BVB-Sechser Weigl gibt zu: Wir sind als Mannschaft noch nicht fertig

rnBorussia Dortmund

Die BVB-Niederlage bei Union Berlin wirft grundsätzliche Fragen auf. Viel erinnert an die Fehler der vergangenen Rückrunde. Julian Weigl will dennoch „kein zu großes Fass aufmachen“.

Berlin

, 01.09.2019, 12:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Julian Weigl versuchte erst gar nicht, die Lage irgendwie schönzureden. Er kam lieber direkt zu den quälenden Fakten. „Wir haben schlecht gespielt. Union hat verdient gewonnen“, resümierte Borussia Dortmunds Mittelfeldspieler. Erst 30 Minuten nach dem Abpfiff war Weigl am Samstagabend aus der BVB-Kabine gekommen - die 97 aufregenden Minuten im Südosten Berlins mussten erst einmal fern von Kameras oder Mikrofonen verarbeitet werden.

Dass Dortmund beim 1:3 an der „Alten Försterei“ einige Böcke geschossen hatte, konnte und wollte Weigl dann auch nicht bestreiten. „Wir waren zu unsauber, der letzte Pass war entweder zu weit oder zu kurz. Wir haben es speziell in der zweiten Halbzeit nicht geschafft, uns klare Torchancen herauszuspielen. Heute haben wir als Kollektiv zu viel zugelassen, das hat vorne angefangen und hinten aufgehört“, sagte der 23-Jährige.

Union kämpft den BVB nieder

Weigl lief in den 76 Minuten, in denen er mitwirkte, starke zehn Kilometer, er wies eine exzellente Passquote auf und gewann die Mehrzahl seiner Zweikämpfe. Darum wollte er auch mangelnde Leidenschaft nicht als Hauptgrund für die Pleite beim Aufsteiger gelten lassen. „Union kommt über die körperliche Stärke, wir haben aber dagegengehalten“, wehrte er sich. Aber: „Sie waren ein Stück weit mehr bereit als wir bei den zweiten Bällen, da war es schwierig für uns durchzubrechen. Wir sind nicht hinter die Abwehrkette gekommen.“

„Wir waren zu unsauber, der letzte Pass war entweder zu weit oder zu kurz.“
Julian Weigl

Weigl zeigte sich verwundert darüber, dass der Plan der Borussen nach der Halbzeitpause gründlich schief ging. Sie hatten sich vor dem Anpfiff zum zweiten Durchgang gemeinsam vorgenommen, vor dieser ohrenbetäubenden Kulisse im Berliner Hexenkessel geduldig und ruhig zu bleiben, „kein Harakiri zu spielen“, im Wissen, dass sie ihre Torchancen schon noch bekommen würden. Aber sie bekamen sie nicht. „Stattdessen haben wir sie immer wieder eingeladen, im Spiel zu bleiben und die Tore zu machen. Und wir wurden nie richtig gefährlich.“

Unerklärlich, denn vor der Pause schien es noch so, als könne die Borussia wie schon in den ersten beiden Saisonspielen den Rückstand dank ihrer spielerischen Qualität noch drehen. „Ich hatte eigentlich ein ganz gutes Gefühl, wir haben ja auf das 0:1 gut geantwortet. Wenn wir den Ausgleich machen, ist man es eigentlich von uns gewohnt, dass Schwung reinkommt und wir uns das nicht nehmen lassen, als Sieger vom Platz zu gehen. Das ist aber heute nicht passiert“, so Weigl.

BVB ist in der Anfangsphase immer anfällig

Nur warum in aller Welt geriet der BVB denn trotz seines überlegenen Personals gegen Augsburg, Köln und Union überhaupt in Rückstand und setzte sich damit selbst unter Druck und der Gefahr aus, es nicht mehr umbiegen zu können? Ist das ein Kopfproblem? Womöglich sogar Überheblichkeit? „Ich glaube und hoffe nicht, dass wir die Gegner nicht ernst nehmen. Wir haben uns gut vorbereitet, wir wussten, was auf uns hier im Stadion zukommt“, sagte er. Sehr ärgerlich sei es, dass der BVB „in der Anfangsphase immer anfällig“ sei für Tore, „das darf uns natürlich nicht passieren“. Denn gegen Gegner wie Köln oder Union ist es dann noch schwerer, „weil wir dann noch mehr anrennen müssen“. Und weil Union am Samstag bissiger und gieriger kämpfte als der BVB und zudem beherzt den Weg nach vorn suchte, war es dann plötzlich aussichtslos.

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Die RN-Analyse zum 1:3 des BVB bei Union Berlin

„Unterm Strich war das heute viel zu wenig“, gestand Weigl. Große Sorgen mache er sich ob des schwachen Auftritts, der ersten Saisonniederlage und der wackligen Abwehr aber nicht. „Wir dürfen jetzt kein zu großes Fass aufmachen“, warnte er, und erklärte: „Wir sind als Mannschaft noch nicht fertig. Dass noch nicht alles in einem Guss läuft, war uns klar, trotz des guten Saisonstarts.“ Soll heißen: Es wartet noch eine Menge Arbeit auf Trainer und Spieler.

Länderspielpause kommt für den BVB zum ungünstigen Zeitpunkt

Denkbar ungünstig kommt da nach der Pleite von Berlin nun die Länderspielpause daher. Der Großteil der Dortmunder Stammkräfte ist seit Sonntag unterwegs und kehrt erst in zehn Tagen zurück. Andere Profis (Axel Witsel, Thorgan Hazard) sind verletzt. Dinge auf dem Trainingsplatz jetzt neu zu justieren oder intensiv bis zum Heimspiel gegen das bärenstarke Bayer Leverkusen an Schwachstellen zu arbeiten, ist für den BVB nahezu unmöglich. Aber auch Julian Weigl weiß: „Wir müssen die Fehler ansprechen, denn so wie heute wird es auch in den nächsten Wochen schwer.“

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