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Der BVB auf der Suche nach der verlorenen Leichtigkeit

Tabellenführer schiebt Frust

Borussia Dortmund hadert nach dem 1:2 in Augsburg mit den eigenen Fehlern. Der Tabellenführer schiebt Frust - und muss im Titelkampf schleunigst wieder in die Spur kommen.

Augsburg

, 02.03.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der BVB auf der Suche nach der verlorenen Leichtigkeit

Hängende Köpfe bei den BVB-Profis nach dem 1:2 beim FC Augsburg. © imago

Der BVB wollte nur noch weg. Der Flieger ging ja auch. Und schön war’s sowieso nicht in Bayern. Die Fragen an Lucien Favre auf der Pressekonferenz nach dem 1:2 beim FC Augsburg wurden vorgezogen. Der Trainer von Borussia Dortmund hatte nicht viel zu sagen, außer, dass seine Mannschaft ein Spiel verloren habe, in dem der Gegner eigentlich keine Torchance gehabt habe, aber wegen individueller Fehler trotzdem zwei Tore geschossen habe. Der ehemalige Dortmunder Dong-Won Ji traf doppelt. Er wisse nicht, wieso seine Spieler, in diesem Fall Dan-Axel Zagadou und Achraf Hakimi, diese Fehler vor den Gegentoren gemacht hätten, meinte Favre. „Ein Fehler kann passieren“, haderte der Schweizer, „aber zwei?“

„Wir haben zu viele Fehler gemacht“

Zwei waren mindestens einer zu viel. Und so war aus dem Vorlegen in Augsburg eine Vorlage für Bayern München geworden. Torhüter Roman Bürki musste sich auf dem Platz laut eigener Aussage beherrschen, „den Spielern nicht den Kopf herunter zu reißen“. Der BVB sei nicht „kampfbereit wie die Augsburger“ gewesen. BVB-Kapitän Marco Reus, der ein gut einstündiges Comeback mit Höhen und Tiefen feierte, sagte: „Solche Fehler dürfen uns einfach nicht passieren. Das müssen wir schleunigst abstellen.“ Thomas Delaney konstatierte: „Für Borussia Dortmund ist das einfach nicht gut genug.“ Und Michael Zorc, der BVB-Sportdirektor, verließ nach einem kurzen Statement schnellen Schrittes die Katakomben der WWK-Arena. „Es ist klar, dass wir nicht zufrieden sind. Augsburg hat extreme Leidenschaft, Begeisterung und Laufbereitschaft auf den Platz gebracht. Wir haben zu viele Fehler gemacht, hatten aber trotzdem die Chance, das Spiel zu drehen. Wir haben zu spät alles in die Waagschale geworfen.“ Jedes weitere Wort wäre wohl deutlich drastischer ausgefallen.

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Die RN-Analyse zum 1:2 des BVB in Augsburg

Während der schwarzgelbe Tross also zusah, schnellstmöglich die Heimreise anzutreten, nahm sich Matthias Sammer bei „Eurosport“ alle Zeit der Welt, um die BVB-Profis anzuzählen. Der externe Berater des Tabellenführers war in diesem Moment ganz TV-Experte - und nahm kein Blatt vor den Mund. „Da kommt Borussia Dortmund mit dem Maßstab: Wir sind ja schon Deutscher Meister. Aber die sind unreif“, sagte Sammer, „das sieht man schon länger. Wissen alle Spieler, was da in Augsburg auf sie zukommt? Hakimi nicht, Sancho nicht, Zagadou nicht. Die haben es nicht gewusst! Die Drei, plus 10 Kilometer weniger gelaufen, da spielst du mit vier Mann weniger!“

Eine „Durchschnittsmannschaft“

Und weil er gerade dabei war, schimpfte Sammer fröhlich weiter. „Das Spiel wird nicht sportlich entschieden. Das muss mir keiner erzählen. Natürlich gibt es Hebel und Mechanismen wie Taktik, wie Positionen, wie Räume, aber das Spiel wird im Kopf entschieden. Mehr im Kopf als mit den Beinen.“ Die Spieler müssten sich entscheiden, was sie erreichen wollen, forderte Sammer, früher häufiger mal Motzki genannt. „Wollen sie ganz oben mitspielen? Wollen sie Champions League? Wollen sie Europa League? Und so müssen sie sich verhalten. Und in den Spielen, die wir gerade benannt haben, - Düsseldorf, Nürnberg, Augsburg - verhalten sie sich nicht wie ein Champion, sondern wie eine Durchschnittsmannschaft in der Bundesliga.“

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Die Führungsspieler seien nun gefordert, Klartext zu reden, meinte der 51-Jährige. „Wo ist das Problem nach einer herausragenden Saison, wenn in Dortmund jetzt einer mal richtig auf den Tisch haut? Nicht im persönlichen, aber zu sagen: Das geht mir auf den Keks. Direkt im nächsten Satz alles zu entschuldigen, das bringt nix.“ So sei es nun mal. „Es gibt immer wieder verschiedene Situationen, wo du auch vorgehen musst, wo du als Führungsspieler einsam bist und Themen ansprichst, wo du auch mal Leute gegen dich hast, aber gruppendynamische Prozesse und Entwicklungen funktionieren nur so. Wenn du Ursachen nicht benennst, wirst du dich wundern, warum dir am Ende ein Tor oder ein Punkt zum Champion fehlt.“

Sechs von 15 möglichen Punkten

Sammers Worte waren deutlich, aber man wollte nicht widersprechen. Aus den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen hat der BVB nur sechs von 15 möglichen Zählern geholt. Das ist, wie Sammer ganz richtig feststellte, maximal „Durchschnitt“. Die Bilanz eines kommenden Meisters ist es jedenfalls nicht. Und wer glaubte, dass nach dem 3:2 gegen Leverkusen am vergangenen Wochenende das Gröbste überstanden sei, verließ die Augsburger Arena mit ziemlich vielen Fragezeichen im Kopf. Lucien Favre gehörte wohl auch dazu. Vielleicht lief ja „Eurosport“ im Bus.

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