Nach dem asiatischen will der BVB auch den amerikanischen Markt erobern. Die neuntägige Reise ist aber mehr als ein Marketing-Trip. 30 Spieler sind dabei. Wir erklären die Hintergründe.

Dortmund

, 17.07.2018, 19:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vom Flughafen Düsseldorf aus macht sich Borussia Dortmund am Mittwoch auf in die USA. Drei hochkarätige Testspiele warten auf den neuen Trainer Lucien Favre und seine Mannschaft. Die Reise ist damit weit mehr als nur ein Marketing-Trip.

Ein unbestelltes Feld beackern

Es steht nicht zu erwarten, dass wie in den vergangenen drei Jahren in Asien eine kreischende Abordnung örtlicher Anhänger den BVB in Empfang nehmen wird, wenn die Mannschaft am Mittwoch zur Kaffeestunde auf dem Flughafen O´Hare in Chicago aus dem Sicherheitsbereich treten wird. In den USA, wo Fußball hinter Baseball, Basketball, American Football und Eishockey um Anerkennung und höhere Wertschätzung kämpft, will Borussia Dortmund ein nahezu noch unbestelltes Feld beackern. Denn der Trend zeigt klar nach oben: Fußball ist auch in Amerika auf dem Vormarsch. Diesen Umstand will sich der BVB zunutze machen.

Wenn es um das große Thema „Auslandsvermarktung“ geht, haben die europäischen Top-Vereine neben Asien längst auch Nordamerika für sich entdeckt. Carsten Cramer, Geschäftsführer Marketing, Vertrieb und Digitalisierung beim BVB, nennt die USA „den zweiten großen Zielmarkt nach Asien.“ Und die Vorverkaufszahlen bestätigen Cramers positive Einschätzung. Jetzt schon sind 35.000 Tickets für das Spiel gegen Manchester City verkauft, 45.000 sind es für die Partie gegen Jürgen Klopps FC Liverpool. Nur die Partie gegen Lissabon hinkt - erwartbar - bei den abgesetzten Tickets ein wenig hinterher.

Große Erlöspotenziale im TV-Bereich

Den Schritt nach Übersee hat der BVB gut vorbereitet. Auf „neun bis zwölf Monate“ beziffert Cramer die Planungsphase. „Den Beschluss, 2018 in die USA zu gehen, haben wir aber schon weit vorher gefasst.“ Nach Stationen in China, Indonesien, Japan und Singapur wird der BVB bis zum 26. Juli also nun in Nordamerika Flagge zeigen und damit sein Auslandsgeschäft weiter ausbauen. Während in vielen Kernbereichen wie Ticketing oder nationaler Werbung das rasante Wachstum der vergangenen Jahre den BVB schon dicht an eine natürliche Grenze geführt hat, winken im Ausland noch große Erlöspotenziale - vor allem im Bereich der TV-Vermarktung, wo die Bundesliga für die USA demnächst die internationalen Rechte neu ausschreiben wird.

BVB präsentiert sich mit 30 Spielern in den Vereinigten Staaten

Müssen den Spagat zwischen Sport und Marketing managen: Carsten Cramer (r.) und Michael Zorc. © imago

Shinji Kagawa hat Borussia Dortmund die Tür zum asiatischen Markt geöffnet, in den acht Tagen in Amerika spannt die Borussia nun Christian Pulisic als Motor vor den eigenen Wagen. „Pulisic ist einer der besten und beliebtesten amerikanischen Fußballer. Natürlich ist er für uns der perfekte Botschafter“, gibt Cramer zu. „Der Schritt in die USA ist folgerichtig, wenn man einen Fußballer dieser Qualität in seinen Reihen hat.“

Spagat zwischen Marketing und Vorbereitung

Pulisic selbst war die Vorfreude auf den Trip in die Heimat nach dem Training am Dienstag anzumerken. „Ich bin sehr aufgeregt“, gestand er. In Pittsburgh, in der Nähe seines Geburtsortes Hershey, werden dann auch Familie und Freunde dabei sein, wenn der BVB auf Benfica Lissabon trifft.

Den Spagat zwischen Marketing-Verpflichtungen zur Steigerung der Marke und Fokussierung auf die wichtige sportliche Vorbereitung der Mannschaft auf die Saison glaubt der BVB auch in den USA gut bewältigen zu können. Cramer findet: „Der Mix ist in Ordnung, der Sport kommt sicher nicht zu kurz.“ Auch Sportdirektor Michael Zorc lobt „die Ausgewogenheit“ zwischen PR und Sport. Und die Spieler haben längst verinnerlicht, dass zur Internationalisierung auch persönliche Präsenz vor Ort dazugehört.

Sieben Spieler aus der U23 dabei

Dem neuen Trainer Lucien Favre bieten sich neben den drei hochkarätigen Tests im Rahmen des International Champions Cup (ICC) gegen Manchester City (21. Juli, 3.05 Uhr MESZ), FC Liverpool (22. Juli, 22.00 Uhr MESZ) und Benfica Lissabon (26. Juli, 2:05 Uhr MESZ) auch ausreichend Möglichkeiten, um intensiv zu trainieren.

Um die Belastung für alle nicht zu groß werden zu lassen, reist die Borussia mit 30 Spielern in die USA und stockt den Kader dazu mit gleich sieben Spielern der U23 auf: Eric Oelschlägel, Jonas Hupe, Herbert Bockhorn, Sören Dieckmann, Tim Sechelmann, Amos Pieper und Denzeil Boadu.

Trio stößt in Chicago zum Team

Noch in Chicago werden am Freitag zudem Marco Reus, Lukasz Piszczek und Neuzugang Achraf Hakimi zur Mannschaft stoßen. Das Trio kehrt dann aus dem WM-Urlaub zurück. In Dortmund bleibt lediglich der noch angeschlagene Julian Weigl.

„Football unplugged“, unter diesem Motto stellt die Borussia ihre Sommertour in den Osten der Vereinigten Staaten. Fußball in seiner natürlichen Form also. Ein bisschen PR gehört dennoch zum Pflichtprogramm.

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