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Die Schufterei des BVB in der Schweiz hat ein Ende. Von nun an arbeiten die Dortmunder Profis in der Heimat am finalen Feinschliff für die neue Saison. Die Erkenntnisse aus Bad Ragaz.

Bad Ragaz

, 08.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Wenn Lucien Favre über Fußball spricht, dann spürt und sieht man, wie sehr er in seinem Element ist. Im Gespräch mit Journalisten gestikuliert er nicht einfach, er zeigt den Fragestellern wie ein Fußballlehrer auf dem Platz auf, wie seine Spieler sich zu verhalten haben. Beim Stellungsspiel macht Favre das gerne. Oder beim Thema Körperhaltung.

Wenn er über Taktik spricht, über die richtige Feinabstimmung auf dem Platz, wirkt er wie ein Sternekoch, der nach dem entscheidenden Gewürz sucht, das sein Rezept vollendet. Bis zum ersten Pflichtspiel am 20. August in Fürth wird Favre versuchen, sein BVB-Rezept weiter zu verfeinern. Es ist noch nicht alles richtig abgeschmeckt, das hat das Trainingslager in Bad Ragaz gezeigt.


Wie läuft die BVB-Vorbereitung auf die neue Saison?

Das Echo ist positiv. Lucien Favre hat „viele positive Dinge“ gesehen, wie er sagt. Besonders positiv ist, dass sich bislang kein Spieler verletzt hat. Das BVB-Lazarett ist so leer gefegt wie Freibäder im Januar. Julian Weigl ist auf dem Weg zurück ins Teamtraining, auch Raphael Guerreiro, den Favre in Bad Ragaz im Mittelfeld einsetzte, trainiert wieder mit der Mannschaft.


Wie fällt das Fazit zum Trainingslager aus?

Es war anstrengend, so viel steht fest. Der BVB trainierte deutlich häufiger und intensiver als im Vorjahr unter Peter Bosz. Torhüter Roman Bürki sagt: „Es war eine gute Woche. Die Testspiele waren okay. Am Ende hat man auch die Müdigkeit gemerkt. Bis auf Samstag haben wir immer zweimal trainiert. Die Bedingungen waren top, und die Stimmung war überragend.“


Was sind die Baustellen des BVB?

Defensiv ist Borussia Dortmund noch zu anfällig, im Spiel nach vorne gibt es noch zu viele einfache Ballverluste. „Wir brauchen Geduld, wenn wir angreifen, damit wir nicht so konteranfällig sind und weniger Ballverluste haben. Wir dürfen nicht überhastet spielen und viele Bälle für nichts verlieren“, findet Favre. Und Bürki meint: „Wir müssen ein gutes Gleichgewicht finden zwischen Risiko und Sicherheit.“

Das sind die Dortmunder Erkenntnisse aus Bad Ragaz

Axel Witsel wird noch zwei bis drei Wochen benötigen, um sein Top-Niveau zu erreichen. © Inderlied/Kirchner

Wie weit ist BVB-Neuzugang Axel Witsel?

Der belgische Nationalspieler muss nach seinem Urlaub noch Trainingsrückstand aufholen. „Mal sehen, wie lange ich brauche, um mein Toplevel zu erreichen“, sagt Witsel. Er habe zwar anderthalb Jahre in China gespielt, aber er habe bei der WM gezeigt, dass er auf höchstem Niveau spielen kann, meint der 29-Jährige. Er wolle seine Erfahrung einbringen und ein Anführer sein. „Unser Team ist jung, aber sehr talentiert.“ Sein neuer Trainer ist jedenfalls ein Fan von ihm. „Er ist ein erfahrener Spieler. Er spielt auf der Sechs oder auf der Acht - und er ist ein sehr guter Spieler. Er ist taktisch gut, defensiv gut, er ist sehr ballsicher“, lobt Favre.


Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer des Trainingslagers? Spätestens in den zwei Testspielen am Dienstag wurde ziemlich deutlich, dass es für ein paar Spieler in puncto Perspektive nicht besonders rosig gestellt ist. Sebastian Rode, Alexander Isak und Jeremy Toljan dürfen sich nur sehr geringe Hoffnungen auf Einsatzzeiten machen. Für die jungen Dzenis Burnic und Sergio Gomez wird es aufgrund des großen Konkurrenzdrucks ebenfalls sehr schwierig werden, auf Spielzeit zu kommen. Der 19-jährige Jacob Bruun Larsen dagegen hat nach seinen guten Auftritten in den USA in der Schweiz ein dickes Ausrufezeichen hinter seine Ambitionen gesetzt. Auch die Neuzugänge Thomas Delaney und Abdou Diallo deuteten in Bad Ragaz an, dass sie die erhofften Verstärkungen sein können.

Das sind die Dortmunder Erkenntnisse aus Bad Ragaz

Wird es schwer haben, auf Spielzeit beim BVB zu kommen: Sebastian Rode. © Inderlied/Kirchner

Was macht die Kaderplanung des BVB?

Ein Stürmer soll nach Möglichkeit noch kommen. Allerdings hat Michael Zorc in der Schweiz noch einmal betont, dass der BVB keinen verrückten Transfer tätigen wird. „Internationale Topstürmer, da muss man ehrlich sein, sind für Borussia Dortmund zurzeit fast unmöglich zu realisieren“, sagt der Sportdirektor, „wir haben in diesem Jahr schon deutlich mehr Geld ausgegeben als eingenommen.“ Trotzdem hoffen die BVB-Bosse, dass sich vielleicht noch eine Möglichkeit ergibt, wenn in England ab Donnerstagabend (18 Uhr) das Transferfenster geschlossen ist und sich der Transfermarkt etwas beruhigt. Ansonsten gilt: Aktuell umfasst der Kader 29 Spieler - und ist damit noch zu groß. Zwei bis drei Spieler sollen noch gehen.

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