BVB-Talent Tobias Raschl: Robuster, reifer und bereit für den großen Sprung

rnBorussia Dortmund

BVB-Youngster Tobias Raschl wartet geduldig auf seine Chance. Die Trainer bescheinigen ihm große Fortschritte. In der Rückrunde soll es mit dem Profi-Debüt endlich klappen. Viel fehlt nicht mehr.

Marbella

, 08.01.2020, 22:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Reflexartig hob Manuel Akanji beide Arme. Er blickte zur Sicherheit noch einmal in Richtung Manfred Stefes. Borussias Co-Trainer fungierte für dieses Trainingsspiel als Schiedsrichter. Stefes bestätigte Akanji. Das war ein harter Zweikampf, wie er da seine Hüfte und die rechte Schulter zur Seite gewuchtet hatte, aber alles im Rahmen des Legalen. Tobias Raschl, den Akanji aus dem Tritt und auf den Boden befördert hatte, rappelt sich auf. Weiter geht’s!

Tobias Raschl hat in den vergangenen Monaten viel dazugelernt

Szenen wie diese lassen sich in den Trainingseinheiten und Testspielen immer noch beobachten. Doch sie werden weniger. Nicht weil Manuel Akanji weniger robust seinen Körper einsetzt, sondern weil Tobias Raschl nicht mehr so leicht aus der Bahn zu werfen ist. Für den 19-jährigen Lehrling machte die Physis im Profifußball anfangs den größten Unterschied aus, etwa als er vor einem Jahr erstmals mit ins Trainingslager nach Marbella reiste.

BVB-Talent Tobias Raschl: Robuster, reifer und bereit für den großen Sprung

Raschl (r.) sagt: „Ich bin jung und will schnell die nötigen Schritte machen.“ © Kirchner-Media/Christopher Neundorf

Zwölf Monate später hat Raschl zugelegt an Widerstandsfähigkeit. Er weiß inzwischen besser, wie er seinen Körper einsetzen, den Ball am besten abschirmen und sich auf die angreifenden Gegenspieler einstellen muss. Jetzt muss nur noch alles viel schneller gehen, als er es so lange gewohnt war.

Wichtiger Ansprechpartner für Raschl ist Otto Addo

„Der Geschwindigkeitsunterschied“, sagt Raschl, „ist extrem. Im Jugendbereich hatte ich viel mehr Zeit, konnte hier eine Pirouette drehen, da eine Drehung machen, da einen Tunnel versuchen.“ Und hier, bei den Profis, „da kommen direkt drei Gegenspieler auf dich zu. Da muss ich mich vororientieren und schneller handeln.“

„Da muss ich mich vororientieren und schneller handeln.“
Tobias Raschl

Tobias Raschl, eines der Toptalente aus der BVB-Akademie und in der U19, mit der er 2019 Deutscher Meister wurde, einer der herausragenden Spieler, steckt mitten in der vielleicht wichtigsten Phase seiner noch jungen Karriere. Im Übergang zwischen Junioren und Senioren entscheidet sich, wer es als Profi auf die große Bühne schafft und wer dann doch nicht das Zeug dazu hat.

Raschl betont die Fortschritte, die er gemacht hat. Seine Trainer bestätigen ihm gute Weiterentwicklungen in diesem Prozess. Oben anklopfen, und dann durch die Tür gehen. Seit dem Sommer gehört er dem Profikader an, er trainiert regelmäßig unter Lucien Favre und seinem Team. Die Eindrücke sind enorm, die Lerninhalte auch. Oben trainieren, in der U23 spielen, in der Youth League darf er sogar noch in der U19 ran. Das macht schon mal drei Trainer. Wichtigster Ansprechpartner ist aber Otto Addo.

In der Rückrunde will Raschl sein Profi-Debüt geben

Borussias Ex-Profi hilft den jungen Spielern als Talente-Coach oder Übergangstrainer in der komplizierten Zeit, wo der große Fußball so nah und doch so fern liegt. „Wir schauen viele Videos nach meinen Spielen“, verrät Raschl, der seinen besten Einsatzbereich als Sechser oder Achter sieht. Die Tipps von Addo helfen, er arbeitet am Positionsspiel, an der taktischen und strategischen Reife. Und an den kleinen Schwächen, die jeder Profi ausmerzen will. Raschl: „Ich trainiere und verbessere mich, bin immer dabei, es hat sich was getan. Nun muss ich auf meine Chance warten.“

BVB-Talent Tobias Raschl: Robuster, reifer und bereit für den großen Sprung

Tobias Raschl sammelt im Trainingslager in Marbella wichtige Erfahrungen. © Kirchner-Media

Dreimal hat es Raschl bereits in den 20er-Kader für die Bundesliga-Spiele des BVB geschafft. Das erste Mal ausgerechnet auf Schalke. Ein wertvolles Erlebnis. Doch er will ja mehr. Spielen. „Im Kader zu stehen, das war für mich schon ein Fortschritt. Das erste Ziel war ja, erst mal dabei zu sein. Jetzt“, erklärt der gebürtige Düsseldorfer, „folgt das nächste Ziel: Im nächsten Halbjahr hoffentlich mein Debüt zu feiern.“

Raschl: „Wir haben uns bewusst für Dortmund entschieden“

Gerade jetzt im neuen Halbjahr wähnt er die Wahrscheinlichkeit als gestiegen. Durch den Wechsel von Julian Weigl bleibt im zentralen Mittelfeld bislang eine Planstelle frei. „Es ist schade, dass Jule gegangen ist, auch wenn es mich für ihn freut, weil wir uns gut verstanden haben“, sagt Teamplayer Raschl. Auf sich bezogen denkt er: „Dadurch wird jetzt eine Position frei, da müssen wir gucken, wie sich das entwickelt.“

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Selbst wenn der endgültige Durchbruch noch ausgeblieben ist und er darauf warten muss, dass Lucien Favre ihm bei einem passenden Spielverlauf das Vertrauen schenkt, sieht Raschl diese Zeit im Wartestand nicht als verloren an. Er hätte anderweitig unterkommen können, wo die Aussichten auf Spielzeiten größer sind als beim hoch ambitionierten BVB mit vielen Spielern auf Champions-League-Niveau. Er meint trotzdem, dass es die richtige Entscheidung war, Borusse zu bleiben, „auch wenn es hier schwierig ist. Das war mir und meiner Familie vorher klar. Wir haben uns bewusst für Dortmund entschieden.“

Raschl sieht Axel Witsel als Vorbild

So kann er auf allerhöchstem Level lernen. Sich anbieten. Und sich viel abschauen. „Mein Vorbild im Team ist Axel Witsel“, sagt Raschl. „Seine Ruhe am Ball, seine Präsenz im Zentrum, seine Spielintelligenz, da gibt’s viele Sachen, die ich mir von ihm abgucken kann.“

Frisurentechnisch trennen den kurz geschorenen Raschl und Lockenkopf Witsel Welten. Sportlich will der Youngster dem Routinier nacheifern. Zu seinen Aussichten sagt er: „Ich bin jung und will schnell die nötigen Schritte machen.“ Von Ungeduld sei aber noch keine Spur. „Ich habe noch Zeit und kann das entsprechend ruhig angehen.“ Mit langem Anlauf kann man höher springen.

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