Enttäuschender Auftritt in Mönchengladbach: BVB-Linksverteidiger Raphael Guerreiro. © imago / Eibner
Meinung

BVB-Niederlage in Gladbach: Ohne Reus und Haaland erschreckend ideenlos

Erschreckend ideenlos! Die BVB-Niederlage gegen Mönchengladbach zeigt, wie abhängig die Mannschaft von Reus und Haaland ist. Und wie man mit einer Handbewegung ein Spiel entscheidet.

Exakt eine Stunde vor Anpfiff ploppt die Nachricht auf dem Handy auf. Die Aufstellung des BVB für das Spiel bei Borussia Mönchengladbach ist da. So weit, so normal. Doch bei genauerem Hinschauen fällt auf: Zwei Namen fehlen. Zwei, die enorm wichtig für den Erfolg von Borussia Dortmund sind. Wie wichtig, das sollten die folgenden 90 Minuten offenbaren.

Der Ausfall von Marco Reus hatte sich schon am Freitagabend angedeutet. Während das Team mit zwei Mannschaftsbussen in Richtung Hotel fuhr, machte sich der BVB-Kapitän im eigenen Wagen auf den Weg nach Hause. Wie man später erfuhr, ist Reus im Training falsch aufgekommen und hat sich eine Kapselreizung im Knie zugezogen. Bitter für Reus – und den BVB.

Doch damit nicht genug. Am Samstag wurde es noch bitterer. Denn neben Reus fehlte auch Topstürmer Erling Haaland auf dem Aufstellungsbogen. Muskuläre Probleme. Bedeutete: Die beiden besten Offensivkräfte des BVB (Haaland: sieben Tore/vier Assists, Reus: ein Tor, vier Assists) fielen für das Topspiel in Gladbach aus.

BVB agiert ohne Haaland und Reus offensiv erschreckend ideenlos

Allein wegen dieser Statistiken dürfte allen im Umfeld und vor allem den Verantwortlichen von Borussia Dortmund schon vor der Partie klar gewesen sein, dass diese beiden Ausfälle den BVB mehr als schwer treffen würden. Wie schwer, das dürfte vielen aber vermutlich erst während der Partie im Borussia-Park so richtig bewusst geworden sein.

Das Spiel offenbarte nämlich schonungslos, wie abhängig Borussia Dortmund aktuell von Marco Reus und Erling Haaland ist. Ohne ihren Kapitän und Topstürmer wirkte der BVB erschreckend ideenlos, fand offensiv so gut wie gar nicht statt. Und wenn, dann waren es eher Zufallsprodukt statt fein herausgespielter Angriffsversuche.

Dem BVB fehlte es an Körperlichkeit und Kreativität

In der Zentrale fehlte ein Initiator, jemand, der mit klugen Gedanken und feinem Fuß den Gegner vor Probleme stellt. Jemand, der das Tempo richtig dosiert, in den entscheidenden Momenten das Spiel schnell macht, in anderen Situationen auf die Bremse tritt. Der Räume sieht und sie nutzt. Mit und ohne Ball.

Im Sturmzentrum fehlte jemand, der Bälle festmacht, der sich mit Körperlichkeit durchtankt und den absoluten Willen versprüht, den Ball ins Netz zu knallen. Zur Not auch mit dem Torwart. Der durch geschickte Bewegungen Gegenspieler bindet und so Platz für die nachrückenden Spieler schafft. Und mit seiner Emotionalität ein ganzes Team mitreißen kann.

Gelb-Rote-Karte gegen BVB-Profi Dahoud entscheidet die Partie

Was in der Rückbetrachtung aber noch bitterer ist: Das Spiel hätte aus BVB-Sicht dennoch ganz anders laufen können. Zum Beispiel, wenn Spieler wie Raphael Guerreiro oder Donyell Malen zumindest Normalniveau erreicht hätten, wenn Mats Hummels bei seinem vermeintlichen Führungstreffer eine Sekunde später losgelaufen wäre. Oder wenn Mahmoud Dahoud sich einfach unter Kontrolle gehabt hätte.

Man kann mit Sicherheit stundenlang darüber streiten, ob Dahouds Abwinken zwangsläufig eine Gelbe Karte nach sich ziehen muss. Fakt ist: Dahoud muss – im Wissen, dass er vorbelastet ist – klüger agieren. Oder um es mit den Worten von Mats Hummels zu sagen: Dem Schiedsrichter gar keine Möglichkeit geben, eine Fehlentscheidung zu treffen.

In Unterzahl wäre es auch mit Haaland und Reus schwierig geworden

Am Ende dürfte diese Szene das Spiel in Mönchengladbach entschieden haben. Denn in Unterzahl wäre es sogar mit Haaland und Reus schwierig geworden, die Partie noch zu drehen. Ohne sie erst recht.

Über den Autor
Jahrgang 1991, tritt seitdem er Vier ist selbst gegen den Ball, hat mit 14 das erste Mal darüber berichtet, wenn es andere tun. Wollte seitdem nichts anderes machen und hat nach Studium und ein paar Jahren Lokaljournalismus seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Seit 2021 BVB-Reporter.
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Kevin Pinnow