BVB-Verteidiger Dan-Axel Zagadou steht sinnbildlich für Borussia Dortmunds Aufschwung

rnBorussia Dortmund

BVB-Verteidiger Zagadou steht sinnbildlich für Borussia Dortmunds Aufschwung. Es gibt Lob von allen Seiten - und es steht die Frage im Raum, warum der Franzose so lange auf seine Chance warten musste.

Mainz

, 15.12.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Michael Zorcs Urteil fiel eindeutig aus. Eine „glatte Eins“ habe Dan-Axel Zagadou für diesen Auftritt verdient, meinte der BVB-Sportdirektor nach dem souveränen 4:0-Sieg in Mainz. Man sehe jeden Tag im Training, was für ein Rohdiamant der 20-jährige Verteidiger sei. „Aber er kann eben auch richtig gut kicken.“ Sebastian Kehl schloss sich Zorc an: „Dan-Axel hat es heute wieder hervorragend gemacht“, sagte der Lizenzspielleiter. Zagadou erhalte gerade verdientermaßen viel Lob. „Das nimmt man als Spieler gerne mit, weil er in dieser Hinrunde auch eine Phase hatte, in der es nicht so rund lief.“

Viel Lob von allen Seiten für einen erneut sehr abgeklärten Auftritt des Franzosen in der Defensive. Aber da war ja auch noch diese Szene in der 66. Minute. Zagadou eroberte den Ball tief in der eigenen Hälfte und stiefelte los in Richtung Mainzer Tor. Er trieb den Ball durchs gesamte Mittelfeld bis in den gegnerischen Strafraum, behielt die Übersicht und servierte perfekt für Jadon Sancho - 2:0 für den BVB, die Entscheidung.

Zagadou mit Schnelligkeit und Übersicht

Als Lucien Favre später auf diese Szene angesprochen wurde, musste der BVB-Trainer lachen. „Ja, er kann viel laufen“, sagte der Schweizer nur. Es war nicht das erste Mal, dass Zagadou in der Offensive auf sich aufmerksam machte. Schon am vergangenen Wochenende hatte er sich beim 5:0-Sieg gegen Düsseldorf in der zweiten Hälfte ein Herz gefasst, aus 35 Metern krachend aufs Tor geschossen und die Torwarthandschuhe von Fortuna-Schlussmann Zackary Steffen einem Stresstest unterzogen. Dieses Mal nun trat er als Vorlagengeber in Erscheinung.

„Ja, er kann viel laufen.“
Lucien Favre über Dan-Axel Zagadou

Dieser Sololauf durch die Opel Arena war ein Ausdruck Zagadous ganzer Stärke und seines Selbstvertrauens, das er in den vergangenen Wochen gesammelt hat. Die Daten belegten die gute Leistung des Abwehrhünen. 95 Prozent seiner Pässe fanden den Weg zu seinen Mitspielern, er leistete sich nur zwei Fouls, gewann 69 Prozent seiner Zweikämpfe und sammelte 77 Ballkontakte. Zagadou sei „sehr sicher mit dem Ball und könne das Spiel gut lesen“, sagte Favre.

Bei all den Lobeshymnen muss man sich eigentlich die Frage stellen, warum Zagadou erst so spät in dieser Hinrunde ein wichtiger Faktor im BVB-Spiel geworden ist. Seit Favres Umstellung auf eine Dreier-Abwehrreihe ist ein Platz für den Linksfuß, der sich lange hinter dem gesetzten Innenverteidiger-Duo Manuel Akanji und Mats Hummels anstellen musste, frei geworden in der Dortmunder Defensive. Zumindest auf dem Papier ist Borussia Dortmunds jüngster Aufschwung ganz eng mit dem Namen Zagadou verbunden. Seit dem 2:1-Erfolg in Berlin ist der Franzose Bestandteil der Startelf, es setzte vier Siege in vier Spielen bei nur zwei Gegentoren.

Zagadou muss sich beim BVB bis zum 13. Spieltag gedulden

Zagadous bisheriger Saisonverlauf erinnert in gewissen Punkten an die Vorsaison, nur dass er noch länger warten musste, bis er endlich mitwirken durfte. In der vergangenen Spielzeit dauerte es bis zum fünften Spieltag, ehe Zagadou von Favre regelmäßig berücksichtigt wurde, in dieser Hinrunde musste er sich bis zum 13. Spieltag gedulden. Ein paar Kurzeinsätze und ein Spiel über 90 Minuten im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach (2:1) Ende Oktober - das war alles an Spielminuten, was Zagadou im ersten Saisondrittel auf die Uhr brachte.

BVB-Verteidiger Dan-Axel Zagadou steht sinnbildlich für Borussia Dortmunds Aufschwung

© Deltatre

Entsprechend schwierig war der Saisonstart für den französischen U21-Nationalspieler, der die Folgen seines schwachen Auftritts beim 0:5 in München in der Vorsaison lange zu spüren bekam (RN-Note 6,0 und Auswechslung in der Halbzeit). Natürlich sei er frustriert gewesen, gab Zagadou daher nach dem 5:0 gegen Düsseldorf unumwunden zu, um dann aber auch zu erklären, dass er sich freue, dass es nun wieder besser laufe.

Kann Zagadou das Niveau halten?

Wie schon in der zurückliegenden Spielzeit hat Zagadou, das ist eine weitere Parallele zur vergangenen Hinrunde, keine Anlaufzeit gebraucht, um direkt zu liefern, als sich die Chance bot. Die Frage wird sein, ob er das hohe Niveau der jüngsten Auftritte dieses Mal dauerhaft halten kann - und ob er jetzt bald vielleicht sogar Tore schießt. Im Moment ist ihm fast alles zuzutrauen. Der Rohdiamant funkelt wieder.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt