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Thorgan Hazard spielt in der kommenden Saison für den BVB. Doch wer ist dieser 26-Jährige, der aus einer sportlich hoch veranlagten Familie stammt, eigentlich? Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

Dortmund

, 01.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Es war ein Kinderspiel, über diesen Zaun aus drei Querlatten zu hüpfen. Wurde es im eigenen Garten zu eng, kletterten die Hazard-Brüder einfach über das niedrige Gatter und schon standen sie auf der Grundlinie des in die Jahre gekommenen Fußballplatzes von Royal Stade Brainois. Dort, wo alles begann.

Ein leuchtendes Vorbild

Thorgan Hazard, heute 26, blieb damals wohl keine Wahl. Er hätte sich aber auch in keinem Fall anders entschieden. Die Gene der Eltern beschenkten ihn mit reichlich Talent. Das Spielfeld direkt nebenan lockte ohne Unterlass zur Erprobung der eigenen Fähigkeiten. Der große, starke Bruder Eden diente als ein leuchtendes Vorbild: Was hätte denn aus Thorgan werden sollen, wenn nicht ein Fußballer? Ein richtig guter Fußballer? Ein Kicker, für den Borussia Dortmund rund 26 Millionen Euro zahlt.

Papa Thierry habe ihm am meisten beigebracht, berichtet Thorgan Hazard. Der Vater beackerte für La Louviere in der zweiten belgischen Liga die Defensive, als der zweite Sohn auf die Welt kommt. Im Bauch von Mutter Carine, einer erstklassigen Stürmerin, schießt der älteste Spross, Eden, seine ersten Tore quasi mit. Als das erste Kind auf die Welt kommt, hängt die Mama die Fußballschuhe an den Nagel. Von da an spielen die Kinder die Hauptrolle. Und was für eine! Bestseller-Autor Ronald Reng nennt die Hazards in einem Porträt „die berühmteste Fußballerfamilie der Welt“.

Schwieriges erstes Jahr

In erster Linie liegt das an Eden, Jahrgang 1991. Auf 150 Millionen Euro beziffert das Internetportal „transfermarkt.de“ seinen Wert. Für Thorgan ist sein zwei Jahre älterer Bruder „ein größerer Spieler als ich“, oder schlicht: „Er ist einer der besten der Welt.“ Eden sei der begnadetere Kicker, er habe sich mehr erarbeiten müssen. Technisch gesehen sei Eden der bessere, sagt Vater Thierry, „aber was den Fleiß angeht, ist Thorgan vorne“.

Wie sein familiäres Vorbild macht auch Thorgan den FC Chelsea auf sich aufmerksam. 2012 wird er von dort ins belgische Zuite Waregem verliehen (73 Spiele, 19 Tore), doch auch danach trauen ihm die Engländer den Sprung in die Premier League nicht zu. Bei Borussia Mönchengladbach nimmt ihn ein Trainer namens Lucien Favre unter seine Fittiche. Thorgan Hazard, zu der Zeit vor allem noch der kleine Bruder von Eden, blieb Lehrling unter dem Schweizer Coach. „Das erste Jahr bei Borussia war schwer: ein neuer Klub, ein neues Land, ein ganz starkes Team“, erinnert sich Hazard. Gladbach gewann Spiel um Spiel, zog später in die Champions League ein. Erst im Dezember erzielte er seinen ersten Treffer. Doch sein Potenzial überzeugte die Borussen. Am 23. Februar 2015 unterschrieb er einen Vertrag bis zum Sommer 2020.

An fast allen Offensivaktionen beteiligt

Hazard musste auf seine Chancen warten. Erst als Favre im September 2015 nach sechs Pflichtspielniederlagen zum Saisonstart die Brocken hinwarf, startete der Belgier durch. Favres Nachfolger André Schubert förderte ihn ebenso wie später sein jetziger Trainer Dieter Hecking. Jahr für Jahr verbesserte sich Hazard.

„Ich will mich immer verbessern, das ist mein Anspruch.“
Thorgan Hazard

Acht, neun, zehn, fünfzehn Scorerpunkte steuerte er pro Spielzeit dazu bei, dass sich die Borussia im oberen Drittel der Bundesliga etablierte. In der laufenden Spielzeit ist er bislang an 19 Toren direkt beteiligt. Wenige Offensivspieler legen mehr Torschüsse auf als er. Sein Wert für die Mannschaft äußert sich auch in den Läufen in die Tiefe und in die Breite, die seinen Mitspielern Räume öffnen. Der Zehner der Fohlen-Elf ist ein Teamspieler, selten verletzt, er hat Stabilität in seine Vorstellungen gebracht. Unter Hecking ist er zum unumstritten Leistungsträger herangereift. Egal, ob er auf der linken oder rechten Seite anläuft: Hazard ist an fast allen Offensivaktionen der Gladbacher beteiligt. Und er hat mit der Zeit auch erfolgreich an einer seiner Schwächen gearbeitet hat: dem Abschluss.

