BVB-Spieler Marco Reus hat im Alltag versagt

Kommentar

Zwei Wochen haben gefehlt, dann hätte Marco Reus 2014 als sportliches Seuchenjahr abhaken können. Als Pechvogel der Fußball-Nation, dem unser Mitleid gehörte. Nun wissen wir: Auf dem Rasen ein Super-Techniker, hat der 25-Jährige im Alltagsleben, sofern es dies für rund-um-die Uhr-verwöhnte Fußball-Profis überhaupt gibt, total versagt.

DORTMUND

, 19.12.2014, 07:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Selbst heißblütigste BVB-Fans schockt der Mix aus Dummheit, Naivität, Verantwortungslosigkeit und vielleicht auch Arroganz des jungen Mannes, der in Interviews bisher immer freundlich, fast bescheiden rüberkam. Wer ohne Prüfung und Führerschein jahrelang mit einem Wagen unterwegs ist - Marco Reus fuhr einen fetten Sportwagen mit mächtig PS - begeht kein Kavaliersdelikt, schon gar keine Kurzschlusshandlung. Es ist eine Straftat, für die der Nationalspieler überraschend glimpflich büßen muss.

Nicht zu unrecht kursiert der Vorwurf vom Promi-Bonus. Nur 540.000 Euro braucht der Jung-Millionär von seinem Konto abzubuchen, weil laut Staatsanwältin "Gegenstand des Strafbefehls sechs Fahrten ohne Fahrerlaubnis sind". Was natürlich gleich mehrere Fragen aufwirft: Warum hat die Justiz nicht recherchiert, ob Reus in sechs Jahren nicht häufiger am Steuer gesessen hat, was wirklich niemanden verwundern würde? Wieso nutzt die Staatsanwaltschaft nicht die Möglichkeit, den Verkehrssünder mit einer Führerschein-Sperre zu belegen?

Was am wenigsten überraschte, waren die Reaktion des Vereins und des Verbandes. BVB-Trainer Jürgen Klopp sprach von einer "außergewöhnlich hohen", aber auch gerechten Strafe. Das war es aber auch schon. Der Deutsche Fußball-Bund reagierte wie gewohnt. Er schwieg. Wer will es sich schon mit einem Ausnahmespieler wie Marco Reus verderben? Zumal der DFB nach dem Unfall mit Sponsoren-Autos selbst im Glashaus sitzt.

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