BVB-Wechselgeschichten: Judas, Transferversprechen und eine Ausstiegsklausel

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Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund ist ein Duell mit weitreichender Wechselhistorie. Eine BVB-Personalie bleibt besonders in Erinnerung.

Dortmund

, 06.03.2020, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Nachhinein hätte er alles anders gemacht. Dieser ganze Rummel, die Anfeindungen, das ganze Theater. Heiko Herrlich wollte aber unbedingt zu Borussia Dortmund wechseln, den berühmten nächsten Schritt in seiner fußballerischen Karriere machen. Ein Schritt, der in Mönchengladbach vielen missfallen hat. Das war im Jahr 1995. Herrlich hatte eine famose Saison für die Borussia aus Gladbach gespielt. 20 Tore in der Bundesliga, sechs im DFB-Pokal. Plötzlich stand der damals 23 Jahre alte Stürmer auch im Fokus der deutschen Nationalmannschaft.

Dann rief Borussia Dortmund an, wollte den aufstrebenden Stürmerstar unbedingt verpflichten. Herrlich soll zum amtierenden Deutschen Meister wechseln. Der Haken: Herrlichs noch laufender Vertrag in Gladbach. Während die Fohlen eine hohe Ablöse aus dem Herrlich-Transfer ziehen wollten, pochte Herrlich auf ein Versprechen des damaligen Managers Rolf Rüssmann, das er Gladbach für 4,5 Millionen Mark Ablöse verlassen darf.

Heiko Herrlich (l.) erzielte für Borussia Dortmund 56 Tore in 183 Spielen.

Heiko Herrlich (l.) erzielte für Borussia Dortmund 56 Tore in 183 Spielen. © dpa

Die Folge: Herrlich wurde als „Judas“ beschimpft, es folgte eine mediale Schlammschlacht. Wort stand gegen Wort. Am Ende bekam Herrlich seinen Willen, wechselte für die damalige Rekordablösesumme von 11,5 Millionen Mark zum BVB. „Ich bin oft gefragt worden, ob ich mich heute wieder so verhalten würde: Nein, das würde ich wohl nicht. Ich wäre vermutlich in Gladbach geblieben, obwohl ich im Recht war und mir ein Versprechen gegeben wurde, an das sich keiner mehr erinnern wollte“, sagte Herrlich der „Westdeutschen Zeitung“ vor einigen Jahren.

Marco Reus kehrt in seine Heimatstadt Dortmund zurück

„Man sollte sich in meine Situation versetzen: Ich bin 23 Jahre alt, denke, ich bin im Recht und werde dann wochenlang als das größte Geldschwein vorgeführt. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden.“ Es sollte der vorerst letzte Wechsel zwischen Gladbach und Dortmund bleiben. Erst 17 Jahre später zog es den nächsten aufstrebenden Fußballer von den „Fohlen“ zum BVB. Wieder ging es zum amtierenden Deutschen Meister.

Marco Reus kehrte damals ohne größere Nebengeräusche in seine Heimatstadt zurück. Der BVB zog die Ausstiegsklausel in Höhe von rund 17 Millionen Euro bereits im Winter, ehe der Wechsel im Sommer 2012 vollzogen wurde. Auf Reus folgten Thorgan Hazard, der im vergangenen Sommer den Borussia-Wechsel vollzog, und Mahmoud Dahoud im Jahr 2017.

Hofmann und Ginter wechselten vom BVB zur Gladbacher Borussia

Auch Frank Mill (1986) und Siegfried Reich (1983) gingen den Weg von Gladbach nach Dortmund, Franz Brungs bereits 1963. Doch der BVB präsentierte sich nicht nur als Abnehmer für Gladbacher Spieler. In Jonas Hofmann (2015) und Matthias Ginter (2017) haben zwei Spieler den BVB in den vergangenen Jahren in Richtung Niederrhein verlassen. „Kontakt gibt es eher noch zu den Spielern, die ich aus der Nationalmannschaft kenne - wie Mats Hummels oder Marco Reus. Und mit ein paar Mitarbeitern tausche ich mich hin und wieder noch aus“, wird Ginter im aktuellen Mitgliedermagazin der Gladbacher zitiert.

Beide Ex-BVB-Spieler stehen regelmäßig in der Gladbacher Startelf. Auf das Wiedersehen mit Marco Reus werden sie am Samstag (18.30 Uhr, Sky) jedoch verzichten müssen - Borussia Dortmunds Kapitän laboriert an einer Muskelverletzung und wird frühestens Anfang April auf den Rasen zurückkehren.

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