Borussia Dortmund

BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl: „Es ist keine ganz glückliche Situation“

Sebastian Kehl blickt mit großem Optimismus auf die neue Saison. In Bad Ragaz spricht der BVB-Sportdirektor über seine neue Rolle, die personelle Lage, sportliche Ziele, Brandt, Akanji und Terzic.
BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl während der Medienrunde in Bad Ragaz.
Blick optimistisch auf die neue Saison: BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl. © Kirchner-Media

Als Nachfolger von Michael Zorc tritt Sebastian Kehl als BVB-Sportdirektor in große Fußstapfen. Im Trainingslager in Bad Ragaz sprach der 42-Jährige am Montag über Haaland-Nachfolger Sebastien Haller, die Situation von Manuel Akanji und die Gerüchte um Julian Brandt.

BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl sprach über …

… den Lewandowski-Wechsel: „Die Thematik rund um Lewy hat sich ein paar Tage gezogen. Natürlich habe ich es verfolgt, weil ich ihn ja noch aus meiner persönlichen Zeit kenne. Ich wünsche ihm alles Gute, das darf ich in meiner Rolle sagen. Ansonsten bin ich weder in den Kaderplanungs-Themen des FC Bayern München involviert noch interessieren sie mich.“



… die Vorbereitung:
„Mit der Vorbereitung sind wir sehr zufrieden. Was wir bis dato auf den Platz bekommen haben, macht Lust und Freude. Die Ideen sind erkennbar. Gleichwohl wissen wir, dass die Nationalspieler noch etwas Zeit brauchen. Wir waren früh dran mit Transfers in unterschiedlichen Segmenten, weil wir aus der Analyse der vergangenen Saison für uns schon ein paar Themen definiert haben. Deshalb bin ich froh, dass wir an der einen oder anderen Stelle unseren Kader deutlich verstärken konnten, dass wir jetzt mehr Optionen haben. Wir werden schnell gefordert sein und schnell zusammenwachsen müssen. Das ist eine Herausforderung, die uns aber allen klar war. Ich habe trotzdem das Gefühl, dass hier eine richtig gute Energie ist, die Neuzugänge richtig Bock auf Borussia Dortmund haben und sie gefühlt schon länger als nur ein paar Tage hier sind.“

… die Mentalität: „Wir haben diese Themen schon in den Vertragsgesprächen angesprochen. Uns war es ganz wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie denken und fühlen, wie gehen sie mit schwierigen Situationen um, was glauben sie, was sie hier erwartet. In diesen Gesprächen hatten wir bei all den Jungs, die wir verpflichtet haben, das Gefühl, dass sie die richtige Haltung und eine hohe Identifikation mitbringen. Sie wissen, für was Borussia Dortmund steht und wie der Fußball in dieser Saison aussehen soll. Ich bin guter Dinge, dass die neuen Jungs und die, die schon länger da sind, gut zusammenwachsen und eine neue Energie bringen werden. Aber natürlich brauchen sie auch die Unterstützung von einem Marco Reus oder Mats Hummels – auch in schwierigen Momenten.“



… mögliche Abgänge:
„Das kann ich aktuell nicht sagen. Wir haben eine hohe Anzahl an Spielern hier mit und einen spannenden Kader, der aktuell an der einen oder anderen Position einen hohen Konkurrenzkampf hervorruft. Und womöglich einen Kader, der auf der ein oder anderen Position, wenn es uns gelingt, auch noch verkleinert werden kann. Aber wir sehr unaufgeregt an die Sache ran. Wir haben noch ein paar Wochen Zeit, der Transfermarkt ist noch bis Anfang September geöffnet und deswegen beobachten wir die Dinge. Und trotzdem sagen, dass ich hier alle Jungs auch richtig reinknien und richtig Gas geben und auch an ihrer Chance arbeiten.“

