Dämpfer gegen Rotterdam: Diskussionen um BVB-System neu entfacht

rnBorussia Dortmund

Der BVB zeigt beim Turnier in Duisburg zwei Gesichter. Lucien Favre bereitet weiter die Rückkehr zur Viererkette vor - die Diskussion darüber wird nach dem 1:3 gegen Rotterdam neu entfacht.

Duisburg

, 22.08.2020, 19:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Aussagekraft von Testspielen lässt sich in einer langen Vorbereitung, in der Trainer in der Belastungssteuerung selten Rücksicht auf diese Partien nehmen, nur schwer bemessen. Klare Siege geben keinen Anlass zu verfrühter Euphorie, Niederlagen lassen sich mit dem Verweis auf den Vorbereitungsstand leichter verschmerzen.

Feynoord Rotterdam zeigt dem BVB die Grenzen auf

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Borussia Dortmund hat am Samstag beim Kurzturnier des MSV Duisburg Beispiele für beide Extreme geliefert. Mit 5:1 besiegte die Borussia in ihrer ersten Partie den Gastgeber. Der MSV führte in der abgelaufenen Saison lange Zeit die Tabelle der 3. Liga an, war aber für den BVB ebenso wenig ein wirklicher Gradmesser wie der SCR Altach und Austria Wien während des Trainingslagers in der Schweiz.

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Feynoord Rotterdam im zweiten Spiel war da schon ein anderes Kaliber. Die Niederländer, die sich für die Europa League qualifiziert haben, ließen beim 3:1 sogar noch ein höheres Ergebnis aus und deckten auf, dass längst nicht alles Gold ist, was bei Borussia Dortmund bislang glänzte.

BVB-Trainer Favre liebäugelt mit der Rückkehr zur Viererkette

Nach vier von bislang sechs vorgesehenen Tests der Vorbereitung kristallisiert sich heraus, dass Favre, der ohnehin ein Verfechter dieses Systems ist, intensiv mit einer Rückkehr zur Viererkette liebäugelt. In allen vier bislang gespielten Partien stellte er sein Team in dieser taktischen Formation auf. Gegen Duisburg kam Abwehrchef Mats Hummels erstmals zu Praxisminuten, er bildete in der ersten Hälfte der auf 2x30 Minuten angesetzten Partie mit Manuel Akanji das Innenverteidiger-Duo. Ernsthaft gefordert wurde die Kette in diesem Spiel nicht.

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Favre, der nach den beiden Tests am Samstag die Notwendigkeit von „zwei guten Mannschaften“, die er momentan „noch nicht“ habe, erneut öffentlich thematisierte, dürfte dann gegen Rotterdam mit Unbehagen gesehen haben, dass seine „zweite Garnitur“ gerade im Abwehrbereich diesem Anspruch nicht gerecht wurde.

Schwache BVB-Defensive mit Piszczek und Can

Lukasz Piszczek und Emre Can als Innenverteidiger in der Kette hingen nicht nur beim 0:1 kräftig mit drin, als ein Steilpass die zu weit aufgerückt und zu weit auseinander stehende Defensive des BVB aushebelte. Diese BVB-Formation, der zwar einige unerfahrene Youngster angehörten, in der aber mit Can, Piszczek, Axel Witsel, Julian Brandt und Erling Haaland durchaus gestandene Bundesliga-Spieler standen, ergab sich lange Zeit in ihr Schicksal, ließ sich vom robusten Zweikampfverhalten Feynoords den Schneid abkaufen und ließ Mumm und Spritzigkeit ebenso vermissen wie konsequentes Arbeiten gegen den Ball. Die Löcher in der Kette hätte Feynoord deutlicher bestrafen können. Die bei einigen Dortmundern unübersehbare Müdigkeit nach vier Trainingseinheiten in den zwei Tagen vor dem Turnier reichte nicht für eine General-Absolution.

Fehlende Stabilität im Defensiv- und Rückzugsverhalten war im Spätherbst 2019 der Grund für die Abkehr von der Viererkette, die Probleme waren gegen Feynoord erneut erkennbar. Und dass ein Raphael Guerreiro, der in der Schweiz aus seiner persönlichen Vorliebe für ein System mit Dreierkette keinen Hehl gemacht hat, relativ lustlos auf der linken Abwehrseite agierte, zeigte, dass noch viel Trainings- und Überzeugungsarbeit vor Favre liegen dürfte. Guerreiro spielte allerdings auch nicht besser, als Favre in den zweiten 30 Minuten gegen Rotterdam die Abwehr umkrempelte und den Portugiesen weiter nach vorn beorderte.

Duman und Knauff sind die BVB-Lichtblicke in Duisburg

Lichtblicke an einem Tag, der nach einer bislang reibungslos verlaufenen Vorbereitung einen ersten kleinen Dämpfer brachte, waren zwei beherzt aufspielende Youngster. Taylan Duman hatte schon in der Schweiz auf sich aufmerksam gemacht und bestätigte die bisherigen guten Eindrücke. Ihn, erklärte Sportdirektor Michael Zorc, wolle man „weiter beobachten“ in den verbleibenden Wochen bis zum Saisonstart. Ansgar Knauff aus der U19 traf gegen den MSV doppelt und bereitete nach seiner Einwechslung gegen Rotterdam den Ehrentreffer von Axel Witsel sehenswert vor. Müde wirkte zumindest er nicht.

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Favre versuchte die schwache Leistung gegen die Niederländer mit dem Verweis auf die laufende Vorbereitung zu relativieren. „Zwei, drei Spieler“, gab er zu, seien allerdings „abwesend“ gewesen. Das traf in erster Linie auch auf Erling Haaland zu, der gegen Rotterdam zum Einsatz kam und an dem die Partie komplett vorbei lief. Es passte ins Bild, dass der Norweger ganz am Ende auch noch einen Foulelfmeter verschoss.

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