BVB-Rückkehrer Götze sieht sich bei "99,9 Prozent"

Kritik von TV-Experte Lehmann

Spätestens seit Mario Götzes entscheidenden Treffer im WM-Finale 2014 hat der Offensivkünstler einen Stein im Brett bei Bundestrainer Joachim Löw. Dieser revanchierte sich jetzt, indem er dem Hochbegabten leichte Starthilfe für seine noch nicht in Schwung gekommene BVB-Rückkehr gab. Nur einer meckerte am Sonntag massiv: TV-Experte Jens Lehmann.

OSLO/DORTMUND

, 05.09.2016, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Rückkehrer Götze sieht sich bei "99,9 Prozent"

Mario Götze wurde von Jens Lehmann scharf kritisiert.

Jens Lehmann war schon als Keeper ein zuweilen zänkischer Mensch, der keinem Konflikt aus dem Weg ging. Als TV-Experte – so wirkt es manchmal – hat er seinem Charakter noch eine gehörige Prise Streitlust hinzugefügt. Zu spüren bekam das am Sonntag Nationalspieler Mario Götze, den sich Lehmann nach dem 3:0-Sieg in Norwegen zum Auftakt der WM-Qualifikation vor einem Millionenpublikum an den TV-Bildschirmen vorknöpfte.

"Habe nichts gesehen"

"Mario Götze gibt einem immer das Gefühl, dass er irgendwie nichts macht. Das ist ein bisschen enttäuschend", redete er sich im Beisein von Bundestrainer Joachim Löw vor laufenden Kameras in Rage, „ich habe keinen Sprint gesehen, ich habe nichts gesehen. Wenn andere reinkommen wie Julian Brandt: Die tun was, die geben einem das Gefühl dafür zu kämpfen, wieder aufgestellt zu werden. Bei Mario Götze habe ich im Moment oder schon seit Längerem nicht mehr das Gefühl.“

So schonungslos war zuletzt Mario Gomez bei der EM 2012 öffentlich von einem TV-Experten kritisiert worden. Damals hatte Mehmet Scholl Gomez attestiert, sich „wundgelegen“ zu haben – ein viel zitierter Spruch, der in der Folge aufgrund seiner öffentlichen Wirkung seinen kleinen Teil dazu beitrug, dass die DFB-Karriere des Stürmers für einige Zeit vorbei zu sein schien.

Löw gelassen

Ein ähnliches Schicksal muss Götze allerdings nicht befürchten. Davon zeugte schon die gelassene Reaktion von Löw, der sich die Lehmann‘sche Kritik bei einer Tasse seines geliebten Espresso anhörte. „Es ist offensichtlich, dass er ein bisschen Zeit braucht“, erklärte der 56-Jährige, als er die Tasse abgestellt hatte, „man merkt ihm an, dass ihm die Sicherheit und die Spielpraxis für sein Spiel fehlen. Man merkt ihm im Training aber auch an, dass er mehr Freude hat, ein bisschen ein Lächeln im Gesicht. Er braucht noch ein paar Spieltage, um das zu bringen, was man von ihm erwartet. Da habe ich das Zutrauen.“

Jetzt lesen

Sichtbarstes Zeichen dieses Zutrauens war Götzes Aufstellung im Test gegen Finnland (2:0), bei dem er beide Treffer vorbereitete, sowie im WM-Qualifikationsspiel in Norwegen. Der BVB-Rückkehrer sollte Spielpraxis und Selbstbewusstsein tanken, um anschließend in Dortmund durchzustarten. Ein Vorhaben, das Götze laut eigener Aussage mit seinem Klubtrainer Thomas Tuchel abgestimmt hatte. „Es ist“, erklärte er am Sonntag zufrieden, „alles nach Plan gelaufen.“ Nur das Tor habe gefehlt, ansonsten sei er bereits wieder bei „99,9 Prozent“.

Einsatz in Leipzig?

Beweisen kann er das in dieser Trainingswoche, die Karten für das Bundesliga-Spiel des BVB bei RB Leipzig (Samstag, 18.30 Uhr) werden neu gemischt. Wenn es gut läuft für Götze, kann er am Samstagabend müde über Lehmann lächeln – und dem Bundestrainer eine Dank-SMS für dessen keineswegs selbstverständliche Starthilfe schicken. 

Mit dpa

Lesen Sie jetzt