BVB-Start in Duisburg: Gestandenen Profis droht die Reservistenrolle

DFB-Pokal

Offiziell will der BVB kein konkretes Saisonziel verkünden. Lucien Favre stellt jedoch klar: Er will den DFB-Pokal holen. Zum Pflichtspielstart droht gestandenen Profis die Reservistenrolle.

Dortmund

, 14.09.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Könnten sich gegen Duisburg auf der BVB-Bank wiederfinden: Emre Can (M.) und Thomas Delaney (r.).

Könnten sich gegen Duisburg auf der BVB-Bank wiederfinden: Emre Can (M.) und Thomas Delaney (r.). © imago / Team 2

Zwei, drei Sekunden lang hielt Lucien Favre still inne. Ganz so, als ringe er innerlich mit sich. Dann räusperte er sich und sagte es einfach frei heraus: „Wir wollen den Pokal gewinnen.“ Da war es also am Sonntagmittag doch in der Welt, das erste offizielle Saisonziel des BVB.

Duisburg gegen den BVB - das klassische David-gegen-Goliath-Duell

Dortmund will nach drei Jahren Durststrecke den goldenen Pott wieder zurück an die Strobelallee holen. Bislang hieß es von Seiten des Klubs zumeist nur: Wir wollen im Pokal besser abschneiden als zuletzt. Und das ist in der Tat auch dringend geboten, denn „die letzten zwei Jahre waren nicht gut“, gestand Lucien Favre. Zweimal scheiterte die Borussia auf dem Weg zu ihrem Sehnsuchtsort Berlin bereits im Achtelfinale.

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BVB-Trainer Lucien Favre: "Wir wollen den Pokal gewinnen"

Nun soll also alles besser werden, möglichst sogar in einem großen Triumph in der Hauptstadt münden. Die Pokalsieg-Kampagne aber startet bodenständig, quasi nebenan in Duisburg. Drittligist MSV empfängt den BVB heute Abend (20.45 Uhr/ live in der ARD und bei Sky) zum klassischen David-gegen-Goliath-Duell.

Giovanni Reyna ist der große Gewinner der BVB-Vorbereitung

Nicht nur aufgrund der klaren Rollenverteilung gibt es für die Borussia in der ersten Runde keine Ausreden, auch das verfügbare Personal lässt Lucien Favre sorgenfrei auf den Anpfiff schauen. Zwar fehlen Dan-Axel Zagadou, Marcel Schmelzer, Mateu Morey und Nico Schulz weiterhin verletzt, doch der Rest des Kaders sei „gesund, es sind nur Kleinigkeiten“, betonte Favre, der jetzt vor einigen Härtefällen steht: Wer darf gegen Duisburg auf den Rasen, wer muss auf die Bank, wer schafft es gar nicht erst in den Kader?

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Es wäre keine Überraschung, wenn Youngster Giovanni Reyna einen Platz in der ersten Elf bekäme, der US-Amerikaner hat eine starke Vorbereitung hingelegt, zudem fehlt Konkurrent Marco Reus nach mehr als sechsmonatiger Zwangspause noch Spielpraxis. Favre zeigte sich aber froh, dass sein Kapitän wieder schmerzfrei mitmischen kann: „Es macht Spaß, ihn zurück auf dem Platz zu sehen, er hat sehr gut trainiert.“

BVB-Neuzugang Thomas Meunier meldet sich fit

Neben Reus droht weiteren gestandenen Profis zum Pflichtspielstart die Reservistenrolle. Neuzugang Jude Bellingham hat sich in den vergangenen Wochen für einen Einsatz empfohlen, der 17-jährige Engländer könnte in Duisburg Emre Can und Thomas Delaney aus der Mittelfeldzentrale verdrängen. Sein Pflichtspieldebüt darf Thomas Meunier in der Schauinsland-Reisen-Arena feiern. Der Belgier nutzte die Länderspielreise um zu zeigen, dass sein Faserriss auskuriert und er fit für das Pokalspiel ist. „Dass er dort Spielpraxis bekommen hat, ist sehr gut für uns“, erklärte Favre. Auch der brasilianische Neuzugang Reinier (18) werde im Pokalkader stehen, obwohl er physisch noch aufholen müsse.

Offen ließ Favre am Sonntag die Besetzung der Torhüter-Position. Im Vorjahr hatte er dort im Pokal noch rotieren lassen und Marwin Hitz das Vertrauen geschenkt. Nach Informationen der Ruhr Nachrichten verabschiedet sich der BVB-Coach jedoch jetzt von diesem Modell - und setzt im Pokal wie in den anderen Wettbewerben fest auf Stammkeeper Roman Bürki.

Favre möchte in der neuen Saison taktisch möglichst flexibel sein

Noch nicht festlegen mag sich Favre dagegen weiterhin bei der Frage nach dem Spielsystem. In der Vorbereitung hatte er einige Varianten ausprobiert, gerade die Vorzüge und Nachteile der Dreier- oder Viererkette in der BVB-Abwehr hatten für reichlich Diskussionen gesorgt. Favre möchte in der neuen Saison taktisch möglichst flexibel sein, im Optimalfall sogar „aus drei oder vier Möglichkeiten wählen“, wie er am Sonntag unterstrich.

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RN-Vorschau: BVB-Trainer Favre muss Taktik- und Personalfragen beantworten

Doch Systemfrage hin oder her: Gegen den krassen Außenseiter Duisburg, gegen den es für den BVB in einem 60-Minuten-Testspiel in der Vorbereitung vor rund drei Wochen einen 5:1-Erfolg gab, dürfte es in erster Linie auf die Einstellung der Dortmunder Profis ankommen. Nach Partien in Freundschaft und ohne Druck gilt es nun, im Kopf vollends in den Pflichtspielmodus zu schalten. „Wir müssen bereit sein, wir müssen das beherrschen“, mahnte Favre. Aus gutem Grund: Wer den Pokal holen will, der benötigt sechs Siege in Serie.

BVB: Bürki - Piszczek, Hummels, Akanji - Meunier, Guerreiro, Witsel, Bellingham - Reyna, Haaland, Sancho

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