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… die sportlichen Ziele: „Borussia Dortmund wird immer um die Champions-League-Plätze spielen. Das ist ein absolutes Muss für uns, international auf diesem Niveau dabei zu sein. Wir werden immer auch um Titel spielen wollen. Auch das wird sich nicht ändern. In der Champions League wollen wir natürlich die Gruppenphase überstehen und ein Ausscheiden im DFB-Pokal in so einer frühen Runde, wie das in der letzten Saison war, natürlich verhindern. Was in der Bundesliga möglich sein wird, das hängt auch ein Stück weit davon ab, was die anderen tun. Ich sehe uns da natürlich in einer Rolle, um auch angreifen zu wollen. Aber ich glaube, viele andere Mannschaften sollten sich genauso in dieser Rolle sehen. Es sind am Ende auch Leverkusen und Leipzig gefordert, um jetzt einfach nur mal zwei zu nennen.“



… übergeordnete Ziele:
„Es gibt fernab der sportlichen Ziele, die wir haben, auch ein paar übergeordnete Ziele: nach einer langen Zeit von Corona unsere Zuschauer wieder zu begeistern, unser Stadion wieder zu einer Festung zu machen. Ich glaube, auch eine andere Haltung und eine hohe Identifikation zu zeigen, dass die Menschen, die ins Stadion kommen, das Gefühl haben, da ist eine Mannschaft auf dem Platz, die alles gibt, die sich zerreißt, die alles dafür tut, erfolgreich zu sein. Und ich glaube, dann ist unser Verein auch immer in der Lage gewesen, auch mal eine Niederlage und vielleicht auch mal eine schwierige Phase auch zu akzeptieren oder zu überstehen. Das wird keine einfache Aufgabe. Aber da stellen wir uns, ich glaube, das ist der Mannschaft auch bewusst. Und deswegen gibt es sportliche Ziele, es gibt übergeordnete Ziele und am Ende wollen wir natürlich ambitioniert sein und etwas erreichen.“

… die Gerüchte um einen Abgang von Julian Brandt: „Nein, das stimmt nicht. Man muss auch ehrlich sagen, dass ich in den letzten Tagen einiges gelesen habe über unseren Kader, über einzelne Personen, was ich nicht ganz in Ordnung fand. Aber ich kann sagen, das hat Julian Brandt sogar selber formuliert, dass es diese Gespräche definitiv nicht gab. Julian hat in der vergangenen Saison einen richtigen Schritt nach vorne gemacht. Er hat deutlich mehr Tore geschossen, er war deutlich mehr beteiligt. Er hat sich für die Saison einiges vorgenommen. Er möchte auch zur WM.“



… seine neue Rolle als Sportdirektor:
„Es hat sich aktuell nicht so wahnsinnig viel verändert. Die Übergänge waren in den letzten Monaten sehr fließend. Ich glaube, dass das Michael und meine Wenigkeit sehr gut gemacht haben. Und gleichwohl habe ich mit Michael natürlich immer auch noch einen sehr guten Kontakt. Wir haben auch jetzt im Urlaub telefoniert. Michael interessiert natürlich auch noch, wie die Geschehnisse hier bei uns aktuell laufen. Er ist ja so viele Jahre Teil dieser BVB-Familie gewesen in dieser Funktion und er wird auf immer und ewig natürlich auch ein Teil der Familie bleiben. Ich bin sehr dankbar gewesen über das, was mir Michael alles mitgeben konnte. Ich werde natürlich meinen eigenen Weg gehen, an der einen oder anderen Stelle, das ist auch klar. Gleichwohl werden wir als Klub natürlich auch viele Dinge, die Michael in der Vergangenheit auf den Weg gebracht hat, fortführen.“

