BVB-Star Götze wehrt sich gegen Vergleiche

Anders als zur Anfangszeit

Mario Götze hat keine Lust mehr darauf, an seinen Leistungen in der Vergangenheit gemessen zu werden. "Den alten Mario", sagte er in einem bemerkenswerten Interview mit der "Bild", "wird es nicht mehr geben." Ist das eine gute Nachricht für den BVB oder eine schlechte? Die Wahrheit liegt - wie so oft - in der Mitte.

DORTMUND

, 12.11.2016, 08:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Star Götze wehrt sich gegen Vergleiche

Ballverteiler statt Abschlussspieler: Mario Götzes Aufgaben haben sich gewandelt.

Vom "Kicker"-Sportmagazin bekam Mario Götze zuletzt die Note Sechs – der BVB-Profi muss sich allerdings keine Sorgen um seine Versetzung machen, die Bewertungsskala für die Neuverpflichtungen der 18 Bundesliga-Teams reichte von eins bis zehn, Götzes Leistungen also wurden als "befriedigend" bewertet. Mehr allerdings auch nicht.

Götzes derzeitiges Hauptproblem ist seine Vita. Wer fünf Meistertitel gewonnen und fast 60 Länderspiele auf dem Buckel hat, von dem wird viel erwartet - erst recht, wenn er auch noch der Siegtorschütze im WM-Finale 2014 war und einst als heißestes Fußballtalent des Kontinents galt.

Unspektakuläre Gegenwart

Die Gegenwart ist weit weniger spektakulär, auch wenn die frühere Magie in manchen Momenten - etwa bei seiner Großchance gegen Schalke (0:0) aufblitzt. Seit seiner Rückkehr zum BVB stand er elfmal auf dem Platz, ihm gelang aber nur je ein Tor gegen Warschau und eine Vorlage gegen Lissabon. Hinzu kommen drei vorletzte Pässe, die zu Treffern führten, aber nicht als direkte Torbeteiligung gewertet werden. Statistisch sind das 0,18 direkte Torbeteiligungen pro Spiel. Deutlich zu wenig, verglichen mit den Daten seiner Vergangenheit. Denn in seiner ersten Profi-Zeit beim BVB von 2010 bis 2013 lag sein Wert bei 0,64 (74 Torbeteiligungen in 116 Spielen).

Doch genau dieser Vergleich zwischen seinem bejubelten Karriere-Anfang in Dortmund und seiner sehr kritisch gesehenen jetzigen Form stößt Götze auf. „Die Diskussion halte ich für absoluten Quatsch“, sagte er der „Bild“ und fragte rhetorisch: „Soll ich mich jetzt wieder zum 18-Jährigen machen?“

Andere Aufgaben

Manch ein BVB-Fan, der noch vor Augen hat, wie Götze damals mit Shinji Kagawa, Jakub Blaszczykowski und Robert Lewandowski über den Rasen flitzte und feinste Kombinationen in Tore und Vorlagen münden ließ, würde sich vermutlich genau das wünschen. Doch zur Wahrheit gehört auch: Götzes Aufgaben in einer neuformierten BVB-Elf unterscheiden sich wesentlich von denen in seinen ersten Profi-Jahren.

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BVB-Trainer Thomas Tuchel setzt Götze in der Regel auf der linken Halbposition im offensiven Mittelfeld ein. Seine Aufgabe ist es, den von Julian Weigl nach vorne gespielten Ball sicher auf die Außen oder den zweiten „Halbzehner“ zu spielen. Er ist nicht der Mann für besondere Momente, sondern für Ruhe und Ordnung.

Frage des Geschmacks

Mit seiner Ballsicherheit und seiner Erfahrung erfüllt er diese Aufgabe ordentlich. Entwickelt hat er sich gegen den Ball. Der 24-Jährige spielt robust, erkämpft sich Bälle und läuft viel. Hier ist der aktuelle dem alten Götze ein Stück voraus.

Welcher Götze besser - oder anders formuliert: wertvoller - ist? Das ist wohl zumindest teilweise auch eine Geschmacksfrage. Er selbst hat eine klare Meinung: „Im Fußball zählt vor allem die aktuelle Situation, und da fühle ich mich in der Nationalmannschaft und beim BVB sehr gut aufgehoben. So gut, dass ich meine Leistung mehr und mehr abrufen kann.“ 

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