BVB will Reinier als nächstes Toptalent zum Star ausbilden

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Reinier gilt als Brasiliens Spielmacher der Zukunft. Zuvor muss er sich im Seniorenfußball durchsetzen. Der BVB ist ein logischer Zwischenschritt.

Dortmund

, 16.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Tränen ausgebrochen ist er diesmal wohl nicht, anders als im vergangenen Dezember. Da hörte Reinier Jesus Carvalho, damals noch 17, vom Interesse von Real Madrid und konnte seine Gefühle, seine Vorfreude kaum bändigen. „Es war unbeschreiblich emotional“, berichtete Reinier bei seiner Ankunft in Spanien. Ein halbes Jahr später bei seinem Wechsel zu Borussia Dortmund geht es wesentlich nüchterner zu.

Madrid lässt sich Reinier 30 Millionen Euro kosten

Real Madrid fand nach ausführlichem Scouting genügend Argumente, um für den inzwischen 18-jährigen Reinier im Januar 2020 üppige 30 Millionen Euro an Flamengo Rio de Janeiro zu überweisen. Und ein halbes Jahr und lediglich drei Pflichtspiele für Reals Nachwuchsmannschaft später gibt es gute Gründe für die Spanier, den Brasilianer wieder abzugeben. Das große Versprechen, ein künftiger Superstar zu werden, kann Reinier nur mit Spielpraxis und einer persönlichen Weiterentwicklung mit Leben füllen. Einer der bekanntermaßen besten Orte für derartige Vorhaben: Borussia Dortmund.

2002 in Brasilia geboren, wählte Reinier mit gerade einmal zehn Jahren den schwierigen Weg in Richtung Profifußball. „ Es war sehr schwer, ohne meine Mutter und meine Geschwister nach Rio de Janeiro zu gehen“, betonte er. Doch es scheint sich zu lohnen. Seit 2014 bei Flamengo beheimatet, sammelte er im Vorjahr in der ersten Liga bei 14 Einsätzen sechs Tore, wurde nebenbei Landesmeister, gewann die Copa Libertadores und rechtfertigte im Seniorenfußball die Vorschusslorbeeren, die er als U18-Nationalspieler (zehn Spiele, fünf Tore) erarbeitet hatte. Schnell hieß es in Südamerika, da wachse ein Weltklassespieler heran, ein neuer Spielmacher für die Selecao.

Reinier: „Offensiv spiele ich alle Positionen“

Fußballerisch fühlt sich Reinier im Angriff überall wohl. „Offensiv spiele ich alle Positionen: rechts, links, in der Mitte, in der Spitze. Alles. Ich habe da keine Probleme“, sagt er selber. Seine überragende Ballbehandlung, sein überraschender Spielwitz und sein kreatives Talent kommen wohl am ehesten als Zehner zur Geltung. Dank seiner ordentlichen Beschleunigung könnte das 1,85 Meter große Toptalent auch auf dem Flügel zurechtkommen und sich dort durchsetzen.

Reinier bei seiner Vorstellung in Madrid im Januar dieses Jahres.

Reinier bei seiner Vorstellung in Madrid im Januar dieses Jahres. © imago images/Marca

Aber auch im Spielaufbau im Zentrum kann Reinier mit seinem stärkeren rechten Fuß Akzente setzen, vor allem, wenn es im Umschaltspiel etwas Platz zum Zaubern gibt. Als Vorbild gibt er übrigens Kaka an, der ebenfalls mit enger Ballführung und hohem Tempo auf Abwehrreihen zudribbeln konnte. Dank seiner guten Schusstechnik führen nicht wenige Abschlüsse auch zum Tor, auch aus der Distanz.

Weg nach Dortmund könnte für Reinier goldrichtig sein

Reiniers Eingewöhnung in Europa kam dann allerdings die Corona-Pandemie in die Quere. Nur drei Einsätze für Real Madrids zweite Mannschaft La Castilla sind notiert. Dann stoppte im März die Saison, seitdem herrscht Stillstand.

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Eine Lehre in Dortmund könnte sich für Reinier deshalb als goldrichtig erweisen. Die besonderen Qualitäten der Borussia in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Toptalenten sind hinlänglich beschrieben. Real hofft, dass der junge Brasilianer in der Bundesliga eine ähnliche Entwicklung nimmt wie zuvor die verliehenen Achraf Hakimi und Daniel Carvajal (bei Bayer Leverkusen).

Risikolose Alternative für den verletzten BVB-Kapitän Reus

Der BVB wiederum baut mit Reinier ohne Risiko eine Alternative in seinen Kader ein. Weil nicht absehbar ist, wann Kapitän Marco Reus wieder zur Verfügung steht, könnte der Neuzugang eine sinnvolle Ergänzung werden und in bis zu zwei Jahren den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen.

Lobeshymnen finden sich viele über Reinier. Jetzt muss er reife Leistungen zeigen, sobald er sich in Dortmund akklimatisiert hat. Ohne Tränen, ganz pragmatisch.

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