB bei weitem der Klub, den ich für seine großartigen Fans schätze. In Frankreich herrscht viel Respekt für sie, in Belgien sogar noch mehr. Viele Belgier bemühen sich um Karten für die Spiele und - Corona mal außen vor - es werden immer mehr. Natürlich, auch wegen Axel Witsel, Thorgan Hazard und jetzt mir. Wir drei werden alles dafür geben, die Verbindung des BVB in unser Heimatland noch stärker zu machen. Bayern München ist auch ein sehr angesehener Verein, der hauptsächlich seit Daniel Van Buytens erfolgreichen Jahren mit dem Klub verfolgt wird. Er hat acht Jahre bei ihnen gespielt und praktisch jeden Titel gewonnen.


Der BVB hat mit Lucien Favre einen frankophonen Trainer. Zudem spielen Ihre Landsleute Witsel und Hazard in Dortmund. Hilft das bei der Integration und war es ein Kriterium für den Wechsel?

Wie schon geschildert, war meine Entscheidung für den BVB eine Frage des Gefühls, nicht der Sprache, der Nationalität oder was auch immer. Wobei es natürlich angenehm ist, auf Leute zu treffen, die man schon kennt oder mit denen man leichter kommunizieren kann. Aber die Entscheidungen für eine Profikarriere sollte man vor allem davon abhängig machen, was für einen selbst gut ist.


Wann steigen Sie beim BVB ein. Ihr alter Klub spielt im August noch Champions League. Wäre es für Sie eine Option gewesen, noch für PSG aufzulaufen und erst nachher zu wechseln?

Um Ihre Frage kurz zu beantworten: Ich werde beim BVB zum Trainingsauftakt Ende Juli in die Vorbereitung einsteigen. Für den Rest müsste ich ein wenig weiter ausholen.


Nur zu ...

Ich hatte meine Teilnahme am Final-Turnier in Lissabon geplant, und mein neuer Arbeitgeber hatte diesen Wunsch auch nachvollziehen können und ein Agreement mit Paris angestrebt. Sie sahen wie ich die Chance für mich, die Champions League mit meinen nun ehemaligen Mitspielern gewinnen zu können, und dass ich eine Geschichte zu Ende bringen wollte, die so nun leider kein Ende hat. Paris nahm den Kontakt zum BVB auf, doch: Sie wollten nichts für mich bezahlen. Komplett unmöglich natürlich, wenn man sich vor Augen hält, dass ich inzwischen offiziell Spieler von Borussia Dortmund bin und das natürlich neben einer Leihgebühr mindestens auch versicherungstechnische Aspekte beinhaltet. Um es klar zu sagen: Leonardo, der Sportdirektor von PSG, hat sich zu keinem Zeitpunkt um ein Agreement mit dem BVB, geschweige denn mit mir bemüht. Er wollte, dass ich praktisch gratis für PSG auflaufe.

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Was geschah dann?

Es wird noch abenteuerlicher: Schriftlich teilte er mir via Anwalt Ende Juni mit, dass ich bei PSG nicht mehr willkommen sei.


Glauben Sie, dass davon zuvor in irgendeiner Weise die Rede gewesen war?

Natürlich nicht. Stattdessen wurde mir nun mitgeteilt, bis zu meinem Vertragsende dem Klubgelände doch bitte fernzubleiben. Ich habe darauf ebenfalls per anwaltlichem Schreiben geantwortet, dass ich ein Recht auf Training hätte nach vier Monaten erzwungener Wettkampfpause. Genauer: Ich bat darum, zu Zeiten trainieren zu dürfen, zu denen ich niemand stören könnte.


Wie hat PSG darauf reagiert?

Daraufhin wurde mir telefonisch mitgeteilt, ich solle bloß nicht den Weg von wem auch immer kreuzen, weil ich verstörende Geschichten erzählen könnte. Typischer Fall von Realitätsverlust. Fazit: Ich war der Erste, der um eine Verlängerung für Juli und August bitten wollte. Leonardo war dazu nicht bereit und hat der Presse in Frankreich erzählt, dass ich eine Vertragsverlängerung abgelehnt hätte. Das stimmt so aber nicht, das will ich ganz deutlich sagen.

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