Darum hofft Julian Brandt beim BVB auf einen Platz im zentralen Mittelfeld

rnBVB-Neuzugang

Julian Brandt spricht über seine ersten Eindrücke beim BVB. Er sagt, er spüre die „große individuelle Klasse“ – und verrät, auf welcher Position er spielen würde, wenn er einen Wunsch frei hätte.

Dortmund

, 24.07.2019 / Lesedauer: 5 min

Es war ein kurzer Augenblick, der erkennen ließ, warum sich Borussia Dortmund Ende Mai so sehr über die Verpflichtung von Julian Brandt freute, dass der Klub kurzerhand ein Video in die Welt setzte, in dem der Nationalspieler ein Glas Wasser auf ex trank. „Wir haben Brandt“, so lautete die Botschaft, die der BVB um den Globus schickte. Durst wie Brand, Brand wie Brandt. Irgendwie so halt.

Brandt mit sehenswerter Vorarbeit im Testspiel gegen Liverpool

Lieber zurück zu diesem einen Augenblick. Beim 3:2-Sieg des BVB im Testspiel gegen den FC Liverpool am vergangenen Samstag deutscher Zeit nämlich deutete Brandt schon einmal an, dass er auf dem Fußballplatz besondere Dinge machen kann. Es war Minute drei, der BVB hatte Einwurf, als Brandt in den Liverpooler Strafraum sprintete, Lukas Piszczek ihm den Ball zuwarf und Brandt den Ball aus vollem Lauf und fast von der Grundlinie aus volley so scharf vors Tor flankte, dass Giovanni Reyna und Paco Alcacer in der Mitte eigentlich gar nicht anders konnten, als das frühe 1:0 zu markieren.

Darum hofft Julian Brandt beim BVB auf einen Platz im zentralen Mittelfeld

Julian Brandt spielte beim Testspiel gegen Liverpool in South Bend im offensiven Zentrum. Viele Angriffe liefen dabei in den ersten 45 Minuten über den 23-Jährigen. © imago

Für Brandt war das durchaus ein wichtiges Erfolgserlebnis. Alles muss schnell gehen, die Erwartungshaltung in Dortmund ist groß. Bei den Fans, aber auch bei ihm selbst. Es geht ums Kennenlernen, ums Ankommen, ums Hinterlassen eines guten ersten Eindrucks, der so wichtig ist für einen erfolgreichen Start beim neuen Klub.

Große Erwartungshaltung bei Julian Brandt

Dabei ist die Situation für ihn tatsächlich ungewohnt und neu, denn für Brandt ist es der erste große Vereinswechsel als Bundesliga-Spieler. Damals, im Winter 2014, als er aus der Jugend des VfL Wolfsburg zu Bayer Leverkusen wechselte, hatte er keine einzige Minute in der Beletage des deutschen Fußballs auf dem Konto. Er bekam die nötige Zeit um anzukommen, er war 17 Jahre alt, unter dem Brennglas der Öffentlichkeit kickten andere.

Video
BVB-Sightseeing mit Brandt und Bruun Larsen

Das ist jetzt anders. Brandt muss und will direkt liefern. Borussia Dortmund hat ihn für 25 Millionen Euro aus seinem Vertrag bei Bayer Leverkusen herausgekauft – und das Verrückte ist, dass eigentlich jeder in der Fußballbranche diese festgeschriebene Ablösesumme als Schnäppchen einstuft. Das liegt vor allem daran, dass Brandt in der vergangenen Rückrunde bei Bayer Leverkusen überragt hat. Sechs Tore und elf Vorlagen: Der gebürtige Bremer hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Werkself noch bis in die Champions League stürmte.

