BVB-Talent Scuderi: "Ich werde zurückkommen"

Hoffnung nach Horror-Verletzung

Das Datum hat Dario Scuderi ganz fest im Blick. Am 22. August reist er nach München. Dort wird Kniespezialist Prof. Dr. Michael Strobel sein rechtes Knie untersuchen und dann entscheiden, ob nun auch die Kreuzbänder operiert werden können. Es wäre die letzte OP nach der Horror-Verletzung, die sich der 19-Jährige vor knapp einem Jahr im Youth-League-Spiel bei Legia Warschau zugezogen hat.

DORTMUND

, 09.08.2017 / Lesedauer: 3 min
BVB-Talent Scuderi: "Ich werde zurückkommen"

Mit Kraft und Entschlossenheit gegen das Karriereende. Nach der letzten Knie-OP will Dario Scuderi alles tun, um wieder auf dem Platz zu stehen.

Man kann das frisch gemähte Gras riechen, wenn man auf den Bänken vor dem Funktionsgebäude der U23 von Borussia Dortmund Platz nimmt. Und wenn man da sitzt, hat man einen ungetrübten Blick auf den perfekten Rasen, den Dario Scuderi nun schon seit fast einem Jahr nicht mehr in Fußballschuhen betreten konnte. Elf lange Monate schon. Monate mit insgesamt acht Operationen, Monate des Bangens um die eigene Karriere.

Alle Bänder gerissen

Scuderi weiß, dass es nicht wenige gibt, die keinen Pfifferling mehr auf ihn setzen nach diesem schrecklichen Unfall im Spiel der Nachwuchsrunde. Wie der Mittelfeldspieler in vollem Tempo im stumpfen Rasen hängen bleibt. Die Bilder zeigen schonungslos, wie der Unterschenkel danach beinahe im rechten Winkel wegknickt. Nichts war danach mehr an seinem Platz im Kniegelenk, alle Bänder waren gerissen. So eine Verletzung hatten selbst die auf Knieblessuren spezialisierten Mediziner um Strobel noch nicht gesehen.

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Eine Sekunde nur, die sein komplettes Leben veränderte. „Ich war ja auf dem Sprung“, sagt Dario Scuderi leise, ihm stand ein Profi-Vertrag in Aussicht. „Doch als ich nach der ersten OP wach geworden bin, waren in meinem Knie unendlich viele Schrauben.“ Das Knie musste quasi „gerichtet“ werden, sieben weitere Eingriffe folgten, die verhinderten, dass er sogar sein Bein verlor. „Kompartmentsyndrom“, sagt Scuderi, „die Blutversorgung war gestört, mein Knie war mindestens doppelt so dick wie sonst. Mein ganzes Bein musste aufgeschnitten werden, um Flüssigkeit zu entfernen.“

Schiene soll helfen

Die letzte OP, in der nun das vordere und hintere Kreuzband geflickt werden sollen, nennt er etwas sarkastisch „reine Routine“. Seine ganze Hoffnung setzt er in eine kleine, fast unsichtbare Schiene. Die soll als eine Art Einlage in seine Fußballschuhe eingearbeitet werden und die Funktionsstörung der bei dem Unfall beschädigten Bein-Nerven auffangen. Ein Arzt in Rom, erzählt Scuderi, habe ihm diese Methode empfohlen, „er meint, wenn ich mit der Schiene klar komme, werde ich wieder spielen können“.

Scuderi hat unendlich viel Zuspruch erfahren in den Tagen und Wochen nach dem Unfall. Neymar, Iniesta und die BVB-Profis haben Video-Grußbotschaften geschickt, mindestens genau so wichtig war der Rückhalt durch die Familie und aus dem gesamten Verein. „Der Sportliche Leiter Lars Ricken war da und hat gesagt, ich soll mir keine Sorgen machen um die Zukunft.“ Mitspieler besuchten ihn, er bekam unzählige Genesungswünsche. „Der BVB“, sagt Scuderi und schluckt, „ist wie eine Familie für mich!“

Mental stärker

Es gab auch dunkle Tage, das will er gar nicht leugnen, „die kann man auch nicht verdrängen.“ Augen zu und durch. Mental, sagt Dario Scuderi, habe ihn diese Zeit stärker gemacht. An Willen hat es ihm ohnehin nie gemangelt, sonst wäre er nicht soweit gekommen.

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In der vergangenen Woche sickerte die Geschichte durch, dass Dario Scuderi ein Sportmanagement-Studium aufnehmen wolle, das der BVB komplett bezahlen will. Seine Karriere sei vorbei, hieß es, doch das will er so nicht stehen lassen. „Für mich läuft alles nach Plan“, sagt er, „ich verstehe nicht, wie man das schreiben kann.“ Jetzt die OP, danach die Reise nach Hamburg, wo die Schiene angefertigt werden soll, danach die normale Knie-Reha. Spätestens im Winter, meint Scuderi, werde er einen Schritt weiter sein. „Aber mein Ziel ist klar, ich möchte wieder Fußball spielen.“

Supermotiviert

Man merkt ihm den Willen an, diese Verletzung hinter sich zu lassen, sich seinen großen Traum vielleicht doch noch zu erfüllen. Seit neun Jahren spielt er bei Borussia Dortmund, ist Nationalspieler für sein Heimatland Italien. „Von dort schreiben sie mir immer, dass sie auf mich warten.“ Scuderi ist nicht blauäugig. Aber er will sich nicht vorwerfen, nicht alles probiert zu haben. Er sei supermotiviert, sagt Dario Scuderi. „Ich weiß, ich werde wieder zurückkommen.“

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