Der BVB vor 55 Jahren: Siggi Helds erstes Spiel in Schwarzgelb

rnBorussia Dortmund

Vor genau 55 Jahren bestritt BVB-Legende Siegfried Held seine erste Partie für Borussia Dortmund. Ein bemerkenswertes Debüt, in dem der Schiedsrichter gleich fünf Mal auf den Punkt zeigte.

von Gerd Kolbe

Dortmund

, 11.09.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Siegfried „Siggi“ Held gehört zu den besten und prägnantesten Spielern der BVB-Geschichte. Er hat mit seiner Schnelligkeit, seinen Dribblings, als Vollstrecker und als Tor-Vorbereiter Fußball-Geschichte geschrieben. Und das sowohl im Trikot des BVB als auch in der Deutschen Nationalmannschaft, in der er 41 Mal zum Einsatz kam.

Siggi Held holt mit dem BVB den Europapokal

Mit den Borussen holte er den legendären Europapokal 1966 gegen den FC Liverpool, wobei er beim 2:1-Sieg der Dortmunder das erste Tor selber erzielte und den Siegtreffer von „Stan“ Libuda vorbereitete. Mit der Nationalelf wurde er 1966 bei der WM in England Vize-Weltmeister. Auch vier Jahre später kam er in Mexiko nochmals zu WM-Ehren.

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Den blonden Superstar mit den markanten Augenbrauen zeichnete über seine gesamte langjährige Karriere hinweg eine geradezu vorbildliche professionelle Berufsauffassung aus.

Holpriger Start für Held beim BVB

Der Beginn seiner Zeit beim BVB allerdings verlief etwas holprig. Er kam zur Saison 1965/66 von den Offenbacher Kickers, gemeinsam mit dem neuen Trainer Willy „Fischken“ Multhaup, Reinhard „Stan“ Libuda und Jürgen Weber. Damit war er in der damaligen Mannschaft der einzige Spieler, der nicht aus Nordrhein-Westfalen stammte. Gemeinsam mit seinem kongenialen Mitstreiter Lothar „Emma“ Emmerich bildete er über mehrere Jahre das europaweit gefürchtete Duo„The Terrible Twins“ - die schrecklichen Zwillinge -, das Tore förmlich wie am Fließband produzierte.

Doch zurück zum Jahr 1965: Zunächst gab es nach dem Wechsel zum BVB Probleme mit dem DFB, weil Held ein minimales Handgeld von Hertha BSC im Vorgriff auf einen möglichen Vertrag erhalten hatte. Der Blondschopf wurde für einen Monat gesperrt und der BVB sprach enttäuscht von zweierlei Maß des DFB bei der Beurteilung ähnlich gelagerter Sachverhalte. So durfte der „Siggi“ zum ersten Mal erst am 11. September 1965 auswärts gegen Borussia Mönchengladbach für seinen neuen Klub auflaufen.

Held holt ersten BVB-Elfmeter selbst heraus


Schon in früheren Jahren hatte es in Spielen gegen Mönchengladbach kuriose Ergebnisse gegeben. Hier sei nur an das 6:6 im Jahre 1965 erinnert. Aber auch diese Partie stand im Schatten der Begegnung im September 1965, in der es sage und schreibe fünf Elfmeter gab. Damit wurden auch die vier Strafstöße aus dem Spiel BVB – Westfalia Herne aus dem Jahr 1924 „geschlagen“, die gern von den Altvorderen als besonderer Leckerbissen der Vereinshistorie „besungen“ wurden. Aber fünf Elfer in einem Bundesligaspiel? Das hatte es bis dato noch nicht gegeben und ist auch bis heute nicht getoppt.



Der „Elfmetersegen“, an dem Schiedsrichter Lutz aus Bremen nicht schuldlos war, begann bereits in der 21. Minute. „Siggi“ Held, der insgesamt ein gutes Debüt gab, brach auf dem Flügel durch, ein gewisser Berti Vogts hatte ziemlich rustikal etwas dagegen. Lutz zeigte unverzüglich auf den ominösen Punkt; Lothar Emmerich verwandelte sicher. Kurz vor dem Halbzeitpfiff egalisierte Gladbachs Abwehrspieler Milder ebenfalls per Elfer. Willi Sturm (49.), Bernd Rupp (BMG, 58.) Günter Netzer (BMG, 62.), Lothar Emmerich (65.) und Reinhold Wosab (67.) sorgten mit „normalen“ Treffern für den 4:3-Vorsprung der Gäste. Dann folgten drei Strafstöße innerhalb von zehn Minuten: Netzer traf erst zum 4:4 (69.), ehe Emmerich den 5:4-Siegtreffer für den BVB markierte. Milder hingegen hämmerte das Leder an die Latte und vergab damit den Ausgleich (78.).

Erste Held-Saison beim BVB endet mit der Vizemeisterschaft

Durch diesen Sieg schob sich der BVB nach dem fünften Spieltag mit 8:2 Punkten hinter Bayern München und Werder Bremen auf Platz drei der Bundesligatabelle. Nach Abschluss der Saison wurde der BVB deutscher Vizemeister und hatte am 5. Mai 1966 in Glasgow gegen den FC Liverpool den ersten Europapokal einer deutschen Vereinsmannschaft gewonnen. Eine großartige Jahresbilanz!

Und „Siggi“ Held hatte schon mit seinem Einstand bewiesen, dass man ein wahres Juwel zum Borsigplatz geholt hatte.

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