… Konstanz: „Das ist ein großes Ziel. Ich glaube, wenn wir es schaffen sollten, einen Kader über einen längeren Zeitraum zusammenzuhalten, dann werden wir auf Dauer natürlich erfolgreicher werden, weil sich Dinge gemeinsam einspielen und Prozesse ineinanderfließen. Genauso ist es wichtig, Konstanz auf der Trainerposition zu behalten. Und trotzdem kann ich es nicht ausschließen, dass womöglich der eine oder andere Spieler womöglich auch nochmal weiterzieht.“

… Cheftrainer Edin Terzic: „Er ist total engagiert, total positiv, aber auch fokussiert und klar in den Dingen, die er voranbringen möchte. Er hat eine klare Idee, wie er spielen möchte, wie er mit den Spielern umgehen möchte und auch unser Zusammenspiel ist super gut. Das ist ein sehr großes Vertrauensverhältnis und natürlich sprechen wir die Dinge ab. Die Zusammenstellung des Trainerteams war eine Komponente. Ich glaube, das sind alles gewinnbringende Dinge. Edin kennt den Verein aus dem Effeff. Er hat eine unglaublich hohe Identifikation mit dem Klub, eine brutale Kommunikation und ist einfach richtig heiß. Und das macht uns alle happy. Das ist der richtige Moment jetzt, um diesen Schwung mitzunehmen. Gleichwohl wird es auch mal andere Phasen geben, wo wir allesamt dann gefordert werden.“

… die Personalie Manuel Akanji: „Manuel hat sich bei Borussia Dortmund nie etwas zuschulden kommen lassen, er hat auch nie zu viel Geld gefordert oder Forderungen gestellt. Es war so, dass wir mit Manuel gerne verlängert hätten und ihm ein Angebot unterbreitet haben. Aber er hat uns damals schon mitgeteilt, dass er dieses Angebot nicht annehmen möchte. Nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil Manuel für sich entschieden hat, in diesem Sommer noch mal eine neue Herausforderung anzunehmen. Und das war für uns total okay. Manuel hat im letzten Jahr eine überragende Saison gespielt, hat sich bis zum letzten Tag auch richtig reingekniet und das sieht man auch heute. Aber es ist so, dass wir natürlich aufgrund dieser Gespräche, die wir geführt haben, unsere Planungen dann entsprechend ausgerichtet haben. Und trotzdem ist Manuel ein Teil dieser Gruppe. Manuel hat weiterhin Vertrag, den Vertrag respektieren wir natürlich auch. Wir sind da relativ entspannt, was die nächsten Wochen angeht, auch wenn es keine ganz glückliche Situation ist, in der wir uns aktuell befinden. Es ist trotzdem so, dass wir im gemeinsamen Austausch sind und die Situation da ganz in Ruhe und entspannt verfolgen.“



… die Spielidee des Trainers:
„Übergeordnet stehen unser Trainer und Borussia Dortmund für offensiven, attraktiven Fußball. Mit Umschaltmomenten, Pressing-Elementen, aber sicherlich auch mit einer gewissen Kompaktheit. Wir haben im letzten Jahr 52 Gegentore kassiert. Auch das wird ein Ziel sein, in dieser Saison deutlich weniger Gegentore zu kassieren. Es wird ein Ziel sein, deutlich weniger Spiele zu verlieren.“

… die Rolle von Sebastien Haller: „Wir haben mit den Spielern, die wir dazugewonnen haben, mehr Möglichkeiten. Sebastien Haller ist ein Stürmer, der bei Ajax als einzige Spitze gespielt hat, bei Frankfurt damals aber auch gelernt hat, neben einem zweiten Stürmer zu spielen. Wir werden ihn in die richtige Position bringen. Am Ende wird er gefordert sein, Tore zu schießen. Das war natürlich auch die Idee, die dahintersteckte, mit ihm einen erfahrenen Spieler dazu zu bekommen, weil wir rundherum doch auch sehr viele junge Spieler haben. Ich glaube, dass er uns da vorne sehr viel Halt geben wird, dass er an einer Stelle auch diese Persönlichkeit sein kann, die er auch ausstrahlt.“

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