BVB-Porif Mo Dahoud behauptet den Ball gegen Wolfsburgs Maximilian Arnold. © imago images/Joachim Sielski
Borussia Dortmund

BVB-Profi Mo Dahoud überzeugt wieder: Werbung in eigener Sache

Borussia Dortmunds Tor zum 2:0 in Wolfsburg verdient das Prädikat „Weltklasse“. An der Entstehung gebührt Mahmoud Dahoud der Löwenanteil – der 25-Jährige betreibt weiter Eigenwerbung.

In den dunklen Januar-Tagen stand Mahmoud Dahouds BVB-Karriere am Scheideweg. Mal wieder war über einen Wechsel des 25-Jährigen diskutiert worden, weil er sich auch in seiner vierten BVB-Saison schwertat und aus den unstrittig guten Anlagen im schwarzgelben Trikot in dreieinhalb Jahren viel zu wenig gemacht hatte. Wie schon im Sommer zuvor blieb Dahoud in Dortmund. Das war auch der Tatsache geschuldet, dass sich in Corona-Zeiten niemand finden ließ, der den üppig ausgestalteten Vertrag des Deutsch-Syrers auch nur annähernd übernehmen konnte oder wollte.

BVB-Profi Dahoud zeigt im Training und auf dem Platz einen deutlichen Leistungsaufschwung

Diesmal aber war sein Verbleib dennoch keinesfalls so sicher. Nicht eine Minute hatte er nach dem Trainerwechsel von Lucien Favre zu Edin Terzic gespielt, darüber, so erfuhr man erst später, soll es einen heftigen Disput im Training gegeben haben. Dass Terzics Verständnis für die unbefriedigende Situation des Spielers in eine Begnadigung mündete, für die sich Dahoud im Training und dann immer öfter auch auf dem Platz mit einem deutlichen Leistungsaufschwung bedankte, war für beide Seiten ein gutes Geschäft.

Es hat „klick“ gemacht bei Mahmoud Dahoud. „Das Vertrauen des Trainers ist wichtig. Immer, wenn ich reinkomme, möchte ich ihm etwas zurückgeben“, erklärte er. Seine Vorarbeit zum 2:0 in Wolfsburg ist nur ein weiterer Beleg dafür. War Dahoud früher auf dem Platz bisweilen ein Nervenbündel, taktisch undiszipliniert und oft Stammgast der Kategorie „schlampiges Genie“, zeigt sein Spiel heute deutlich mehr Reife und Ruhe, mehr Biss und mehr Selbstsicherheit. Den Pass auf Erling Haaland nach einem Ballgewinn, der alleine schon Applaus verdient gehabt hätte, hätten nicht viele so präzise und mutig gespielt. Dahoud aber schon einmal, und das ist erst wenige Wochen her. Mit dem Unterschied, dass Haaland in Manchester die Traumvorarbeit nicht mit einem Treffer veredeln konnte.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc lobt Mo Dahoud

BVB-Sportdirektor Michael Zorc war nicht allein als Kritiker von Mahmoud Dahoud unterwegs, dessen Verpflichtung 2017 sich mit der Hoffnung verband, einen Mittelfeld-Strategen mit Zukunftspotenzial für eine relativ überschaubare Ablöse zu bekommen. Knapp über zehn Millionen Euro überwies der BVB für den damals 21-Jährigen, der es in der Folge jedoch nie zum Stammspieler schaffte. Aktuell ist er das. „Er ‚klaut‘ Bälle, das macht er sehr schlau“, sagt Zorc im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. „Er wird sicherlich kein Kopfballungeheuer mehr und auch kein Zweikampfmonster. Aber er löst viele Situationen mit sehr großem Geschick.“

Wie es mit Dahoud weitergeht in Dortmund, soll erst nach der Saison auf die Agenda genommen werden. Sein Vertrag läuft bis 2022, die Frage lautet: verlängern oder verkaufen? Das könnten angesichts der aktuellen Ausgestaltung der Arbeitspapiere und dem Unsicherheitsfaktor, wie der Transfermarkt in Gang kommt angesichts der klammen Kassen in Corona-Zeiten, durchaus langwierige Verhandlungen werden.

Die Zukunft von Dahoud beim BVB ist noch offen

Außerdem ist die Entscheidung, ob und wie der neue Trainer Marco Rose mit Dahoud plant, noch gar nicht gefallen. Vorerst gibt es reichlich Lob vom Sportdirektor: „Aktuell spürt und genießt er richtiggehend das Vertrauen“, sagt Zorc. „Und das hat er sich auch durch seine Leistungen verdient.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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Dirk Krampe