BVB-Niederlage in Augsburg: Gewarnt, aber nicht gewappnet

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Borussia Dortmund enttäuscht beim 0:2 in Augsburg. Den Gastgebern reichen einfache Mittel, um den BVB zu schlagen. Die Muster wiederholen sich.

Dortmund

, 27.09.2020, 18:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den TV-Zuschauern blieb diese Szene verborgen, die Kameras fokussierten die zehn in Weiß gekleideten Augsburger, die in einer Jubeltraube den Torschützen Daniel Caligiuri feierten und sich diebisch freuten. 40 Meter entfernt davon, in der Nähe des Mittelkreises, stemmten zehn Dortmunder in schwarzen Trikots die Hände frustriert in die Hüften. Ein Stillleben.

Die BVB-Profis wollten es nicht wahrhaben, sie konnten es nicht fassen, und vor allem: Sie konnten es nicht ändern. Borussia Dortmund zeigte beim 0:2 (0:1) in Augsburg die mannschaftsimmanente Blöße, dass Gegnern Kampf, Kraft und koordiniertes Verteidigen allzu oft genügen, um das BVB-Starensemble in die Schranken zu verweisen.

BVB fehlt die Härte gegen Augsburg

„Wir wussten, dass Augsburg sehr athletisch agiert und körperlich sehr stark ist“, gestand Axel Witsel, der im Mittelfeld auch keinen glücklichen Tag erwischte. „In den 50:50-Szenen hat uns die Härte gefehlt, das war sicher einer der Schlüssel für dieses Spiel.“ Die Spieler waren also gewarnt, aber nicht gewappnet, weil sie keinen neuen Ansatz fanden, nachdem Plan A nicht aufging. Witsel meinte: „Ein anderer Aspekt ist, dass wir die erste halbe Stunde haushoch überlegen waren. Wenn wir da ein Tor erzielen, wird es leichter, dann läuft das Spiel ganz anders.“

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Auch Augsburgs Trainer Heiko Herrlich sprach später davon, dass es in den ersten 30 Minuten auch 2:0 für den BVB hätte stehen können, „da hatten wir Spielglück“. Einer Reihe von aussichtsreichen Situationen für Jude Bellingham, Jadon Sancho oder Witsel blieb die Veredelung verwehrt. Die Gastgeber witterten Morgenluft, attackierten ihre Gegenspieler hart und aggressiv, und wie schon so oft zuckten die Borussen zurück.

Borussia Dortmund lässt einiges vermissen gegen Augsburg

Keine Läufe in die Tiefe, keine Eins-gegen-eins-Duelle, keine Lösungen gegen die massive Abwehrformation, und dazu notorische Zaghaftigkeit in den Zweikämpfen: Die Partie, vom BVB mit phasenweise 80 Prozent Ballbesitz in einer verleitenden Scheinüberlegenheit geführt, kippte unter gütiger Mithilfe der Borussen. Beim 0:1 schenkten sie einen Freistoß her und verteidigten die folgende Flanke des überragenden Daniel Caligiuri schlecht (40.). Zehn Minuten nach Wiederanpfiff spürte der Ex-Schalker Caligiuri bei seinem 60-Meter-Sprint über viel grüne Wiese bis zum Tor keine echte Gegenwehr (54.). Da stemmten die BVB-Profis die Hände in die Hüften. Alle folgenden Versuche einer Wende blieben bis zur Schlussphase erschreckend harmlos und ohne Ideen.

„Wir müssen mehr über die Seiten spielen und den Gegner müde machen. Dann werden wir auch einige Möglichkeiten übers Zentrum bekommen“, analysierte Trainer Lucien Favre fachlich. „Aber insgesamt war es kein schlechtes Spiel.“ Eine ähnlich schöngefärbte Auslegung vertrat Mats Hummels, der Kapitän „hatte das Gefühl, dass wir eigentlich in vielen Bereichen ein sehr gutes Spiel gemacht haben.“

BVB wollte mehr Konstanz – dann kam Augsburg

Auf dem Weg, eine Spitzenmannschaft zu werden, hatten sich die Borussen mehr Konstanz vorgenommen, sie wollten keine Punkte mehr leichtfertig verschenken. Der Vorsatz hielt genau bis zum zweiten Spieltag. Manuel Akanjis Aussage traf es schon eher: „Das war offensiv und defensiv zu wenig.“

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