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21 Punkte mehr als im Vorjahr, zum Teil berauschender Fußball - am Ende aber reicht es für den BVB nicht zum Titel. Wenn die Enttäuschung verflogen ist, darf die Mannschaft stolz auf eine sehr gute Spielzeit zurückblicken.

Mönchengladbach/Dortmund

, 18.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Stocksteif saß er da auf seinem Sitz. Gezeichnet von den 90 Minuten, nach denen keine Freude aufkommen wollte, obwohl Borussia Dortmund sich doch gerade für die Champions League qualifiziert hatte. Hans-Joachim Watzke war aschfahl im Gesicht, auch auf der Bank, bei Sportdirektor Michael Zorc, herrschte blankes Entsetzen. Das war am 12. Mai 2018, nach einem 1:3 bei der TSG Hoffenheim. Die große Blamage, das Abrutschen auf einen Platz, der nicht mehr zur Teilnahme an der Königsklasse berechtigte, war gerade einmal drei mickrige Törchen entfernt.

371 Tage später hat Borussia Dortmund am Samstag vergeblich nach der Meisterschale gegriffen, und die Enttäuschung nach dem letzten Abpfiff der Saison war vielleicht sogar noch ein bisschen größer - freilich aus anderen Motiven. Die Chance zur neunten Deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte lag auf dem Silbertablett. Der BVB konnte sie am Ende nicht nutzen - trotz des 2:0-Erfolgs in Mönchengladbach. Denn die Bayern gaben sich gegen Frankfurt keine Blöße.

Beeindruckendes Comeback

Das trübt derzeit noch den klaren Blick auf eine Saison, in der die Borussia viel richtig gemacht hat. Die Konsequenz, mit der die Dortmunder Vereinsführung auf eine - trotz Platz vier - enttäuschende Spielzeit reagiert hatte, führte die runderneuerte Borussia bis zum letzten Spieltag in ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschale. Dank der Dortmunder Borussia, die vom Abonnementmeister aus München zwischenzeitlich nur noch mit dem Fernglas zu sehen war, im Schlussspurt aber dann doch noch entscheidend Federn ließ, hatte der zum Langeweiler verkommene Kampf um die Meisterschaft wieder Spannung und Dramatik. Es war ein beeindruckendes Comeback des Bayern-Jägers BVB. Und darauf, meinte Michael Zorc noch vor den letzten 90 Minuten in Mönchengladbach, „dürfen wir stolz sein!“

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Neuer Trainer, mehr Meinung und Kompetenz in der sportlichen Führung, radikal veränderter Kader: Auf allen Ebenen verordnete sich Borussia Dortmund nach einer desaströsen Vorsaison eine deutliche Blutauffrischung. Und nach diesem Jahr lässt sich bilanzieren: Fast alle ausgetauschten Rädchen passten perfekt ins Getriebe.

Mannschaft ist endlich wieder eine Einheit

Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl ist das neue Bindeglied zur Mannschaft, er vermittelte und hörte zu, erkannte Sorgen und Nöte der Spieler. Matthias Sammer sorgte als externer Berater für den kritischen Blick von Außen, er benannte ungeschminkt auch unangenehme Wahrheiten und ließ sein Fußball-Knowhow einfließen. Der neue Trainer Lucien Favre verfolgte eine klare Spielidee, seine Philosophie führte den BVB zu einer der besten Spielzeiten der Vereinshistorie.

Und die Mannschaft? War endlich wieder eine Einheit. Ein gutes Auge, ein gutes Händchen und - im Falle Axel Witsel - auch ein wenig Glück sorgten dafür, dass unter den neuen Gesichtern im Kader nicht ein einziger echter Fehlgriff war. Sportlich wie menschlich

Die Mischung passt

Witsel bildete mit dem neuen Kapitän Marco Reus, der endlich einmal weitgehend verletzungsfrei durch die Saison kam, dem erstarkten Roman Bürki im Tor und dem neuen Abwehrchef Manuel Akanji die zentrale Achse. Drumherum gruppierte Favre eine Mischung aus großem Talent (Jadon Sancho) und Erfahrung (Piszczek, Delaney, Götze). Die Mischung passte.

Nach der unvermeidlichen Findungsphase mit zum Teil glücklichen Spielausgängen (Pokalsieg in Fürth, 1:1 in Hoffenheim) agierte Borussia Dortmund bisweilen wie im Rausch. Das 4:2 in Leverkusen war ein Wendepunkt. Zuvor holperte es, doch dass die Borussia in Leverkusen einen 0:2-Rückstand drehen konnte, war für die Entwicklung dieser Mannschaft wie Raketen-Treibstoff. Da stand eine Einheit auf dem Platz.

Unangefochtene Herbstmeisterschaft

Nur zwei Pflichtspiel-Niederlagen bis Weihnachten und beeindruckende Comeback-Qualitäten auch in Spielen, wo der BVB einem Rückstand hinterherlaufen musste, sorgten in der Liga zwischenzeitlich für neun Zähler Vorsprung auf den Rekordmeister und eine unangefochtene Herbstmeisterschaft.

Als die Borussia erstarkte, fiel das zusammen mit der ersten Krise der Bayern. Auch der BVB aber kam nicht ohne Durchhänger durch die Saison. Er erwischte die Mannschaft nicht zufällig in der Phase im Februar, in der Reus verletzt fehlte. Drei Unentschieden in der Liga in Serie, darunter ein 3:3 gegen Hoffenheim nach 3:0-Führung, das Pokal-Aus gegen Bremen, als man ebenfalls zwei Führungen herschenkte. Dazu das Augen öffnende 0:3 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Tottenham in der Champions League, als dem BVB die fehlende Erfahrung vieler Spieler auf diesem Niveau zum Verhängnis wurde. Ab März sollte es wieder besser werden. Wurde es aber nicht durchgehend.

Als die Spiele weniger wurden, stieg der Druck

Als die Spiele weniger wurden und die große Chance weiter greifbar war, da stieg auch der Druck. Dem hielt die Mannschaft nicht immer Stand. Dortmund ging die Souveränität flöten, dazu reichte bisweilen ein einziges Gegentor. Führungen sorgten nicht durchgehend für Beruhigung.

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Bildergalerie

Bundesliga, 34. Spieltag: Borussia M'gladbach - BVB 0:2 (0:1)

Die besten Bilder der Bundesliga-Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund.
18.05.2019
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Die Bilder der Bundesliga-Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund.© dpa
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Schlagworte Fußball, Bundesliga

„Es ist ein Prozess, der Zeit braucht“, hat Favre schon bei seiner Vorstellung im Juni 2018 auf die Frage geantwortet, welche Herausforderungen die Umgestaltung des Kaders mit sich bringen könnte. Der Schweizer wollte damit wohl ein wenig die Erwartungen von seiner neuen Mannschaft fern halten. Die wurde am Ende auch ein Opfer ihrer Erfolge, denn die Erwartungshaltung stieg mit jedem Sieg. Und sie haben die Messlatte mit dieser abgelaufenen Saison nun wieder deutlich höher gelegt. Favre wird das wissen, er wird darauf reagieren, wie er immer reagiert hat. Mit harter Arbeit.

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