BVB-Verteidiger Nico Schulz: Ausgebremst statt auf der Überholspur

rnBorussia Dortmund

Nico Schulz ist zum BVB gewechselt, um als Stammspieler Titel zu holen. Doch ausgerechnet im Revierderby sitzt der Nationalspieler auf der Bank. Aus dem Vielspieler ist eine Teilzeitkraft geworden.

Dortmund

, 30.10.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er genieße es, gestand Michael Schulz. Dass nun endlich wieder diese langgezogenen „Schuuuulz“-Rufe durchs Dortmunder Stadion ziehen, das beschere ihm „eine Gänsehaut“, gestand der frühere Profi des BVB. „Wie bei mir früher“, erinnerte er sich, als Borussias Fans ihren neuen Schulz feierten. Beim 5:1 gegen Augsburg war das, zum Saisonauftakt. Der neue Schulz, Vorname Nico, spielte stark auf.

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Er zeigte, warum der BVB im Sommer rund 25 Millionen Euro für ihn an die TSG Hoffenheim überwiesen hatte: Defensiv zuverlässig, viel Tempo, präzise Flanken, gute Zweikampfführung. Es war nach einer bärenstarken Saisonvorbereitung ein verheißungsvoller Start des Neuzugangs, dank dessen Verpflichtung der BVB die Dauerbaustelle links außen in der Viererkette als geschlossen sah. Aber plötzlich kam alles anders.

BVB-Neuzugang Schulz klebt das Pech an den Fußballschuhen

Der Abpfiff des Augsburg-Spiels avancierte auch für Schulz‘ BVB-Karriere zum vorläufigen Stoppsignal. Seitdem klebt dem gebürtigen Berliner das Pech irgendwie an den Fußballschuhen. Schon im zweiten Ligaspiel in Köln agierte er schwach, beim Gegentor hing er mit drin, nach vorne lief nichts zusammen.

Ob als Konsequenz daraus oder zur Schonung ist nicht überliefert, aber im nächsten Spiel bei Union Berlin fand er sich auf der Ersatzbank wieder. Dabei hatte Schulz als gebürtiger Berliner und früherer Herthaner so auf sein persönliches „Derby“ in der Hauptstadt hingefiebert.

BVB-Verteidiger Nico Schulz: Ausgebremst statt auf der Überholspur

Nico Schulz ist zum BVB gekommen, um zu spielen. Zuletzt saß er jedoch auf der Bank. © Guido Kirchner

Dann, Anfang September, kam das Länderspiel gegen die Niederlande. Schulz, der als Linksverteidiger in den Planungen von Bundestrainer Joachim Löw eine feste Rolle übernimmt, verletzte sich im DFB-Trikot beim 2:4 in Hamburg, ein Bänderanriss im Fuß zwang ihn zu einer Pause. Er verpasste die Bundesliga-Spiele der Borussia gegen Leverkusen, Frankfurt, Bremen und Freiburg, auch in der Champions League gegen Barcelona und Prag konnte er nicht mitwirken.

Schulz macht sich keine Sorgen um seinen Platz beim BVB

Große Sorgen machte sich Schulz nicht, obwohl in seiner Abwesenheit seine Konkurrenten Raphael Guerreiro oder Achraf Hakimi auf der linken Seite für sich warben. „Die Konkurrenz ist groß, aber wenn ich gesund und fit bin und meine Leistung bringe, werde ich auch spielen“, betonte Schulz ganz selbst bewusst.

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Und tatsächlich schien er nach überstandener Verletzung die Kurve zu kriegen. Der 26-Jährige war im so wichtigen Duell gegen die Borussia aus Mönchengladbach wieder erste Wahl. Der BVB zitterte sich zwar zum 1:0, richtig überzeugen konnte Nico Schulz aber nicht.

Sein Neustart durfte als misslungen eingestuft werden, als er bei seinem Champions-League-Debüt für Dortmund in Mailand in der vergangenen Woche nicht nur eine schwache Leistung ablieferte, sondern durch seinen bösen Stellungsfehler - als er das Abseits aufhob - , auch das 1:0 für Inter begünstigte.

Nico Schulz ist gekommen, um Titel zu holen

Die bittere Quittung folgte nun im Revierderby auf Schalke: Schulz saß 90 Minuten lang auf der Ersatzbank. Aus dem potenziellen Vielspieler und Leistungsträger ist also binnen weniger Wochen in Dortmund eine Teilzeitkraft geworden.

BVB-Verteidiger Nico Schulz: Ausgebremst statt auf der Überholspur

© Deltatre

Von 810 möglichen Minuten Bundesliga seit seinem Dienstantritt beim BVB sammelte Schulz nur 242. Aufzugeben, sich hinten anzustellen, das wird jedoch keine Option für den Nationalspieler sein. „Ich bin hergekommen, um zu spielen“, hatte er schon bei seinem Dienstantritt gesagt, und er sei „gekommen, um Titel zu gewinnen“.

Schulz: „Der BVB muss sich vor keinem Gegner verstecken“

Vielleicht erinnert er sich und seine Mitspieler jetzt an eine weitere seiner Aussagen im Sommer: „Unser Team muss sich vor keinem Gegner verstecken.“ Den Glauben daran neu zu befeuern, das könnte dem BVB vor dem wichtigen Topspiel-Viererpack durchaus helfen. Und ein Nico Schulz in Topform sicher auch.

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