BVB-Profi Emre Can: Der beidfüßige Balljäger mit Biss – sorgt er für den Titel?

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Gelingt dem BVB nach der Coronavirus-Zwangspause ein starker Start, dann ist der Griff zur Meisterschale möglich. Ein immens wichtiger Faktor auf dieser Mission: Emre Can.

Dortmund

, 28.03.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Winter-Analyse von Borussias Bossen war eindeutig: Ihr BVB war schlichtweg zu brav. Nur 154 Mal hatten ihre Profis in der Bundesliga-Hinrunde Foul gespielt, weniger als jeder andere Klub. Weniger Gelbe Karten als die Schwarzgelben hatte auch niemand aus dem deutschen Oberhaus gesammelt.

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Kein Zweifel, es mangelte der Mannschaft weder an spielerischer Klasse noch an Torgefahr. Es mangelte ihr an Aggressivität, an Kampfeslust. Tugenden, die allerdings bei der ersehnten Rückkehr auf den Meisterthron unerlässlich sind. Also griffen die Dortmunder Chefs in die winterliche Kriegskasse und holten ihn: Emre Can. Der beidfüßige Balljäger mit Biss stand schließlich genau für das, was die Borussia nun dringend brauchte.

Emre Can wollte unbedingt spielen – für den BVB ein Glücksfall

Ein Glücksfall, denn Can wollte möglichst schnell weg aus Turin, das trotz einer starken Vorsaison und dem Meistertitel mit Can als Stammspieler jetzt nicht mehr auf ihn setzte. Ihn nicht einmal für die Champions League gemeldet hatte. Can aber wollte unbedingt wieder spielen, wertvoll sein, runter von der Ersatzbank. Also sagte er Dortmund zu.

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„Er wird uns gut tun“, prophezeite BVB-Sportdirektor Michael Zorc, bevor Can auch nur eine Minute für seinen neuen Arbeitgeber aufgelaufen war. Und Zorc behielt Recht. Schon nach wenigen Tagen im schwarzgelben Trikot zählte der rund 25 Millionen Euro teure Neuzugang mit der Rückennummer 27 zu den Führungskräften auf dem Rasen. „Er war vom ersten Tag an sehr präsent, hat sich sofort auf dem Platz und außerhalb des Platzes eingebracht“, sagt Sebastian Kehl im Gespräch mit dieser Redaktion. „Man hat direkt gesehen, dass er ein Leader ist, eine große Erfahrung mitbringt und weiß, worauf es ankommt.“

Emre Can macht den BVB besser

In der Tat. Der fleißige Emre Can eroberte dank harter Zweikampfführung im defensiven Mittelfeld in fünf Spielen für den BVB 28 Mal das Spielgerät und trieb dank seines starken Antritts den Ball meist direkt beherzt nach vorn, er gewann mehr als 62 Prozent seiner Duelle, agierte im Pressing klug. Er macht den BVB schlicht besser. Und aggressiver - in fünf Ligapartien sah Can bereits zweimal Gelb, foulte, wenn es taktisch nötig war.

Viel häufiger aber erntete er Szenenapplaus für eine mutige Grätsche oder ein unermüdliches Stochern nach dem Ball. Als Niemalsaufgeber. „Ich hasse es zu verlieren“, gestand der 26-Jährige jüngst in einem „Kicker“-Interview, viele Stunden auf dem Bolzplatz als Kind hätten ihn einst geprägt. Ob er schon damals den Ton angab? Heute jedenfalls tut er es, ruft Kommandos, dirigiert seine Nebenleute, reißt sie mit.

Can ist längst zentrale Kraft bei Borussia Dortmund

Bei den jüngsten drei Ligasiegen gegen Bremen, Freiburg und Gladbach vor der Coronavirus-Pause war Emre Can längst zentrale Kraft im Motorenraum des BVB, spielte durch. Und sein Team setzte die nach dem bitteren 3:4 in Leverkusen, als sein Traumtor am Ende wertlos blieb, von Can geforderte „dreckigere Spielweise“ um.

Die Borussia bestritt und gewann mehr defensive Zweikämpfe, kassierte aus dem Spiel heraus kein Gegentor. Und ließ weniger Torschüsse und Chancen der Gegner zu im Vergleich zur Hinrunde. Der Dortmunder Hurra-Fußball wich der stabileren Variante - mit der Konsequenz, dass der Rückstand zur Tabellenspitze nicht mehr wie an Weihnachten sieben, sondern nur noch vier Punkte beträgt.

BVB-Lizenzspielleiter Kehl über Emre Can: „Ich glaube fest daran, dass er noch besser werden wird“

Emre Can hat daran seinen Anteil. „Er hat ja zuvor eine Zeit lang in Turin nicht gespielt“, sagt Sebastian Kehl, „ich glaube fest daran, dass er noch besser werden wird.“ Und das kann dem BVB auf seiner Meister-Mission nach der Coronavirus-Pause nur gut tun.

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