Der BVB-Aktie droht der Abstieg aus dem S-Dax und damit einhergehend ein Kursverlust. Das bestätigte Finanz-Geschäftsführer Thomas Treß. Noch gibt es aber Hoffnung.

Dortmund

, 19.08.2018, 22:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der für September anvisierten Neuordnung der Indizes auf dem deutschen Aktienmarkt (Dax, M-Dax, S-Dax, TecDax) könnte Borussia Dortmund seine Listung verlieren, erklärte Finanz-Geschäftsführer Dr. Thomas Treß gegenüber dieser Redaktion. „Sollte die BVB-Aktie aus dem S-Dax herausfallen, würde das unseren Aktienkurs sicher nicht beflügeln. Aber noch ist es nicht so weit“, kommentierte 52-Jährige auf Anfrage einen entsprechenden Bericht der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Vor allem ausländische Fonds orientierten sich beim Investment an den Indizes, hieß es da. Und in dieser Aufstellung könnte der BVB bald fehlen. Manche Analysten rechnen in diesem Fall mit einem zeitweiligen Absacken der Aktie, die am vergangenen Freitag bei 6,01 Euro schloss.

„50 Prozent über dem damaligen Kurs“

Anzeige


Der S-Dax, in dem der BVB seit 2014 notiert, wird zwar von 50 auf 70 Titel aufgestockt. Der einzige börsennotierte Fußballklub Deutschlands hat jedoch aktuell keine guten Karten, dort zu verbleiben und wird in den entsprechenden Schattenindizes weit unten gelistet. Nicht etwa, weil sich die Kennzahlen bei den Schwarzgelben verschlechtert haben. Hintergrund ist vielmehr, dass aufgrund der Neustrukturierung der Indizes kräftigere TecDax-Titel die Dortmunder überflügeln.

Der BVB-Aktie droht der Abstieg aus dem S-Dax

„Mit der Entwicklung der Aktie in den letzten Jahren braucht sich der BVB nicht zu verstecken“, sagt Finanz-Geschäftsführer Thomas Treß. © Inderlied/Kirchner

„Wir sind 2014 bewusst in den S-Dax gegangen, mit einer übrigens deutlich geringeren Marktkapitalisierung. Der heutige Kurs liegt in etwa 50 Prozent über dem damaligen Kurs. Mit der Entwicklung der Aktie in den letzten Jahren braucht sich der BVB nicht zu verstecken“, so Treß.

Höhenflug nach Dembele-Transfer

Analyst Dr. Christoph Schlienkamp rechnet auch aus diesem Grund nicht mit einem nachhaltigen Kursverlust. „Es ist seit drei Monaten absehbar, dass der BVB aus dem S-Dax fallen könnte. Sollten strategische Investoren dies bei ihren Investments berücksichtigen, haben sie dies vermutlich bereits getan“, sagte der Experte des Bankhauses Lampe dieser Redaktion. Dieses Argument sei nicht neu. „Ich teile die Befürchtung eines drohenden Absturzes daher nicht.“ Relevanter für den Kursverlauf in den kommenden Wochen seien die betriebswirtschaftlichen Zahlen und die sportliche Entwicklung.

Im vergangenen Herbst reagierte der Handel zum Beispiel mit einem Höhenflug auf über 8 Euro unter anderem auf den werthaltigen Verkauf von Ousmane Dembele, der bis zu 148 Millionen Euro in die Klubkassen spülen könnte. Dieser Aufschwung wurde dann jedoch durch den sportlichen Verlauf der Spielzeit 17/18 konterkariert.

BVB sieht sich unterbewertet

Grundsätzlich sieht sich der BVB auf dem Parkett weiterhin unterbewertet, wiederholte Treß bisherige Aussagen der Geschäftsführung. „Nach unserer Einschätzung sowie diverser Analysten und Institute liegt der reale Wert der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA bei rund einer Milliarde Euro, dies entspräche einem Aktienkurs von über 10 Euro.“

Der BVB-Aktie droht der Abstieg aus dem S-Dax

Der BVB-Aktienverlauf der vergangenen zwölf Monate. © Google

Dazu würden neben dem beachtlichen Eigenkapital unter anderem der Wert der Marke, die bei Forbes mit 300 Millionen Euro taxiert wird, sowie die vielen Reserven beitragen. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte die Aktie aufgrund der wirtschaftlich positiven Entwicklung als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnet. Bei einem nach den Kapitalerhöhungen durchschnittlichen Ausgabekurs von rund fünf Euro sieht man am Westfalendamm das Papier als relativ „bullig“ an, also als im Wert steigend.

Frische Geschäftszahlen werden veröffentlicht

Am Freitag veröffentlicht die BVB KGaA ihre Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Als gesichert gilt, dass der Umsatz erstmals und deutlich über 500 Millionen Euro liegen wird. Wie die Börse darauf und auf die Neuordnung des S-Dax ohne die Fußballaktie reagiert, bleibt ein spannender Schauplatz neben dem sportlichen Spielfeld.

Lesen Sie jetzt