Drei Testspiele, zahlreiche Trainingseinheiten: Der BVB hat sich in Marbella intensiv auf die Rückrunde vorbereitet. Neben vielen positiven Aspekten gibt es auch Sorgenkinder. Unser Fazit.

Marbella

, 12.01.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Trainingsbedingungen: „Das Trainingsgelände und die Rahmenbedingungen waren top“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Rasen, Ausstattung, Hotel, das milde Klima und viel Sonnenschein sorgten für perfekte Voraussetzungen und gute Laune. „Wir haben sehr gut gearbeitet“, befand Trainer Lucien Favre. „Das war ein sehr gutes Trainingslager.“

Anzeige



Einheiten: Favre und sein Team stellten hohe Anforderungen an die Profis. Bei großen Trainingsumfängen war viel Intensität gefordert. Der erste Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde im konditionellen und fußballerischen Bereich sollte gelegt sein, auch Disziplin und Konzentration stimmten.

Systematisch steigerten die Spieler in den Übungen das spezifische Programm von einfachen Passübungen bis hin zu komplexem Spielaufbau. „Wir haben auf engem Raum begonnen und das gesteigert, aber bis auf die Testspiele noch nicht auf die ganze Distanz auf dem Feld“, erklärte Favre. Kleine Wettkämpfe und „Bestrafungen“ zum Beispiel in Form von Huckepack-Rennen brachten Stimmung und Gelächter.


Personal: Es gab keine neuen Verletzten in Marbella, das ist ein positiver Aspekt. Leider konnten nicht alle Akteure alle Einheiten und Spiele bestreiten. „Das war nicht ganz ideal“, resümierte Zorc.

Unglücklich gelaufen ist das Trainingslager für Marco Reus. Wegen eines Infekts, den er sich womöglich im Urlaub zuvor eingefangen hatte, musste er vier Tage komplett pausieren. Am Freitag konnte er wieder ein leichtes individuelles Übungsprogramm aufnehmen.

Das sind die Erkenntnisse des BVB-Trainingslagers in Marbella

Wie lange der BVB auf Manuel Akanji verzichten muss, wird sich spätestens in der kommenden Woche klären. © dpa

Bei Manuel Akanji ist nach den ersten Untersuchungen noch keine Entscheidung gefallen, wie seine Hüftprobleme am besten auskuriert werden können. Ohne Testspieleinsatz blieben auch Paco Alcacer und Dan-Axel Zagadou, für sie wird es ein Wettlauf gegen die Zeit bis zum schweren Rückrundenauftakt bei RB Leipzig am nächsten Samstag (18.30 Uhr). Vor allem Alcacers zeitweiliger Ausfall ist bedauerlich, er konnte seinen Fitness-Rückstand nicht aufholen.

Abdou Diallo und Thomas Delaney konnten nur für 45 Minuten gegen Willem II auf den Platz. Mario Götze musste nach einem Schlag auf den Fuß in der Halbzeit des Rotterdam-Spiels in der Kabine bleiben.


Taktik: Unter anderem wegen des Ausfalls von Akanji und der Blessuren, die Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou noch ausheilen lassen mussten, blieb Favre keine Wahl: Die Vorbereitung musste ohne das Einstudieren weiterer Abwehrsysteme wie einer Dreierkette vonstattengehen. Hier wäre der Trainer sicherlich lieber einen Schritt vorangekommen. In den drei Testspielen blieb es bei der Viererkette sowohl im 4-2-3-1 bei Ballbesitz als auch stellenweise im 4-4-2 bei gegnerischen Angriffen.


Konterabsicherung: Ein Augenmerk wird in den verbleibenden Trainingstagen bis zum Rückrundenstart sicher auf der Absicherung der eigenen Angriffe liegen. In allen Testspielen ergaben sich Spielsituationen, in denen es der BVB dem Gegner zu leicht machte, vor das Tor zu kommen. Schwerpunkt in der Vorbereitung bleibe jedoch immer „das Spiel mit dem Ball“, da weicht Favre nicht von seinem Credo ab.


Überraschungen: Durch die schwierige Personallage in der Innenverteidigung musste Julian Weigl, sonst im defensiven Mittelfeld zuhause, permanent in der Deckung aushelfen. „Er hat das schon gegen Gladbach sehr gut gemacht“, sagte Zorc, nach dem 2:1 gegen Feyenoord Rotterdam bestätigte Favre dieses Urteil. Zum Rückrundenstart in Leipzig sollte die Zeit zum Formaufbau auch für Diallo und vielleicht sogar für Zagadou reichen. Der fitte Ömer Toprak hinterließ einen guten Eindruck.

Das sind die Erkenntnisse des BVB-Trainingslagers in Marbella

Zwei Spiele, drei Tore: Maximilian Philipp (l.). © Inderlied/Kirchner

Nach einer für ihn persönlich enttäuschenden Hinrunde machte auch Maximilian Philipp auf sich aufmerksam, oft in ungewohnter Rolle als zentraler offensiver Mittelfeldspieler. Drei Tore in den Testspielen geben Auftrieb.


Außenseiter: Die drei Nachwuchskräfte Amos Pieper, Julian Schwermann und Tobias Raschl hängten sich ordentlich rein, ohne sich groß in den Vordergrund rücken zu können. Spieler wie Sergio Gomez und Dzenis Burnic bekamen nur wenige Spielminuten in den Tests. Alexander Isak zeigte einige gute Ansätze. Jeremy Toljan präsentierte sich im Training und in den Spielen sowohl als Außen- wie auch aushilfsweise als Innenverteidiger ordentlich.


Ausblick: „Wir haben jetzt noch eine Woche Zeit für den Feinschliff“, betonte Zorc. Die wird der BVB auch benötigen bis zum Leipzig-Spiel. „Die Ausgangssituation ist nicht so verkehrt“, sagte Mario Götze, schließlich verfügt der Herbstmeister über sechs Punkte Vorsprung auf den FC Bayern München. „Aber wir wissen, dass wir vor einer großen Herausforderung stehen. Für uns wird es keine Partie mehr geben, die nicht wichtig ist.“

Zorc nimmt die Spieler in die Pflicht, sich nicht blenden zu lassen. „Du guckst auf die Tabelle, Weihnachten kommt, dann Neujahr, du bist irgendwo im Urlaub und viele klopfen dir auf die Schulter“, sagte er. Die Zügel müssten jetzt wieder angezogen werden, wenn es zurück in die Wettbewerbe ginge. „Die Gier im positiven Sinne, die Gier auf Erfolg, die müssen wir uns weiter erhalten.“

Lesen Sie jetzt