BVB rätselt über den Verlust defensiver Stabilität

Frust und Ratlosigkeit

Die Minuten nach dem Abpfiff in der Commerzbank Arena verrieten einiges über die Gemütslage bei Borussia Dortmund. Es herrschte eine explosive Stimmung. Sie war auch Ausdruck einer gewissen Ratlosigkeit.

DORTMUND

von Von Dirk Krampe

, 27.09.2012, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Disput  mit dem Vierten Offiziellen: Jürgen Klopp.

Im Disput mit dem Vierten Offiziellen: Jürgen Klopp.

Beim Gang in die Kabine schrie Mats Hummels seine Wut heraus („Was für ein scheiß Zusammenspiel“) und malträtierte die Kabinentür, kurz zuvor war Jürgen Klopp mit dem vierten Offiziellen Guido Kleve aneinander geraten und von Schiedsrichter Florian Meyer auf die Tribüne verbannt worden. Der Schock darüber, dass der BVB wie am Samstag ein Gesicht gezeigt hatte, das man von dieser Elf eigentlich nicht kennt, war groß. 2011, am Ende der ersten Meistersaison unter Klopp, hatte Borussia Dortmund 22 Gegentore kassiert. Mit Abstand die wenigsten der Liga. In der vergangenen Spielzeit waren es nur drei mehr. Auch das ist ein absoluter Top-Wert. Nach fünf Spielen dieser Saison stehen die acht Gegentore in der Statistik als alarmierendes Symbol für den Verlust defensiver Stabilität. „Wir haben die drittmeisten Gegentore“, sagte Klopp bei einem Blick auf die Tabelle. „Das ist eine absolute Scheiß-Statistik.“

Über die Gründe wird gerätselt. „Wir machen’s hinten nicht gut“, grantelte Sportdirektor Michael Zorc, „warum das so ist? Keine Ahnung!“ Als einer der wenigen Spieler bemühte sich Kapitän Sebastian Kehl nach der Partie um eine Erklärung: „Die Räume“, sagte er, „sind zu groß, viele Mechanismen funktionieren nicht so, wie wir das eigentlich drin haben.“ Sechs Gegentore in zwei Spielen seien „fatal“, meinte Kehl, „das ist eine miserable Quote!“ Die meisten seiner Kollegen äußerten sich nicht und spielten nach dem Abpfiff Verstecken – das hatten sie, was die reine Defensivarbeit anbelangt, ja zuvor auch schon praktiziert. In der Tat deckte die Eintracht die Probleme im Dortmunder Defensivverbund schonungslos auf. Dass Frankfurt über Schwegler und den erneut starken Inui vor dem 1:2 den Ball über 60, 70 Meter ungehindert in Richtung BVB-Strafraum treiben konnte und dort Aigner – ebenso ungestört – nach innen ziehen und schießen durfte, offenbarte gravierende Dortmunder Probleme im Umschaltspiel und im Verschieben innerhalb der Viererkette. Mit dem ersten Gegentor, das aus einem Ballverlust Kehls am Frankfurter Strafraum resultierte, „haben wir ihnen die Tür geöffnet“, kritisierte Klopp. „Damit haben wir ihnen den Glauben an einen möglichen Sieg zurückgegeben.“

Das gravierende Fehlverhalten rückt nun an die erste Stelle der Tagesordnung. „Nur kleine Dinge“, meinte Klopp am Mittwoch nach einer 45-minütigen Videoeinheit mit der Mannschaft, seien zu korrigieren. „Die Jungs haben alle Grundlagen, ich bin sicher, dass wir das schnell hinbekommen.“ Ob Klopps erneuter Ausraster gegen einen Unparteiischen genau so leicht aus der Welt zu schaffen ist, ist zumindest ebenso zweifelhaft. Am Mittwoch nahm der DFB Ermittlungen gegen den Dortmunder Trainer („Ich habe nur gerufen, das war Foul, das war Foul“) auf. Klopp gestand: „Mein Gesicht sieht da nicht gut aus, das ist schwierig.“ Klopp ist Wiederholungstäter, auch an dieser Front könnte noch Ungemach drohen.

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