Der BVB im Titelkampf: Axel Witsel muss zu alter Stärke zurückfinden

rnBorussia Dortmund

Axel Witsel blickt auf eine durchwachsene Saison zurück. Ob der BVB in der kommenden Spielzeit ernsthaft um die Meisterschaft mitspielen kann, hängt auch von ihm ab.

Bad Ragaz

, 12.08.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eins der Bilder des Jahres 2018 von Borussia Dortmund entstand fast auf den Tag genau vor zwei Jahren hier in Bad Ragaz. Es zeigte Axel Witsel vor seiner ersten Einheit mit dem BVB nach seiner Verpflichtung. Witsel fuhr auf dem Rad zum Training, auf dem Kopf schaffte es der Fahrradhelm nicht, seine wilde Mähne zu bändigen. Witsel hatte sich einen Spaß daraus gemacht, den Helm nur ganz locker auf seinen Haaren zu drapieren, es war ein witziges Bild, das in den sozialen Netzwerken zigfach geteilt wurde.

Axel Witsel geht in seine dritte Saison beim BVB

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24 Monate später blickt Witsel schon auf seine dritte BVB-Saison - und auf zwei höchst unterschiedliche Spielzeiten im Dortmunder Trikot zurück. Er avancierte nach seiner Verpflichtung sogleich zu einem Ankerpunkt im defensiven Mittelfeld, war der Mann, der immer anspielbar und auch in höchster Bedrängnis nie die Ruhe am Ball verlor. Lange schien es, als ob der heute 31-Jährige das fehlende Puzzleteil auf dem Weg zu einer neunten Deutschen Meisterschaft gewesen sein könnte. Dazu reichte es bekanntlich nicht.

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Witsels zweites Jahr in Dortmund verlief lange nicht so störungsfrei. Im Dezember musste er wegen einer Gesichtsfraktur nach einem Treppensturz in seinem Haus vier Wochen lang pausieren und danach mit Maske spielen. Das kostete Form und Sicherheit. Witsels Passquote von 95,34 Prozent ist in der Liga immer noch unerreicht, auffällig ist die nachlassende Dominanz in seinem Spiel allerdings in zwei anderen Kategorien. Er bekam in der abgelaufenen Saison im Schnitt zwölf Bälle weniger als in seinem ersten Jahr und gewann nur noch 53 Prozent seiner Zweikämpfe (Vorjahr 60 Prozent). Das „Herzstück“ des BVB-Mittelfeldes (Zitat Berater Matthias Sammer) bekam seltener den Zugriff auf eine Partie und tauchte öfter ab.

Der BVB im Titelkampf: Axel Witsel muss zu alter Stärke zurückfinden

© Deltatre

Selbstkritisch genug ist der Belgier. „Ich hätte besser sein können“, meinte er in einer Medienrunde, „wie das gesamte Team“. Er mache seine Leistung weniger an Toren (vier in der Bundesliga, wie im ersten Jahr) oder Assists (fünf, vier mehr als in seiner Premierensaison) fest. „Ich bin ja kein Stürmer, ich will Spielmacher sein.“ Ob die Verletzung, die unbestritten viel von der Sicherheit in seinem Spiel kostete und ihn auch nach der Rückkehr aufs Feld beschäftigte, für die nachhaltige Rhythmus-Störung in Witsels Spiel verantwortlich war, sei schwer zu beurteilen. Witsels Fazit für sich und die Leistung des gesamten Teams: „Es nicht alles gut, aber es war auch nicht alles schlecht.“

Witsel bekommt beim BVB einen weiteren Belgier an die Seite gestellt

Zur neuen Saison bekommt die Belgier-Fraktion in Dortmund noch einmal Verstärkung. Die Zusage von Thomas Meunier freut Axel Witsel, er hatte durchaus seinen Anteil an der Verpflichtung. „Ich habe zu ihm gesagt: Wenn du jedes Wochenende in einem vollen Stadion - außer jetzt aktuell natürlich - spielen willst und in dieser verrückten Atmosphäre, ist der deutsche Fußball das richtige. Wir werden oft den Ball haben und du wirst in die Mannschaft passen.“ Worte, die beim Landsmann ankamen. „Ich habe ihm gesagt: Du musst hierhin kommen.“

Witsels drittes Jahr in Dortmund, sein vorletztes Vertragsjahr, soll in einem erneuten Angriff auf die Bayern münden - es ist allgemeiner Sprachgebrauch innerhalb der Mannschaft, das von diesem Ziel auch öffentlich nicht abgerückt wird. Intern ohnehin nicht. „Wir wollen mehr erreichen als im Vorjahr“, sagt der 31-Jährige, „wir haben so viele Punkte liegen lassen gegen Teams, gegen die wir normalerweise hätten gewinnen müssen.“ Mehr Konzentration in diesen Spielen, mehr Dominanz, mehr Zielstrebigkeit, diese Attribute müsse der BVB wieder auf den Platz bringen. Es sind die Attribute, die Axel Witsel auch seinem Spiel wieder hinzufügen will.

Axel Witsel ist von BVB-Neuzugang Jude Bellingham begeistert

Und vielleicht spornt ihn ja auch der interne Konkurrenzkampf an. In Jude Bellingham hat Dortmund einen 17-Jährigen geholt, dem Witsel zutraut, einmal in seine Fußstapfen treten zu können. „Ich mag seinen Stil“, sagt Witsel, „du siehst schon in der ersten Woche, dass er zwar noch jung ist, aber anders als die anderen Spieler in seinem Alter. Er ist sehr talentiert und wird mal ein sehr wichtiger Spieler sein.“ Vorerst aber sollte Borussia Dortmund noch auf Axel Witsel bauen. Der Belgier weiß, dass er einiges gutzumachen hat.

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