BVB-Sechser Julian Weigl als Rio-Reiser?

Mit U21 zu Olympia

Der Strolch sollte sich was schämen. Dass kürzlich bei einem Einbruch ins Vereinsheim seines Heimatklubs SV Ostermünchen ein signiertes Weigl-Trikot aus Zeiten beim TSV 1860 entwendet, jenes vom BVB aber vom Dieb verschmäht wurde, hinterließ Kopfschütteln. Welch ein Frevel, diese beiden Missetaten gleichermaßen.

Dortmund

, 26.03.2016 / Lesedauer: 3 min
BVB-Sechser Julian Weigl als Rio-Reiser?

urchsetzungsvermögen beweist Julian Weigl hier im Spiel der deutschen U 21 gegen die Färöer. Auch in Dortmund hat der Bayer bewiesen, dass er sich gegen teils hochklassige Konkurrenz behaupten kann.

Gut möglich, dass Julian Weigl (20) seinem ersten Klub bald ein weiteres Trikot zur Verfügung stellt. Dominiert von den Farben Weiß und Schwarz, dazu drapiert mit fünf bunten Ringen. Borussia Dortmunds Mittelfeldmotor ist ein heißer Kandidat für die Olympischen Spiele. Weigl als Rio-Reiser.

Vom Abstiegskämpfer zum Stammspieler

Nach seinen ersten Spielen in der Bundesliga dachte sich Weigl noch: „Das gibt’s doch nicht.“ Seinen Durchbruch im Profifußball erlebte er nach eigener Aussage „als Traum“. Vom Abstiegskämpfer in der zweiten Bundesliga katapultierte sich der Borusse zum Stammspieler in einem der besten Klubs in Europa. Nun könnte in wenigen Monaten der nächste unglaubliche Moment für ihn anstehen, auf der weltgrößten Sportbühne.

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Dieses Leben im Fokus, daran muss Weigl sich weiter gewöhnen. Es stört ihn nicht, aber es ist halt neu. Als kürzlich das Team von BVB-Total für die Reihe „Die Sparda-Bank bewegt“ mit mehreren Kameras, Fotografen und Mikrofonen um ihn herum durch den Rombergpark wuselte, bedeutete das eine weitere neue Erfahrung. „So einen Dreh hatte ich in meiner Karriere noch nicht.“

Dauerbrenner hinter Star-Trio

Es war auch nicht absehbar, dass seine Karriere so einen Dreh macht. Der potenzielle Ergänzungsspieler mit wenig Chancen auf Einsatzzeiten, als der Weigl im Sommer nach Dortmund gekommen war, hat sich mit seiner vorbildlichen Haltung weit nach oben gespielt in die Hierarchie bei seinem Trainer Thomas Tuchel. Hinter den drei Top-Stars Pierre-Emerick Aubameyang, Mats Hummels und Henrikh Mkhitaryan kommt der defensive Mittelfeldspieler auf die meisten Spielminuten.

Selbst einen kleinen Durchhänger zu Beginn der Rückrunde, als Tuchel mehrfach Matthias Ginter bevorzugte, hat er problemlos weggesteckt. Sein Antrieb lässt ihm auch keine andere Wahl, erkärt er mit Blick auf seine bisherigen Bundesliga-Erlebnisse. „Nach und nach steckst du dann auch deine Erwartungen höher. Ich habe mir meine guten Spiele angeschaut und mir gesagt: Das ist mein neuer Ansatz, jetzt will ich das Spiel für Spiel abliefern.“

BVB-Spielart als idealer Nährboden

Sein Dortmunder Trainer Thomas Tuchel („Ich weiß, dass ich sehr streng mit ihm bin und werde das auch bleiben“) gibt ihm mit seinem auf Ballbesitz und Passspiel angelegten Fußball den idealen Nährboden, um sich weiter zu entwickeln. „Unsere Spielart passt sehr gut zu meinen Fähigkeiten“, sagt auch Weigl.

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Zugleich passt die verblüffende Reife, die dieser Jungspund an den Tag legt, wunderbar zur deutschen Nachwuchs-Auswahl. Vorausgesetzt, Bundestrainer Joachim Löw bekommt nicht plötzlich lange Finger, dürfte Weigl sich in seinen erst fünf U 21-Länderspielen beim Olympia-Coach Horst Hrubesch nachhaltig empfohlen haben. „Wir hatten noch nie so viele gut ausgebildete Spieler“, sag Hrubesch, „Weigl bringt alles mit.“ 16 Feldspieler darf er für Rio nominieren, 13 müssen wie Weigl nach dem 1. Januar 1993 geboren sein.

Olympia als nächstes Karriere-Highlight?

Je nach Ausgang der EM-Selektion von Löw könnte dieses Kalenderjahr für den unbekümmerten Aufsteiger also die nächsten Aufgaben bereithalten, an die er vor einem Jahr nicht einmal ernsthaft gedacht hatte. Eine mögliche Olympia-Medaille wäre im Vereinsheim des SV Ostermünchen aber wohl schlecht aufgehoben.

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