Castro: "Es gibt keine Stammspieler"

BVB-Spieler über die Rückrunde

Nach einem schwierigen Start hat sich Gonzalo Castro beim BVB immer besser zurecht gefunden. Zuletzt gab es immer wieder Stimmen, die ihn gar bei der EM im Nationalmannschaftstrikot sehen wollen. Im Mediengespräch verrät Castro, was er selbst davon hält.

DUBAI

, 11.01.2016 / Lesedauer: 4 min
Castro: "Es gibt keine Stammspieler"

Gonzalo Castro beim Mediengespräch in Dubai.

Gonzalo Castro über …

… seinen schwierigen Start in Dortmund:

„Ich hatte schon viel schlimmere Phasen in meiner Karriere. Deshalb bin ich auch sehr ruhig geblieben. Der Trainer hat mir immer das Vertrauen gegeben. Letztendlich war es der richtige Schritt für mich, nach Dortmund zu gehen. Natürlich war die Zeit am Anfang nicht schön. Aber ich habe den Wechsel mit Überzeugung gemacht. Deshalb gab es nie den Gedanken, wieder wegzugehen. Aus solchen Phasen lernt man.“

 

…  Karriere-Rückschläge:

„Als Michael Skibbe nach Leverkusen kam, war ich damals 18 Jahre alt. Ich galt als Shootingstar der Liga, musste aber nach einem Dreivierteljahr wieder zur zweiten Mannschaft und dort spielen. In jungen Jahren ist es schwieriger, so etwas zu verarbeiten, als mit ein paar Jahren Erfahrung.“

 

… die Probleme, die zum Stotterstart führten:

„Ein Hauptgrund war, dass ich meine Mitspieler vorher nur menschlich, aber nicht fußballerisch kannte. Natürlich hat auch das System eine Rolle gespielt. Das ist ganz anders als das in Leverkusen. Auch vom Kopf her musste ich mich umgewöhnen. Da ich auch nicht der Typ bin, der sofort auf jeden offen zugeht, hat es vielleicht etwas länger gedauert, bis ich mich zurecht gefunden habe. Aber im Endeffekt ging es ja doch relativ schnell.“

 

… die Erwartungen vor seinem Wechsel zum BVB :

„Es hat sich alles bestätigt, was mir vorher über den Klub erzählt wurde. Ich wohne seit vier Monaten in Dortmund, deshalb merke ich auch im Alltag, dass überall BVB-Aufkleber sind oder Fahnen im Garten stehen. Das kannte ich so aus Leverkusen nicht. Da war alles eine Nummer kleiner. Aber auch in Dortmund kann ich noch entspannt über die Straße gehen, ich bin ja nicht Michael Jackson. (lacht) Wenn mal jemand auf mich zukommt, finde ich das auch überhaupt nicht schlimm.“

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… seine Rolle als „Neuer“ beim BVB:

„Ich werde akzeptiert. Natürlich laufen hier Weltmeister, Meister und Pokalsieger herum. Ein paar mehr als in Leverkusen. Aber ich habe durch meine Bundesliga-Spiele und mein Alter trotzdem die Möglichkeit, den jüngeren Spielern zu helfen.“

 

… sein Naturell:

„Ich bin keiner, der über die Medien etwas herausposaunt. Ich weiß, was das für ein Echo geben kann. Diese Erfahrung habe ich zweimal unabsichtlich gemacht. Das reicht.“

 

… die Nationalmannschaft:

„Mir wurde schon oft die Frage gestellt, warum ich nicht mehr Länderspiele gemacht habe in meiner Karriere. (lacht) Im Leben kommt es leider nicht immer so, wie man es sich wünscht. Ich habe sicherlich auch ein paar Fehler gemacht. Aber seit ein paar Jahren spiele ich auf einem guten Niveau. Natürlich ist die Nationalmannschaft weiter ein Ziel. Wenn es kommt, dann kommt es. Ich kann auch ohne gut weiterleben.“

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… die Gründe für seine Nicht-Berücksichtigung:

„Das müssen Sie den Bundestrainer fragen. Ich habe Woche für Woche versucht, mit guten Leistungen Argumente zu sammeln. Ich glaube, das ist mir jahrelang auch gelungen, sonst wäre ich jetzt nicht in Dortmund. Wenn der Bundestrainer sich für andere entscheidet, akzeptiere ich das. Wenn er aber anrufen sollte, bin ich gerne bereit, zu kommen.“

 

… seine Hoffnung auf eine EM-Teilnahme:

„Es liegt an mir. Wenn die Leistung stimmt und ich bin zum Sommer alles gegeben habe, dann kann ich mir nichts vorwerfen. Wenn ich dann den Anruf bekomme, freue ich mich. Aber ich mache mir darüber keine großen Gedanken.“

 

… ein mögliches Ausweichen auf die Außenverteidiger-Position:

„Das haben wir in Odds ja gesehen, wie gut ich als Außenverteidiger bin. (lacht) Es entspricht nicht meinem Naturell, die Position zu wechseln, nur um dadurch dann in der Nationalmannschaft zu spielen. Das habe ich schon vor ein paar Jahren gesagt. Dazu bin ich zu stolz, ich spiele auch zu gerne im Mittelfeld.

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… die Krux seiner Vielseitigkeit:

„In jungen Jahren war es ein Vorteil, weil man so Spielanteile bekommt. Aber mit der Zeit entwickelt man sein eigenes Spiel. Wenn man dann von Seite zu Seite, von Position zu Position wechselt, dann ist es schwer, für sich ein Spiel zu finden. Deshalb habe ich irgendwann gesagt, dass ich das nicht mehr will. Ich will den Ball, im Mittelfeld ist mehr los.“

 

… seine neue offensive Ausrichtung:

„Es macht mir beides Spaß: Achter und offensiver. Vorne kann man mehr Tore schießen. Mir liegt aber beides.“

 

 … seine Aussichten auf einen Platz in der Startelf:

„Wir haben gesehen, dass jeder gebraucht wird bei uns. Wir haben einen sehr schlanken Kader. Jeder muss auf sich achten. Nach dem Hertha-Spiel haben wir neun Spiele in Serie – ohne Pause. Ich glaube, dass ich gute Leistungen gebracht habe. Aber es gibt keine Stammspieler.“

 

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