Emre Can wird dem BVB gegen Leverkusen fehlen. © picture alliance/dpa/dpa-Pool
Borussia Dortmund

Can-Sperre verschärft Situation im BVB-Mittelfeld – es gibt Alternativen

Edin Terzic muss gegen Leverkusen sein Mittelfeldzentrum umbauen. Mal wieder. Ein Duo, das bislang erst einmal unter dem neuen BVB-Trainer gemeinsam auflief, dürfte den Zuschlag erhalten.

Es lief die 68. Minute, als Emre Can an der Seitenlinie den Mainzer Jonathan Burkardt foulte. Der Nationalspieler übertrieb es in dieser Szene, vielleicht wollte er ein Zeichen setzen, vielleicht war Can aber auch einfach nur ein bisschen übermotiviert. In jedem Fall war es ein unnötiges Foul – und das Resultat war eine unnötige Gelbe Karte, die Can zwar noch gestenreich zu verhindern versuchte, aber letztlich freilich trotzdem und auch zurecht sah.

Gelbsperre: Emre Can fehlt dem BVB gegen Leverkusen

Der bittere Nachgeschmack: Für Can war es die fünfte Gelbe in dieser Saison. Damit fehlt der 27-jährige Mittelfeldspieler dem BVB am Dienstag (20.30 Uhr) im Spiel gegen seinen Ex-Klub Bayer Leverkusen. Es ist das Duell des Tabellendritten gegen den Tabellenvierten. Und BVB-Trainer Edin Terzic wird zumindest seine ursprünglichen Gedankenspiele für die Besetzung des defensiven Mittelfelds über den Haufen werfen müssen. Denn gegen das offensiv ausgerichtete 4-3-3-System der Werkself hätte Terzic gerne auf das Duo Emre Can und Thomas Delaney gesetzt, so wie er es auch nach 30 Minuten in Leipzig getan hatte, als sich Axel Witsel (Achillessehnenriss) schwer verletzt hatte.

Nun aber fehlt nach Witsel in Leverkusen auch Can. Thomas Delaney, selbst mit vier Gelben Karten vorbelastet, wird in die Startelf zurückkehren und versuchen, auch gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Freitag noch spielberechtigt zu sein. Terzic wollte gegen Mainz nicht das Risiko eingehen, dass in Can und Delaney womöglich zwei erfahrene Mittelfeldspieler ihre fünfte Gelbe Karte sehen und in Leverkusen fehlen könnten. Nicht nur, aber auch deswegen entschied er sich für Jude Bellingham (RN-Note: 2,5) als zweiten Spieler im zentralen Mittelfeld. Der junge Engländer agierte dabei deutlich offensiver als Can, vor allem im eigenen Ballbesitz, schaltete sich immer wieder in die Angriffsbemühungen ein und suchte selbst viele Läufe in die Tiefe.

BVB-Youngster Bellingham ist gegen Leverkusen defensiv gefordert

In Leverkusen werden dagegen vermutlich vermehrt Defensivaufgaben auf Bellingham warten. Bayer agiert zumeist mit zwei offensiven zentralen Mittelfeldspielern, die es zu bremsen und kontrollieren gilt. Der junge Florian Wirtz und Nationalspieler Nadiem Amiri sind die erste Wahl vom ehemaligen BVB-Trainer Peter Bosz für diese Positionen, aber auch der genesene Kapitän Charles Aranguiz oder Kerem Demirbay können dort spielen.

Insofern gilt das Duo Delaney/Bellingham seit Cans fünfter Gelber Karte als das wahrscheinlichste vor der Abwehr für das wichtige Spiel in Leverkusen am Dienstagabend. Mahmoud Dahoud spielte unter Terzic bislang in sechs Partien noch keine Minute, zuletzt stand er zweimal gar nicht im Kader. Sein Einsatz von Beginn an ist nahezu ausgeschlossen. Julian Brandt, der als offensive Option unter Lucien Favre ebenfalls schon auf der Sechserposition gespielt hat, wird vermutlich erneut auf dem Flügel benötigt, weil Giovanni Reynas Einsatz wegen einer hartnäckigen Erkältung wackelt. Zudem ist es unwahrscheinlich, wenn auch nicht gänzlich ausgeschlossen, dass sich Terzic ausgerechnet in Leverkusen erstmals dafür entscheidet, mit Brandt auf der Sechserposition neben Delaney einen maximal offensiven Ansatz zu wählen.

Borussia Dortmund muss das Mittelfeldzentrum gegen Bayer 04 Leverkusen umbauen

So oder so wird Terzic sein Mittelfeldzentrum gegen Bayer umbauen müssen, was für den 38-Jährigen allerdings nichts Neues ist. In seinen bisherigen sechs Pflichtspielen als Dortmunder Cheftrainer ließ er das Mittelfeldzentrum nur einmal unverändert. Gegen Wolfsburg (2:0) und in Leipzig (3:1) zu Beginn des Jahres standen jeweils Thomas Delaney und Axel Witsel in der Startelf, die in Leipzig jedoch nur 30 Minuten Bestand hatte, weil Witsel verletzt raus musste. Und einmal setzte Terzic auch schon auf das Duo Delaney/Bellingham, nämlich in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Eintracht Braunschweig kurz vor Weihnachten. Endergebnis damals: 2:0 für den BVB. Dagegen hätte auch am Dienstagabend niemand im schwarzgelben Lager etwas einzuwenden. Der Weg dorthin ist allerdings als ungleich steiniger einzustufen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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