„Ich kann es besser“, meinte Hazard, der vormalige Chancentod, der seine Treffer oft vom Elfmeterpunkt aus erzielte, nach der Spielzeit 2017/18. „Ich hatte in der Saison mehr Möglichkeiten als zuvor. Nun will ich mehr davon nutzen. Ich will mich immer verbessern, das ist mein Anspruch“, sagte Hazard. Jede zweite Torchance wolle er nutzen, kündigte er an. Er hielt Wort, zumindest in der Hinrunde, als er mit der Borussia vom Niederrhein bis auf Rang zwei stürmte. Dass die Rückserie nicht mehr nach Wunsch verlief, betraf das gesamte System der Gladbacher. Hazard konnte den Abwärtstrend nicht stoppen. „Bei ihm läuft es nicht besser oder schlechter als bei den anderen“, nahm ihn Sportdirektor Max Eberl aus der Kritik.

Die Nachfrage steigt

Doch Hazards Art, Fußball zu spielen, bleibt international gefragt. Im Winter intensivierte der BVB die Bemühungen um ihn. Auch andere namhafte Klubs sollen ihr Interesse bei Vater Thierry Hazard hinterlegt haben. Ein pfeilschneller Außenstürmer, technisch versiert, der auch noch regelmäßig Tore und Vorlagen liefert - da steigt die Nachfrage.In Gladbach hätte man um Hazard, Vater dreier Töchter, gerne eine neue Mannschaft aufgebaut. Mit inzwischen 26 Jahren scheint der ruhig und bescheiden auftretende Belgier bereit für Verantwortung.

Nicht nur am Elfmeterpunkt - wenn er nicht gerade einen Strafstoß in missglückter Panenka-Manier versemmelt. Sondern auch in der Kabine - weil er als inzwischen 21-facher Nationalspieler des WM-Dritten Belgien (drei Tore) auch mit Leistung im Klub vorangeht. Seine bisherige Borussia-Bilanz: 144 Spiele, 30 Tore, 33 Vorlagen. Wenn er diese Quote auch bei seiner neuen Borussia in Dortmund aufrecht hält, hätte der BVB den Verlust von Christian Pulisic, der für 64 Millionen Euro zum FC Chelsea gewechselt ist, sportlich mehr als wettgemacht. Im Doppelpack mit Julian Brandt sowieso.

BVB-Neuzugang Thorgan Hazard: Die Gene, der Garten und ein Comic-Held

Kennen sich aus gemeinsamen Gladbacher Zeiten: Hazard (r.) und Lucien Favre. © imago

„Er ist ein sehr, sehr guter Spieler“, sagte Lucien Favre kürzlich über seinen Ex-Spieler, mit dem er ab Sommer wieder zusammenarbeitet. Was auch für Co-Trainer Manfred Stefes gilt, der sogar noch länger als der Schweizer ganz nah dran war an Thorgan Hazard, der von sich sagt, es kümmere ihn weniger, ob er mehr an der Seite oder im Zentrum spiele. „Das hängt vom Gegner ab, ist in jedem Spiel anders und für mich nicht so wichtig. Für mich ist wichtig, dass ich Platz habe für meine Bewegungen und Läufe und dem Gegner dadurch Probleme bereiten kann.“

Nur wenn er wenige Ballkontakte habe, sei es für ihn schwierig, sein Spiel aufzuziehen, meint Hazard. Wenn es heutzutage auf den Bundesliga-Feldern eng wird, kann er eben nicht einfach über den Zaun springen auf einen größeren Platz. Wie früher im Garten in Braine-le-Comte, mit seinen Brüdern.

  • Der Name „Thorgan“ ist eine Erfindung seiner Eltern, abgeleitet von der belgischen Fantasy-Comicfigur „Thorgal“. Diese Figur wächst im siebten Jahrhundert, nachdem sie in einer Raumkapsel gefunden wird, als Waisenkind bei einem Wikingerstamm auf und muss viele Abenteuer bestehen.
  • Eden und Thorgan haben noch einen weiteren Bruder im Profigeschäft: Kylian (23) spielt in Belgien für Cercle Brügge. Der jüngste Spross Ethan ist 15.
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