BVB-Profi Jadon Sancho und Co.: (un)geschoren davongekommen

rnBorussia Dortmund

Die Posse um sechs unerlaubte Friseurbesuche bei BVB-Profis endet mit vier Freisprüchen und zwei Geldstrafen. Jadon Sancho zeigt sich uneinsichtig.

Dortmund

, 05.06.2020, 19:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Diese Geschichte liefert so viel Stoff für schlechte Wortspiele, dass hier freilich nicht darauf verzichtet werden soll. Am Ende einer haarigen Woche steht seit Freitag also folgendes Urteil fest: Die BVB-Profis Jadon Sancho und Manuel Akanji werden von der Deutschen Fußball Liga (DFL) wegen unerlaubten Friseurbesuchs in den eigenen vier Wänden und Verstoßes gegen das DFL-Hygienekonzept zu null Spielen Haft, aber jeweils 10.000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Akanji und Sancho werden bestraft – BVB-Teamkollegen nicht

Thorgan Hazard, Axel Witsel, Dan-Axel Zagadou und Raphael Guerreiro schneiden besser ab und kommen gänzlich ungeschoren davon, obwohl sie ebenfalls Besuch vom „Fresh Prince The Barber“ hatten, sich dabei aber weniger unglücklich oder nicht fotografieren ließen. So lautet zumindest die inoffizielle Begründung der DFL hinter vorgehaltener Hand. Eine offizielle Begründung gibt es gar nicht erst.

Sancho und Akanji haben nun theoretisch fünf Tage Zeit, um gegen die Strafe Einspruch einzulegen. Sie werden es vermutlich eher nicht in Erwägung ziehen, auch wenn Sancho das Urteil via Twitter prompt als „absolute joke“, als absoluten Witz, bezeichnete. Später, als die halbe Welt schon davon wusste, löschte der junge Engländer seinen Standpunkt wieder.

Zur absoluten Wahrheit gehört indes, dass es Borussia Dortmund und die frisch frisierten Fußballer, die nach Informationen der Ruhr Nachrichten nur von der DFL, nicht vom Verein sanktioniert wurden, deutlich schlimmer hätte treffen können. Mehr als 20.000 Euro für sechs Haarschnitte sind zwar gewiss nicht handelsüblich, aber was ist schon noch normal im Fußball!? Und am Ende, das ist die entscheidende Nachricht für den BVB, sind immerhin alle Spieler gegen Hertha BSC (Samstagabend, 18.30 Uhr) spielberechtigt.

Auch Fußballer haben ein Recht auf einen sauberen Haarschnitt

„Es steht außer Frage, dass auch Profi-Fußballer ihre Haare schneiden lassen müssen“, heißt es in der offiziellen Mitteilung der DFL vom gestrigen Freitag. Dies müsse derzeit jedoch „im Einklang mit dem medizinisch-organisatorischen Konzept erfolgen“. Und weiter: „Der Klub hatte seinen Spielern im konkreten Fall auch eine entsprechende Möglichkeit bereitgestellt.“

Allein diese Sätze – und ihre Notwendigkeit – müssen sich für DFL-Chef Christian Seifert im Kampf um Akzeptanz für die Bundesliga-Fortsetzung in Coronazeiten schlimmer anhören als Geisterspiele mit künstlicher Fangesang-Untermalung im Fernsehen. Auch den BVB-Bossen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc dürften die Haare ob dieser Zeilen zu Berge stehen. Denn es wäre ja alles beinahe witzig, wenn es nicht schon so traurig wäre. Da stellt ein Klub seinen Spielern extra einen Friseur bereit, um etwaigen Problemen vorzubeugen – und dann werden die Hygieneregeln der DFL, in denen schwarz auf weiß geschrieben steht, dass die Spieler wegen der Infektionsgefahr keinen Besuch empfangen dürfen, trotzdem gebrochen – und „Fresh Prince The Barber“ darf davon auch noch Bilder im Internet posten. Ohne Mundschutz natürlich.

Der BVB und seine Profis: Haare statt Fußball

Zorc sagte dazu (mit halbwegs guter Miene zum schlechten Spiel) auf der Pressekonferenz vor der Hertha-Partie, auf der es mehr um Haare als um Fußball ging: „Ich glaube, dass es auch im DFL-Konzept nicht verboten ist, wichtige Dinge zu tun. Wenn die Spieler mit dem Auto unterwegs sind und der Tank leer ist, dann dürfen sie tanken. Genauso gehört es dazu, zum Friseur zu gehen.“

Und so muss nun wohl darüber diskutiert werden, ob es wichtig ist, dass die Haare nicht von irgendeinem Friseur auf dem Trainingsgelände, sondern bitteschön von Winnie Nana Karkari, besagtem Prinzen aus Düsseldorf, im eigenen Haus geföhnt und gelegt werden.

Vielleicht verhält es sich im gern zitierten „modernen Fußball“ ja schlicht so: Früher, also als die Pille noch aus Leder und die Schuhe noch schwarz waren, wurde in Spielerkreisen in der Halbzeit heimlich geraucht und später öffentlich gesoffen, heute, da das meiste aus buntem Plastik ist, wird heimlich der Friseur nach Hause eingeladen, der es dann später bei Instagram der Öffentlichkeit mitteilt. Beides nicht gut, aber schon irgendwie anders.

DFL wird viele alte Zöpfe abschneiden müssen

Die DFL, die sich gerade fragt, was der Fußball in den vergangenen Jahren nur falsch gemacht haben könnte und eine „Task Force“ für die Zukunft des Profifußballs gründen möchte, wird jedenfalls wohl viele Zöpfe abschneiden müssen, um die Bundesliga wieder näher ans, bestenfalls unters Volk zu bringen. Vorschlag zur Güte: Vielleicht sollten die Fans im Stadion zukünftig, wenn sie irgendwann wieder rein dürfen, häufiger jenen Schlachtruf anstimmen müssen: „Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön, du hast, du hast, du hast die Haare schön!“ Es wäre wenigstens ein Anfang.

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