Das sagt Julian Brandt über seine ersten Wochen beim BVB

Nun läuft die Eingewöhnung in Dortmund, und sie geht voran. „Das Gute ist, dass ich viele Jungs aus der Mannschaft schon kenne“, sagt der 23-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion, „es war nicht wirklich schwierig für mich, schnell anzukommen in der Truppe.“ Mit dem Rest, den er noch nicht kannte, habe er sich „schnell bekannt gemacht“. Auf menschlicher Ebene mache es ihm die Mannschaft sehr einfach. „Und fußballerisch glaube ich, dass ich gut in die Spielphilosophie des BVB reinpasse. Natürlich fehlt’s noch an der Feinabstimmung, das ist ja klar. Auf dem Platz muss ich die Jungs noch besser kennenlernen, aber das wird kommen.“

Darum hofft Julian Brandt beim BVB auf einen Platz im zentralen Mittelfeld

Der erste Einsatz in Schwarz und ... nunja ... Schwarz: Julian Brandt während des Testspiels gegen die Seattle Sounders. © imago

Auch die USA-Reise sei eine „gute Sache“ gewesen, sagt Brandt. „Man lernt sich einfach schneller und besser kennen, wenn man so viel Zeit miteinander verbringt.“ Deshalb freue er sich auch auf das Trainingslager in Bad Ragaz, das der BVB vom 27. Juli bis zum 2. August in der Schweiz bezieht. „Das wird noch einmal helfen – und da wird ja dann auch noch intensiver trainiert werden, weil nach Amerika nur noch das Sportliche zählt.“

Wie plant Lucien Favre mit Julian Brandt?

Für Brandt, der sich in seinen beiden Testspieleinsätzen in den USA einmal auf dem Flügel und einmal im Mittelfeldzentrum präsentieren durfte, könnte sich dann auch herauskristallisieren, welche Position BVB-Trainer Lucien Favre für ihn vorgesehen hat, der bislang nur zu Protokoll gegeben hat, dass Brandt auf der Seite, aber auch im Zentrum „gut spielen“ kann. Es hänge vom System ab.

Im 4-2-3-1-System dürfte für Brandt vermutlich nur der Platz auf der Außenbahn bleiben, weil Marco Reus in der Mitte gesetzt ist, im 4-1-4-1 beziehungsweise im 4-3-3 könnte auf den zwei offensiven Achterpositionen ein Platz neben Reus für ihn frei sein.

Julian Brandt will das Gespräch mit Lucien Favre abwarten

„Der Trainer hat noch nicht im Detail mit mir gesprochen, wo er mich sieht“, sagt der Mann, der es in seinem jungen Alter schon auf stolze 165 Bundesliga-Spiele bringt, „das habe ich so früh in der Vorbereitung aber auch nicht erwartet.“ Der Trainer probiere gerade unterschiedliche Systeme aus, da sei es nicht so entscheidend, auf welcher Position er spiele. „Das Gespräch mit dem Trainer wird sicherlich noch kommen, aber dafür haben wir noch genug Zeit.“

„Wenn man mich fragen würde und ich dürfte mich frei entscheiden, dann würde ich sagen, dass es für mich im Zentrum besser ist.“
Julian Brandt

Grundsätzlich, daraus macht Brandt keinen Hehl, spiele er sehr gerne im Mittelfeldzentrum, auch wenn das am Ende natürlich der Trainer entscheide, der abwägen müsse, „wie viel Risiko er gehen möchte“. Er spiele auch gerne links, aber aufgrund der erfolgreichen Rückrunde in Leverkusen sei die Mitte sein Favorit. „Ich bin voll drin auf dieser Position, habe viel Selbstvertrauen. Wenn man mich fragen würde und ich dürfte mich frei entscheiden, dann würde ich sagen, dass es für mich im Zentrum besser ist. Aber wie gesagt, das entscheidet natürlich der Trainer.“

Brandt: „Spüre die große individuelle Klasse“

Brandt sagt, was er denkt, aber er sagt es nicht ohne Demut in der Stimme. Er betrachtet den Schritt von Leverkusen nach Dortmund als klaren Schritt nach vorne und er weiß sehr wohl, dass die Stammplätze beim BVB nicht einfach wie reife Birnen vom Baum fallen. „Ich spüre hier in jedem Training und in jedem Spiel die große individuelle Klasse meiner Mitspieler, ohne dass ich Bayer Leverkusen jetzt in irgendeiner Form schlechtreden möchte.“

Auch die Breite des Kaders sei nochmal eine andere als unterm Bayer-Kreuz. „Und deswegen glaube ich schon, dass es von der Qualität noch einmal eine Steigerung ist, dass ich jetzt bei Borussia Dortmund spiele.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt