BVB-Trainer Lucien Favre steht auf der Kippe - das sind die möglichen Nachfolger

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Lucien Favre steht nach zuletzt katastrophalen Leistungen seines Teams auf der Kippe. Bleibt die Wende aus, ist der BVB-Trainer nicht mehr zu halten. Das sind die möglichen Nachfolger.

Dortmund

, 25.11.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Königsklasse beim ruhmreichen FC Barcelona am Mittwochabend. Und dann drei Tage später im Berliner Olympiastadion bei der Hertha. Diese zwei Chancen muss Lucien Favre jetzt nutzen. Überzeugen seinen Plan und sein Team in dieser Woche - und erntet der BVB zudem Punkte, dann könnte die Mission des Schweizers in Dortmund vorerst weitergehen. Finden die enttäuschenden bis desaströsen jüngsten Darbietungen der Borussia allerdings ihre Fortsetzung, dann muss die Dortmunder Klubspitze die Reißleine ziehen - und ein neuer Cheftrainer müsste her. Wer aber könnte dem BVB sofort helfen? Wir sondieren den Markt.

Angespanntes Verhältnis zwischen Kovac und Hummels

Verfügbar wäre Niko Kovac. Der 48-Jährige, vor zwei Wochen beim FC Bayern München vor die Tür gesetzt, pflegt seit Jahren einen guten Kontakt zu BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Er hat mit dem Pokalsieg als Trainer von Eintracht Frankfurt 2018 für Furore gesorgt - und auf dem Weg zum Double mit dem FC Bayern in der Vorsaison bewiesen, dass er auch eine sportliche Krise unter schwerstem Beschuss meistern kann.

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Für innovativen Offensivfußball steht Kämpfer Kovac allerdings nicht. Überliefert sind zudem Probleme zwischen dem Kroaten und dem jetzigen Dortmunder Abwehrchef Mats Hummels, die dazu beitrugen, dass sich Hummels in München weder ausreichend wertgeschätzt noch wohl fühlte. Fraglich zudem, ob sich Kovac so schnell nach seiner Trennung vom FC Bayern dem ärgsten Münchner Rivalen anschließen würde.

Sammer wäre für den BVB die Idealbesetzung

Unter den Fans des BVB wird natürlich auch der Name Matthias Sammer eifrig diskutiert. Ex-Profi Sammer, der den BVB Anfang des Jahrtausends in schwieriger Lage als Trainer übernahm, vor dem Absturz rettete und dann 2002 zum Meistertitel führte, wäre genau genommen sogar eine Idealbesetzung in der aktuellen Lage. Schließlich wirkt der 52-Jährige als enger Berater der Borussia und kennt somit bereits alle Details des aktuellen Kaders, seine Problemstellen und möglichen Lösungsansätze. Er verkörpert zudem die Mentalität und Konsequenz, die dem aktuellen Kader fehlen.

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BVB-Boss Watzke über Favre, Krise und einen neuen Stürmer

Der Haken an der Sache ist jedoch dieser Satz: „Ich habe überhaupt kein Interesse daran, noch mal als Trainer zu arbeiten.“ Er stammt von Sammer, er hat den Inhalt mehrfach bekräftigt. Ob er seine Meinung ändert, falls der BVB plötzlich in einer Notlage stecken sollte? Schwer vorstellbar. Das wäre nicht Sammer, zumal er sich vom stressigen Trainerjob auch aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hat.

Pochettinos Stil würde zum BVB passen

Auch einige weitere große Namen erscheinen auf dem Trainer-Radar. Mauricio Pochettino beispielsweise. Der seit einer Woche vereinslose Argentinier, den auch der FC Bayern weit oben auf dem Wunschzettel hat, formte Tottenham Hotspur zu einer europäischen Spitzenmannschaft, zog mit ihr in der Vorsaison ins Champions-League-Finale ein. Auf dem Weg dorthin besiegte Pochettinos Team auch den BVB 3:0 und 1:0.

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Der 47-Jährige gilt als starker Taktiker und Motivator, sein Spielstil ist geprägt von Mut und Aggressivität - das würde gut zu Borussia Dortmund passen. Allerdings spricht Pochettino zwar fließend Englisch und Spanisch, nur eben kein Deutsch - und eigentlich steht das im Anforderungsprofil eines BVB-Trainers unter dem Punkt „Grundsätzliches“.

Erfolgreiche Trainer aus den Niederlanden

Durchs BVB-Raster fallen dürften vor diesem Hintergrund auch Laurent Blanc (54 / früher Paris St. Germain), Gennaro Gattuso (41 / vorher AC Milan) und Massimilliano Allegri (52 / Mehrfach-Meister mit Juventus Turin). Der frühere Schalke- und Leipzig-Trainer Ralf Rangnick beherrscht dagegen die deutsche Sprache perfekt. Der 61-Jährige, derzeit als „Head of Sport and Development Soccer“ bei der Red Bull GmbH beschäftigt, wäre in Dortmund jedoch den Fans nicht vermittelbar.

Da schon eher zwei seit längerem in den Niederlanden erfolgreiche Coaches: Mark van Bommel (42) und Erik ten Hag (49). Van Bommel, Schwiegersohn des früheren BVB-Trainers Bert van Marwijk, lenkt die Geschicke bei der PSV Eindhoven. Ten Hags Husarenritt mit Ajax Amsterdams junger Garde durch die Königsklasse vor wenigen Wochen dürfte noch jedem Fußballfan im Gedächtnis sein. Beide würden von ihrem attraktiven Spielstil her zur Borussia passen, beide sprechen Deutsch, beide gelten als starke Talentförderer. Aber: Beide wären erst im Sommer 2020 zu haben. Wie andere interessante Trainer ebenso.

Hasenhüttl und Farke im Abstiegskampf

Also dürfte sich die BVB-Führung auch mit einer Interimslösung befassen, falls Lucien Favre die schnelle Wende nicht gelingen sollte. Und diese könnte durchaus aus den eigenen Reihen rekrutiert werden. Edin Terzic, der derzeit als Assistent Favres agiert, genießt bei den BVB-Bossen eine hohe Wertschätzung. Der 37-Jährige lenkte diverse Jugendteams der Borussia, arbeitete als Scout für Jürgen Klopp und später als Co-Trainer bei Besiktas Istanbul und West Ham United. Im Gespann mit dem Leiter der BVB-Lizenzspieler, Sebastian Kehl, wäre ihm der Job über einen gewissen Zeitraum zuzutrauen. Denn: Terzic (UEFA-Pro-Lizenz) und Kehl (A-Lizenz) hätten sowohl die Kompetenz als auch das Insiderwissen, um als schnelle Reaktion zu funktionieren.

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BVB-Kapitän Reus über Krise, Favre und Barcelona

Genau beobachten werden die Dortmunder Führungskräfte zudem die Lage im Tabellenkeller der englischen Premier League. Dort kämpfen gerade zwei Trainer ums sportliche Überleben, die für den BVB interessant werden könnten: Ralph Hasenhüttl (52 / FC Southampton) und Daniel Farke (42 / Norwich City). Österreicher Hasenhüttl bewies zuvor an der Seitenlinie mit RB Leipzig seine Qualitäten, Farke betreute bis 2017 die zweite Mannschaft des BVB und schrieb dann sein Trainer-Märchen mit dem Aufstieg Norwichs ins englische Oberhaus. Nicht auszuschließen, dass auch sie in Dortmunds Chefetage diskutiert werden, falls sie ihre Koffer in England in Kürze packen müssten.

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