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Dauerfehde mit den BVB-Fans: Warum Dietmar Hopp das Fußballlager spaltet

Borusssia Dortmund

Die Dauerfehde zwischen den BVB-Fans und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp begann 2008. Daraus wurde ein Lagerkampf, der den Fußball seit Samstag mehr denn je spaltet.

Sinsheim/Dortmund

von dpa

, 01.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Spätestens seit Samstag das Symbol eines Machtkampfs im deutschen Fußball: Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp (l.).

Spätestens seit Samstag das Symbol eines Machtkampfs im deutschen Fußball: Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp (l.). © imago / Revierfoto

Dietmar Hopp saß schon lange nicht mehr auf der Ehrentribüne, er stand neben Karl-Heinz-Rummenigge an der Seitenlinie - im Regen. Allein gelassen brauchte sich der 79-Jährige in seiner schwersten Stunde als Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim nicht fühlen. „Dietmar Hopp! Dietmar Hopp!“-Rufe hallten durch das Stadion in Sinsheim. Und nach dem Fan-Eklat im Spiel gegen den FC Bayern mit den Hass-Plakaten gegen Hopp erhielt der Milliardär Zuspruch von vielen Seiten.

Dietmar Hopp als Symbol eines Machtkampfs im deutschen Fußball

Von einer Hassfigur der Ultra-Szene ist er spätestens am Samstag zum Symbol eines Machtkampfs im deutschen Fußball geworden. Warum nur? „Herr Hopp hat viel Vermögen verdient, ja, durch harte Arbeit. Aber er gibt das ganze Vermögen für Sport, für soziale Projekte, für Medizin aus, und dafür wird man an den Pranger gestellt in diesem Land?“, klagte DFB-Präsident Fritz Keller am Samstag im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. „Wo sind wir hingekommen in diesem Land? Was soll das? Das geht nicht mehr, wir müssen ein Zeichen setzen gegen Hass und gegen Neid in dieser Gesellschaft.“

DFB-Kontrollausschuss ermittelt
Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes wird nach den Beleidigungen gegen Dietmar Hopp ein Ermittlungsverfahren einleiten. Dies werde Anfang der Woche geschehen, bestätigte Verband.

Hopp selbst äußerte am Tag nach diesem denkwürdigen Bundesliga-Samstag gegenüber „Sport1“: „Warum soll ich nicht mehr in mein Stadion gehen? Die Personen, die das anrichten, müssen dann halt weg bleiben. Ich warte jetzt gespannt ab, wie das jetzt alles ins Rollen kommt.“ Warum der Milliardär immer wieder als Zielscheibe auserkoren wird, ist ihm selbst ein Rätsel. „Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, dann würde es mir alles leichter fallen, das zu verstehen“, sagte der 79-Jährige. „Ich kann mir nicht erklären, warum die mich so anfeinden. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten.“

Hopp-Dauerfehde mit BVB-Fans seit 2008

Das erste Plakat mit Hopp im Fadenkreuz tauchte bereits 2008 auf und war der Beginn einer Dauerfehde zwischen den Fans von Borussia Dortmund und Hopp. Daraus wurde ein Lagerkampf, der den Fußball mehr denn je spaltet. Freiburg-Trainer Christian Streich und Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc positionierten sich am Samstagabend mit deutlichen Worten.

Unabhängig von Finanzgeflechten bei den eigenen Vereinen sagt ein harter Kern der Fans: Hopp hat den Erfolg gekauft. Mit seinem Geld hat der einstige SAP-Mitbegründer - dem US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zufolge derzeit mit einem Vermögen von 10,2 Milliarden Dollar (ca. 9,2 Milliarden Euro) auf Platz 15 der reichsten Deutschen - den Dorfklub Hoffenheim zu einem Bundesligisten gemacht.

Von einem klassischen Investor unterscheidet sich Hopp dennoch: Der gebürtige Heidelberger kickte einst selbst bei der TSG, der Klub ist ihm eine Herzensangelegenheit. Dank hoher Transfereinnahmen ist Hoffenheim seit einigen Jahren von Hopp finanziell unabhängig. Eine Zeit lang drängten die Proteste gegen die Emporkömmlinge von RB Leipzig die Causa Hopp/Hoffenheim in den Hintergrund. Nach dem DFB-Urteil mit einer zweijährigen Stadion-Sperre gegen die Wiederholungstäter aus dem Fanlager des BVB vor zehn Tagen ist die Auseinandersetzung wieder neu entflammt. Hopp geht schon länger auch zivilrechtlich gegen Fans vor, die ihn beleidigen.

Fans bastelten Plakate im Block
Die Schmähplakate von Bayern-Fans gegen Dietmar Hopp sind offenbar während des Spiels im zusammengestellt worden. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Polizeikreisen. Die Gäste-Fans hatten dort zuvor eine Choreographie zum 120. Vereinsjubiläum gezeigt.

Bayern-Trainer Hansi Flick kennt Hopp wie kaum jemand in der Liga: Der frühere Co-Trainer von Joachim Löw trainierte die Hoffenheimer vor dem furiosen Durchmarsch ins Oberhaus. Er wohnte immer im benachbarten Bammental und war vor zwei Jahren für kurze Zeit einer der Geschäftsführer bei der TSG. „Jeder von diesen Chaoten hat wahrscheinlich jemanden in der Familie, der von Dietmar Hopp schon einmal profitiert hat“, sagte der wütende Flick an die Adresse der Übeltäter im Bayern-Block.

Hopp gilt in der Rhein-Neckar-Region als Wohltäter

In der Rhein-Neckar-Region gilt Hopp als der große Wohltäter: Mit seiner Stiftung hat „Vadder Hopp“, wie er oft genannt wird, nach eigenen Angaben bisher rund 800 Millionen Euro ausgegeben - für Kindergärten, Altenheime, Krebsforschung, Bildung, Jugendsport und mehr. Deshalb begleiten Hopp schon lange Solidaritätsbekundungen, auch aus dem Bayern-Lager: Mit der Münchner Führungsriege pflegt der Golffreund von Franz Beckenbauer ein freundschaftliches Verhältnis. Bayern-Vorstandschef Rummenigge nahm den Mäzen am Samstag schon auf der Tribüne tröstend in den Arm. Und ließ ihn dann nicht alleine im Regen stehen.

Fadenkreuz-Plakat als Symbol gegen die Kollektivstrafe
Das Fadenkreuz-Plakat und die Schmähkritik gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp sind nach Ansicht der Fanorganisation ProFans zum Symbol gegen die Kollektivstrafe geworden. „Ein Weg zur Befriedung wäre freilich, wenn der DFB wirklich die Kollektivstrafe abschafft. Dann wäre die Luft sofort raus“, sagte Sprecher Sig Zelt. Er erwarte aber nicht, dass der Deutsche Fußball-Bund über seinen Schatten springen werde - „gerade jetzt nicht“. Der DFB verhalte sich in der Frage „nicht geschickt“, sagte Zelt. „Man zeigt die Stirn und provoziert damit nur noch Gegenreaktionen, so dass keiner zurück weicht. Im Moment sehe ich da keine Bewegung aufeinander zu.“
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