Erling Haaland fehlt dem BVB aktuell verletzt. © picture alliance/dpa/AP
Borussia Dortmund

BVB-Verletztenupdate: Die große Übersicht – wer kehrt wann zurück?

Ein Dutzend Spieler fehlt dem BVB und die Verletztenmisere findet kein Ende. Der Überblick von Coulibaly über Haaland bis Zagadou. Und die Erklärungsansätze von Trainer Marco Rose.

Bislang verkneift sich Marco Rose das Klagen. Die Verletztenmisere bei Borussia Dortmund behindert den neuen Trainer vom ersten Arbeitstag an. Seit vier Monaten bleibt dem BVB das Verletzungspech ungewollt treu wie ein alter Kaugummi unter der Schuhsohle. „Es geht so langsam in eine Richtung, die nicht sonderlich angenehm ist“, sagt Rose. Er will das nicht als Lamento verstanden wissen. Solche Phasen gebe es in allen Klubs immer mal wieder. Warum trifft es ausgerechnet den BVB so hart?

So viele verletzte Spieler: BVB betreibt Ursachenforschung

Klubintern laufen seit Wochen die Diskussionen über die Ursachen der Ausfallorgie. Das Bild bleibt diffus, weil die Verletzungen unterschiedlicher Art sind und verschiedenste Hintergründe haben. Naturgemäß überwiegen Muskelverletzungen, sie machen laut Sportmedizinern typischerweise mindestens ein Drittel der Blessuren bei Fußballern aus. Das ist also nichts Ungewöhnliches. Gibt es einen Schlag auf den Fuß, wie etwa bei Thomas Meunier geschehen, oder einen heftigen Zusammenprall im Training, wie es Erling Haaland widerfahren ist, lässt sich daran schwerlich ein Muster feststellen außer, dass in einem Kontaktsport halt stumpfe Verletzungen auftreten. Dem BVB gehe es bei der Ursachenforschung „wie bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, meint Rose.

Als einen ersten Schritt will der BVB bei der internen Kommunikation „draufpacken“, erklärt der Trainer. Der „Staff“ genannte Betreuerstab der Borussia, der fast einen eigenen Mannschaftsbus füllen könnte und alle Werte und Waden der Profis im Detail kennt, soll noch genauere Absprachen treffen, noch intensiver auf Prävention und Prophylaxe hinarbeiten. Das gilt erst recht dann, wenn die Nationalspieler zu ihren Länderteams reisen. Auch dort drängen die Dortmunder Chefs die Verbandskollegen zu einem sorgfältigeren, individuelleren Umgang mit ihren wertvollen Angestellten und zu angepasstem Training.

BVB spürt die Nachwehen des EM-Sommers

Als einen Grund für die ungewöhnliche Häufung der Verletzungen führt Rose weiter die Nachwehen des EM-Sommers an. Nur kleckerweise kehrten die Spieler von Juli an ins Training zurück, alle wiesen unterschiedliche Fitnesswerte und Vorbelastungen auf. Für alle Profis, also auch die Neuzugänge, hatte das neue Spieljahr offiziell am 1. Juli begonnen. Ob alle während der Europameisterschaft und im Anschluss vom Verein engmaschig genug betreut gewesen sind, muss der Klub für sich intern beantworten.

Auf das hauseigene Personal lässt Trainer Rose jedenfalls nichts kommen. Er spricht von sehr guten Ärzten, Physiotherapeuten und Athletiktrainern, die auf dem neusten Stand der Wissenschaft arbeiteten. Die Bosse könnten „keine wahnsinnig großen Fehler“ erkennen.

BVB will auch auf die Spieler einwirken

Neben der Forschung nach Kleinigkeiten und Details will man auch mit Nachdruck auf die Spieler einwirken. Nach möglicher Müdigkeit oder Beschwerden befragt, verschweige der eine oder andere schon mal seine Problemchen, meint der Coach. Klar, jeder Profi will lieber spielen und sich im internen Konkurrenzkampf beweisen als zu vorsichtig zu sein und von außen zugucken. Ein schmaler Grat.

Wer als Athlet bei der Pflege seines Körpers keine Kompromisse macht und in allen Belangen (Athletik, Ernährung, etc.) absolut professionell lebt, muss sich keine Vorwürfe machen lassen. Wer diese Haltung nicht hat, muss sich entsprechend hinterfragen (lassen). Borussia Dortmunds Aufarbeitung der Verletztenmisere geht jedenfalls immer noch weiter. Sportdirektor Michal Zorc hadert: „Die Lage entspannt sich nur allmählich.“



Die aktuelle Situation der nicht einsatzfähigen BVB-Profis in alphabetischer Reihenfolge:

Soumaila Coulibaly: Der französische Innenverteidiger kam nach seinem Kreuzbandriss von Anfang des Jahres verletzt in Dortmund an. „Jetzt ist er so weit, dass wir ihn zeitnah mal in der U23 bringen können“, sagt Marco Rose. Der Trainer hat einen positiven Eindruck von ihm bekommen. „Ein guter Junge, gute Physis, guter Fußballer.“ Er sei gespannt, „wo die Reise hingeht“, sobald Coulibaly mal über einen längeren Zeitraum fit sei. Mögliches Debüt: 20. November

