BVB-Trainer Lucien Favre muss sich vom Dogma der Geduld und der Spielkontrolle lösen

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Die DNA der BVB-Mannschaft schreit nach Spektakel - doch Trainer Lucien Favre hält an seiner Spielweise fest. Das könnte bei den Zielen problematisch werden. Ein Kommentar von Tobias Jöhren.

Dortmund

, 08.10.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, die Tage des Lucien Favre bei Borussia Dortmund sind noch nicht gezählt, auch wenn beim Blick in die Kommentarspalten des Internets sehr schnell dieser Eindruck gewonnen werden kann. Angezählt aber ist der BVB-Trainer, das ist spätestens seit dem 2:2 in Freiburg, der vierten Enttäuschung am siebten Bundesliga-Spieltag, offensichtlich – selbst wenn Sportdirektor Michael Zorc beteuert, dass intern keine Trainerdiskussion geführt werde.

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Natürlich kann man argumentieren, dass die Mannschaft in der Pflicht stehe, dass es erst der siebte Spieltag sei – viel zu früh für eine Trainerdebatte – und dass es nur zwei Punkte auf Bayern München sind, aber man kann sich eben auch selbst in die Tasche lügen, weil erstens noch nie eine Mannschaft im Laufe einer Saison ausgetauscht wurde – und weil zweitens die Probleme beim BVB über die Grenzen dieser Spielzeit hinausreichen.

Die Liste der Enttäuschungen ist lang

Das gesamte Jahr 2019 verläuft „unbefriedigend“, wie Zorc es in diesen Tagen zumeist nennt. Die teils fahrlässig verspielte Meisterschaft, das indiskutable 0:5 in München, die schmerzhafte Pleite im Derby gegen Schalke, die immer wiederkehrenden Probleme gegen kampfstarke, aber fußballerisch limitierte Mannschaften aus dem Tabellenkeller: Die Liste der Enttäuschungen ist lang – und Favre hat zweifelsohne seinen Anteil daran.

BVB-Trainer Lucien Favre muss sich vom Dogma der Geduld und der Spielkontrolle lösen

Wo führt der Weg vom BVB hin unter Lucien Favre? © picture alliance/dpa

Um es mit den Worten des Comedy-Autors Micky Beisenherz zusammenzufassen: Favres Angriff auf die Meisterschaft kommt bislang noch weniger ambitioniert daher als das Klima-Paket der Großen Koalition. Und deswegen wird sich zügig etwas ändern müssen bei Borussia Dortmund, das gilt auch für den Trainer.

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Der Schweizer wird sich ein Stück weit öffnen müssen, wenn seine Aufgabe bei Borussia Dortmund nicht als eine Nummer zu groß für ihn betrachtet werden soll. Favre wird sich kämpferischer und entschlossener geben müssen, er wird in der Öffentlichkeit besser erklären und intern besser moderieren müssen. Er wird sich auch ein Stück weit von seinem Dogma der Geduld und der Spielkontrolle lösen müssen, weil die DNA dieser Mannschaft nach spektakulärem Fußball schreit – und er wird eine Position für Julian Brandt finden müssen, auf dessen Verpflichtung sie nicht ohne Grund so stolz sind beim BVB.

Weniger Schach, mehr Zockerei

Jener Brandt hat im Sommer davon gesprochen, „einfach gut zocken“ zu wollen in und mit diesem Ensemble der Hochbegabten. Und genau danach lechzt das Fußballherz der BVB-Fans. Ein bisschen mehr Zockerei, ein bisschen mehr Spektakel, bitte. Dafür gerne ein bisschen weniger Schach und ein bisschen weniger Langeweile.

Hans-Joachim Watzke hat jüngst noch einmal bekräftigt, alles versuchen zu wollen, um Deutscher Meister zu werden. Davon rücke er nicht ab. Wenn bei Borussia Dortmund nicht schnell Besserung eintritt, wird dieser Versuch zwangsläufig in einer Trainerentlassung münden müssen.

Oder in Favres Rücktritt.

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