BVB-Talent Passlack: „Das Wir steht vor dem Ich“

Anführer bei der U17-WM

Leicht verspätet meldet sich Felix Passlack zum verabredeten Interview. Seine Entschuldigung ist leicht zu akzeptieren: Der 17-Jährige wollte sich zuvor noch schnell von seinen Eltern verabschieden, geht es doch am Freitag mit der DFB-Auswahl zur U17-WM nach Chile.

DORTMUND

, 09.10.2015, 05:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Talent Passlack: „Das Wir steht vor dem Ich“

In der U17-Nationalmannschaft ist Felix Passlack der unumstrittene Boss. In Chile will er sein Team zum WM-Titel führen.

Sie tauschen den kühler werdenden deutschen Herbst gegen die deutlich angenehmeren Temperaturen Santiago de Chiles. Wie groß ist die Vorfreude auf den Trip zur U17-WM in Chile? Die ist natürlich riesengroß. Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht und wir in Frankfurt in den Flieger steigen.

Bundestrainer Christian Wück hat als Ziel „mindestens“ das Finale ausgegeben … Wir wollen ins Finale kommen, das ist doch klar. Und wenn es am Ende sogar ein wenig mehr wird, hätte ich nichts dagegen.

Sie standen mit der U 17-Nationalmannschaft in diesem Jahr bereits in einem Finale. Bei der EM verloren Sie gegen Frankreich deutlich mit 1:4. Welche Lehren haben Sie aus diesem Spiel gezogen? Damals war es eine sehr klare Niederlage, die uns noch einmal sehr deutlich gemacht hat, dass man jeden Tag nutzen muss, um an sich zu arbeiten. Frankreich war in diesem Spiel besser als wir. Für uns kann diese Erfahrung jetzt allerdings sehr wichtig sein. Sie kann uns in bestimmten Momenten helfen.

Jetzt lesen

In Gruppe C treffen Sie auf Argentinien, Mexiko und Australien. Das klingt nicht nach einem Selbstläufer. Stimmt. Wir müssen von der ersten Minute an hellwach sein in dieser Gruppe, wir können uns keinen Ausrutscher erlauben.

Sie sind der Kapitän der Truppe, sagen selbst von sich: „Ich bin ein Anführer.“ Fiel es Ihnen leicht, diese Rolle im DFB-Team anzunehmen? Ich kannte die Situation ja schon aus Dortmund, wo ich im zweiten Jahr in der U17 auch Kapitän war. Von daher fiel es mir nicht so schwer. Ich bin einfach ein Typ, der immer an das Team denkt. Generell steht bei uns das „Wir“ immer vor dem „Ich“. Das versuche ich vorzuleben.

Für viele, gerade junge Spielerbedeutet Verantwortung Last, Sie scheint das zu beflügeln. Haben Sie das von Ihren Eltern mitbekommen? Ich weiß gar nicht, ob ich das aus der Familie habe. Ich möchte einfach immer mein Bestes geben, jeden Tag ein Stück weiterkommen. Alles andere ergibt sich.

Jetzt lesen

Die WM ist für Sie nach der EM im Sommer das zweite große Turnier in diesem Jahr. Verspüren Sie langsam Müdigkeit? Nein, im Moment nicht. Aber ich war nach der EM müde. Wir hatten danach nur eine sehr kurze Pause, dann ging es sofort weiter mit den Halbfinalspielen um die deutsche Meisterschaft. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich da nicht meine besten Leistungen gezeigt habe. Ich war einfach platt. Jetzt aber sind die Akkus wieder voll.

Ihr BVB-Kollege Janni-Luca Serra hat aus schulischen Gründen auf seine Teilnahme verzichtet. Können Sie ihn angesichts des vollen Terminplans verstehen? Ja, es ist ein schwieriger Spagat für uns. Wenn es sportlich gut läuft für uns in Chile, bin ich nach den Ferien noch zwei, drei Wochen mit dem DFB unterwegs, bevor es wieder in die Schule geht. Ich muss also einiges an Stoff nachholen. Aber meine Schule, das Berufskolleg in Bottrop, unterstützt mich sehr. Meine Lehrer geben meinen Mitschülern meine Aufgaben mit, so dass ich weiß, worum ich mich kümmern muss.

Deutscher Meister mit dem BVB, Vize-Europameister mit dem DFB, dazu die Fritz-Walter-Medaille in Gold, erste Profi-Erfahrungen, jetzt die WM – kommen Sie überhaupt dazu, das zu verarbeiten? Die Zeit dafür habe ich eigentlich nicht. Das kenne ich aber ein wenig schon aus dem Vorjahr. Das wird Ende des Jahres passieren, wenn ich nur mit meiner Familie zusammen bin und Fußball ausnahmsweise einmal keine Rolle spielt. Dann wird ein Strich gezogen.

Thomas Tuchel sagte kürzlich, man müsse bei Ihnen aufpassen, weil man fast schon erwarten würde, dass Sie in Profi-Spielen wie selbstverständlich mitspielen. Müssen Sie manchmal gebremst werden? Nein, ich habe selbst ja keine übertriebene Erwartungshaltung an mich, mein Umfeld auch nicht. Ich habe auch keinen Zeitplan aufgestellt. Das bringt ja nichts. Was ich habe, das ist der unbedingte Wille, erfolgreich Fußball zu spielen und Titel zu gewinnen. Wenn dann irgendwann der Zeitpunkt gekommen ist, dass ich bei den Profis mitspielen darf, freue ich mich.

Wie ist Ihr Verhältnis zum neuen BVB-Coach Tuchel? Sehr gut. Am Anfang ist man etwas zurückhaltender, das ist völlig normal, man muss sich ja erst kennenlernen. Man merkt, dass er früher Jugendtrainer war, er weiß, wie er mich und die anderen Jungs aus der U 19 oder U 23 ansprechen muss. Das hilft uns natürlich sehr.

Der Rummel um Sie ist schon jetzt groß, dabei sind Sie erst 17 Jahre alt. Können Sie ausblenden, was da so über Sie geschrieben wird? Komplett ausblenden kann ich das natürlich nicht, ich registriere das schon. Aber es ist doch so: Dafür kann ich mir im Endeffekt nichts kaufen. Ich muss weiter meine Leistung bringen, egal, was geschrieben wird.

Blicken wir zum Abschluss noch mal auf die WM: Ihr großes Vorbild ist Mario Götze. Er hat Deutschland im vergangenen Jahr zum WM-Titel geschossen. Machen Sie es ihm in Chile nach? (lacht) Ich hätte nichts dagegen. Aber wenn ein anderer von uns das entscheidende Tor schießen würde, wäre ich genauso glücklich. Der WM-Titel ist ein großer Traum.

 

Neben Felix Passlack wird auch Dzenis Burnic dem deutschen WM-Aufgebot angehören. Der ebenfalls von Nationaltrainer Christian Wück nominierte Janni-Luca Serra sagte die Reise aus schulischen Gründen ab. Turnierstart ist am 18. Oktober, das Finale steigt am 8. November.

Lesen Sie jetzt