Mahmoud Dahoud: „Bei Mo Dahoud wünschen wir uns, dass es bis Samstag klappt“, sagt BVB-Trainer Marco Rose, „aber da gibt es noch Fragezeichen.“ Gleich zu Beginn der Champions-League-Partie gegen Sporting Lissabon Ende September verdrehte sich der Mittelfeldspieler das Knie. Seit ein paar Tagen steht er im Wiedereingliederungstraining. Dann muss er seinen Stammplatz zurückerobern. Mögliches Comeback: 3. November

Raphael Guerreiro: „Rapha braucht noch ein bisschen, er hat ja einen Muskelfaserriss“, erklärte Rose am Rande des DFB-Pokalspiels gegen Ingolstadt. Vor drei Wochen hatte sich der Portugiese die Verletzung bei der Nationalmannschaft zugezogen. Ob er bis zur nächsten Länderspielphase, die am 8. November startet, wieder spielen wird, ist sehr fraglich. Guerreiro wird als Leistungsträger schmerzhaft vermisst, zumal sein Vertreter Nico Schulz auch verletzt ist. Mögliches Comeback: 20. November

Erling Haaland: Der fraglos schwerwiegendste Ausfall betrifft den Torjäger. Die gravierende Muskelverletzung am Hüftbeuger zwingt ihn mehrere Wochen zum Zuschauen – dabei hatte er gerade erst die muskulären Probleme nach einem Zusammenprall mit Mats Hummels im Training ausgeheilt. Dazu durfte der Norweger nach Marbella reisen. Diesmal sollte er auf Wunsch der sportlichen Leitung näher an der Mannschaft bleiben. Riskiert werden soll nichts – vermisst wird Haaland bei jedem Angriff. Mögliches Comeback: Mitte Dezember

Gregor Kobel: Der Neuzugang, der persönlich einen sehr guten Start in Dortmund hingelegt hat, pausierte wie abgesprochen im DFB-Pokalspiel gegen den FC Ingolstadt. Marwin Hitz hat ihn vertreten. Die Blessur aus einem Zusammenprall mit dem Pfosten beim Spiel in Bielefeld dürfte ihn nicht weiter behindern. Der Stammtorhüter dürfte am Samstag auf seine Stammposition zurückkehren. Mögliches Comeback: 30. Oktober

Donyell Malen: Auch für den bislang enttäuschenden Neuzugang könnte Haalands Verletzung eine Chance sein. Endlich wäre seine Lieblingsposition im Sturmzentrum frei. In Bielefeld konnte der 22-jährige Niederländer nur begrenzt für sich werben, die Pokalpartie gegen Ingolstadt verpasste er wegen eines Magen-Darm-Infekts. Rose zu den weiteren Aussichten: „Wenn er runter ist vom Klo, sollte er auch wieder spielen können.“ Mögliches Comeback: 30. Oktober

Mateu Morey: Nach der massiven Knieverletzung hat der junge Spanier das individuelle Training wieder aufgenommen, er macht Fortschritte in der Reha nach seinen zwei Operationen. Dabei arbeitet der Rechtsverteidiger in Dortmund ohne jeden Zeitdruck. „Ich kann nicht seriös voraussagen, wann ich wieder auf dem Platz stehen werde“, sagt der 21-Jährige. Mögliches Comeback: Frühjahr 2022

Youssoufa Moukoko: Der Anpassungsprozess an den Profifußball läuft, für Borussias Toptalent ist das leider auch mit Verletzungen verbunden. Aktuell setzte ihn eine Muskelverletzung außer Gefecht – just in der Phase, in der auch Haaland ausfällt. Am Samstag soll Moukoko nach vier Wochen erstmals wieder im Kader stehen. Er trainiert längst wieder voll, am Mittwoch mit der U23. Mögliches Comeback: 30. Oktober

Giovanni Reyna: Der Youngster ist ein Sorgenkind. Aus den Problemen am Oberschenkel, die der US-amerikanische Verband Anfang Oktober anführte, ist eine schwere muskuläre Verletzung geworden. Reyna ist noch weit entfernt von einer Rückkehr auf den Rasen – und damit auch von seinem nächsten Pflichtspieleinsatz. Vor Ende November ist nicht mit ihm zu rechnen. Mögliches Comeback: 20. November

Marcel Schmelzer: Der verdiente Abwehrspieler hält sich in Dortmund fit, er arbeitet regelmäßig am Trainingsgelände in Brackel an seiner Spielfähigkeit. Zu einem Einsatz bei den BVB-Profis wird es wohl nicht mehr kommen. Mögliches Comeback: nicht geplant

Nico Schulz: Guerreiros Malaise wäre die beste Gelegenheit für den Ex-Nationalspieler, mal wieder positiv auf sich aufmerksam zu machen. Doch nach fünf (Teil-)Einsätzen musste der Linksverteidiger passen. Nach 45 Minuten in Amsterdam war Schluss für ihn. In der Partie bei Ajax zog sich Schulz einen Muskelfaserriss zu. Auch er wird erst Mitte November wieder eine Rolle spielen. Mögliches Comeback: 20. November

Dan-Axel Zagadou: Seit Monaten wird die Rückkehr von „Daxo“ herbeigesehnt beim BVB. Nach der erneuten Knieverletzung Mitte März soll eine Operation die wiederkehrenden Probleme beseitigt haben. Das Comeback steht laut Rose unmittelbar bevor. „Dan-Axel Zagadou wird am Wochenende in der U23 spielen und kann dann auch wieder eine Rolle bei uns spielen.“ Die Zweitvertretung gastiert am Samstag um 14 Uhr bei Viktoria Berlin. Mögliches Comeback: 30. Oktober

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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Jürgen Koers