De Maiziere: "Harte Reaktion" nach Krawallen

RB-Kritik an BVB-Sicherheitskonzept

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat nach den gewalttätigen Attacken Dortmunder Randalierer gegen Fußballfans von RB Leipzig harte Konsequenzen gefordert. "Ich hoffe auf eine schnelle und harte Reaktion der Justiz, damit alle wissen, was ihnen droht, wenn man sich so verhält", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Unterdessen hat die Polizei am Montag die Ermittlungen aufgenommen.

DORTMUND

06.02.2017, 08:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
De Maiziere: "Harte Reaktion" nach Krawallen

Hofft auf eine "schnelle und harte Reaktion": Bundesinnenminister Thomas de Maiziere.

De Maiziere sagte, die gewalttätigen Szenen „lassen einem den Atem stocken“. Nach Ansicht des Bundesinnenministers gehören die Krawallmacher „nicht ins Stadion, sondern hinter Schloss und Riegel“. RB Leipzig hatte die Dortmunder Vereinsführung zu einer lückenlosen Aufklärung der Geschehnisse aufgefordert. Die BVB-Clubspitze verurteilte die gewaltsamen Angriffe scharf und kündigte gemeinsam mit der Polizei eine schnelle Aufarbeitung der Vorfälle sowie deutliche Sanktionen im Rahmen der eigenen Möglichkeiten an.

"Völlig enthemmter Mob"

Bei den Ausschreitungen im Vorfeld des Bundesliga-Topspiels richtete sich die Gewalt nach Polizeiangaben plötzlich gegen jeden erkennbaren Leipziger Anhänger - unabhängig davon, ob es sich dabei um Kinder, Frauen oder Familien handelte. Die Polizei berichtete von einem „völlig enthemmten Mob“. „Solche Bilder, in solche hasserfüllten Fratzen habe ich noch in keinem meiner Polizeieinsätze gesehen - ich bin schockiert!“, schilderte der Dortmunder Einsatzleiter, Polizeidirektor Edzard Freyhoff, in einer Mitteilung am Sonntag.

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Auch während des Spiels beruhigte sich die Stimmung nach Angaben de Polizei nicht: Die Südtribüne des Stadions sei ein „einziges Meer“ voller Banner und Plakate mit teilweise diffamierendem, beleidigendem und beschämendem Inhalt gewesen. Auch in den Fällen will die Polizei dem Anfangsverdacht von Straftaten wie Beleidigungen nachgehen. Ein Mitarbeiter eines TV-Senders sei nur knapp einer ernsthaften Verletzung durch eine geworfene Metallstange entgangen. Hierzu werde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Umfangreiche Ermittlungen sind angelaufen

Die Polizei hatte bis Sonntag Kenntnis von zehn Verletzten, darunter sechs Gästefans und vier Polizisten. Außerdem ist ein Diensthund der Polizei verletzt worden, wie aus einer Mitteilung hervorging. Die Polizei hatte am Samstagabend elf mutmaßliche Straftäter aus der Ultraszene des BVB und einen Leipziger vorläufig festgenommen. Die Männer sind nach dem Abschluss polizeilicher Maßnahmen inzwischen wieder auf freiem Fuß, sagte eine Sprecherin der Polizei am Montag.

Die Polizei ruft Zeugen auf, sich zu melden, damit Straftaten nicht ohne Folgen bleiben. Umfangreiche Ermittlungen sind angelaufen: „Die Auswertung von Film-, Video- und Beweismaterial wird uns in den nächsten Wochen intensiv beschäftigen“, hieß es bereits am Sonntag.

Sanktionen sind zu erwarten

Der BVB muss nun mit Sanktionen durch den DFB rechnen. Schließlich war er bereits nach den Pyro-Vorfällen beim vergangenen Pokal-Endspiel gegen den FC Bayern zu einer Geldstrafe von 75.000 Euro verurteilt worden. Für den Fall, dass es bis zum Ende Bewährungszeit am 31. Mai zu einem schwerwiegenden Wiederholungsfall kommt, hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes schon damals mit einem Heimspiel unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit gedroht. 

Fanclubs von RB Leipzig kritisierten das BVB-Sicherheitskonzept. In einer Stellungnahme an DFB, Deutsche Fußball Liga und BVB schrieb der Fanverband des Bundesliga-Aufsteigers und Tabellenzweiten: „Wir Fans von RB Leipzig sind seit Jahren Einiges gewohnt, aber was in Dortmund los war, war bisher unerreicht!“. Ein Sicherheitskonzept sei zu „keiner Zeit zu erkennen“ gewesen. Mit Bussen angereiste Fans seien überfallen, geschlagen und deren Eintrittskarten gestohlen worden.

"Diese Gewaltexzesse sind inakzeptabel"

Auch in der Landespolitik lösten die Ausschreitungen eine Debatte aus. Die CDU-Opposition will NRW-Innenminister Jäger zum Polizeieinsatz befragen. „Diese Gewaltexzesse sind inakzeptabel. Wir dürfen die Stadien nicht den Chaoten überlassen“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Theo Kruse. Im Landtags-Innenausschuss solle Jäger darlegen, welche Risikoeinstufung das Spiel hatte und wie der Kräfteeinsatz war.

Von dpa

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