BVB-Trainer Lucien Favre und die Frage: Wohin mit Julian Brandt?

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Julian Brandt erlebt eine Saison mit Höhen und Tiefen. Vor seinem zweiten BVB-Jahr spitzt sich der Konkurrenzkampf zu. Denn bei Lucien Favre haben zwei Youngster die Nase vorn.

Dortmund

, 25.08.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach vier von sechs bislang geplanten Testspielen lässt sich eine Tendenz für eine mögliche Wunschelf von Trainer Lucien Favre erkennen. Wir beleuchten in einer kleinen Serie die Positionen, wo der Konkurrenzkampf um die Plätze besonders intensiv geführt wird. Im ersten Teil beschäftgen wir uns mit dem zentralen Mittelfeld.

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Wohin nur mit Julian Brandt? Diese Frage stellte sich Favre schon in der vergangenen Saison, als er lange nach einer Position für den Neuzugang von Bayer Leverkusen suchte. Brandt sei ein fantastischer Spieler, soll der Schweizer intern geschwärmt haben. Als Borussia Dortmund ihn dann verpflichtete, begann für Favre das Rätselraten. Links vorn, ganz vorn, auf der Acht - der 62-Jährige verschob den Blondschopf in dem verzweifelten Bestreben, das bestmögliche Einsatzgebiet für den 24-Jährigen zu definieren.

Julian Brandt beißt sich bei Borussia Dortmund durch

Darunter litt Brandt, der versuchte, seine Rollen so zuverlässig wie möglich zu spielen, dem aber ein entscheidendes Element seines Spiele oftmals abging: In Leverkusen spielte er auch deshalb so stark auf, weil er totales Vertrauen spürte, weil er wusste, dass er Fehler machen durfte, weil sein Trainer ihm alle Freiheiten gab. Brandt war ein „X-Faktor“, ein Fix-Punkt. Peter Bosz bastelte seine Mannschaft um ihn und Kai Havertz herum. Brandt und Kumpel Havertz dankten es mit regelmäßigen Top-Leistungen.

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Brandt biss sich schließlich auch in Dortmund durch. Immerhin kam er auf 33 Bundesliga-Einsätze und fehlte auch in der Champions League nur einmal verletzt. Seine großen Fähigkeiten blitzten immer wieder auf, am deutlichsten im Spiel gegen RB Leipzig, als er ein Tor des Jahres erzielte, mit einer Ballannahme und -weiterverarbeitung in einer fließenden Bewegung. Viel zu schnell für die Gegenspieler, die staunend den Weg des Balles ins Tor verfolgten. Diese Partie zeigte aber auch den anderen Julian Brandt, der fahrig einen katastrophalen Rückpass spielte, der Dortmund letztlich um den Sieg brachte.

BVB-Trainer Favre setzt auf Reyna und Bellingham

Brandts herausragende Fähigkeiten, an denen Zweifel weiterhin nicht angebracht sind, mündeten in der Liga schließlich nur in drei Treffern und acht Torvorbereitungen. Deutlich schlechtere Werte als zuvor in seinem letzten Jahr Leverkusen. Von einem durchweg zufriedenstellenden ersten BVB-Jahr mochte der 24-Jährige daher nach der Saison nicht sprechen.

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Die Situation droht sich nun zuzuspitzen. Täuscht der bisherige Eindruck nicht, scheint Favre fest entschlossen, die Regie im Dortmunder Spiel zwei Youngstern anzuvertrauen. Giovanni Reyna und Jude Bellingham könnten die zentrale Achse bilden, Reyna hat sich auf Brandts Lieblingsposition, der Zehn, mit einer beindruckenden Selbstverständlichkeit in den Vordergrund und an die Spitze des internen Wettstreits um eine Startelf-Nominierung gespielt.

BVB-Außenpositionen sind an Hazard und Sancho vergeben

In allen Vorbereitungsspielen, in denen er eingesetzt wurde, überzeugte der junge Amerikaner mit Spielwitz und Tordrang. Er traf in jedem der Tests, in denen er mitwirkte. Von seinem Trainer erhielt er großes Lob für sein Spielverständnis, für die Räume, die er mit großem Laufpensum abdeckte - und für seinen herausragenden Instinkt. Reyna spielte die Position schon mit einer Reife, die beeindruckt. Er untermauerte seine Ambitionen, mehr Minuten und mehr Startelf-Nominierungen zu bekommen.

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Zu Lasten von Julian Brandt? In seinen bisherigen Testspiel-Einsätzen wirkte der Ex-Leverkusener nicht so frei, wie er das wohl für sein Spiel braucht. Der gebürtige Bremer ist schlau genug, um zu spüren, dass es eng werden könnte für ihn. Das scheint sein Spiel zu hemmen. Die Außenpositionen sind an Thorgan Hazard und Jadon Sancho vergeben, vorne ist Erling Haaland gesetzt. Und auch auf der Acht, mit der sich Julian Brandt durchaus anfreunden könnte, dürfte ein Youngster die Nase vorn haben - der erst 17-jährige Bellingham.

Lucien Favre und die Frage: Wohin mit Julian Brandt?

Brandt wird sicher auf seine Einsätze kommen, der enge Terminplan sorgt dafür, dass die Rotation deutlich größere Bedeutung zurückerlangt. Um seine Minuten aber wird er mindestens so hart kämpfen müssen wie im Vorjahr. Und Favre scheint sich erneut zu fragen: Wohin nur mit Julian Brandt?

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