BVB setzt als selbst ernannter Titelanwärter neue Reize - intern wie extern

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Der BVB startet in neuer Konstellation in die Saison: Das Ziel ist die Deutsche Meisterschaft. In der Kommunikation ist das eine Zeitenwende. Helfen soll ein Neuzugang.

Dortmund

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Noch nicht einmal eine Stunde war vergangen, seit der Titeltraum platzte und dem BVB die Deutsche Meisterschaft im Gladbacher Borussia-Park endgültig aus den Händen geflutscht war. Das kam nicht unerwartet angesichts der Konstellation im Endspurt, auch die BVB-Verantwortlichen hatten sich mit dem Scheitern bereits auseinandergesetzt - und ihre Folgerungen abgeleitet. Die klangen kurz nach Toreschluss in erster Linie nicht verzagt-enttäuscht, sondern kämpferisch-engagiert.

BVB will ein echter Konkurrent sein

„Motivation und Verpflichtung zugleich“ sei diese Vizemeisterschaft, sagte Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, Klubboss Hans-Joachim Watzke gab an, am liebsten sofort „wieder um die Deutsche Meisterschaft mitspielen“ zu wollen. Ein Jahr nach dem Totalumbruch im Sommer 2018 will sich die klare Nummer zwei im deutschen Fußball nicht mehr nur als Bester vom Rest sehen, sondern als ernsthafter Konkurrent des FC Bayern München, der zuletzt sieben Mal hintereinander an der Tabellenspitze ins Ziel einlief. Gedanklich und kommunikativ ist das eine Zeitenwende.

„Wir sind näher an die Spitze herangerückt.“
Michael Zorc

„Diese Einstellung“, präzisierte Zorc zum Trainingsauftakt der Borussen Anfang Juli, „hat sich aus der letzten Saison ergeben. Wir sind näher an die Spitze herangerückt.“ Mehr als die Hälfte der Spielzeit hieß der Tabellenführer Borussia Dortmund. Nur halt nicht zum Ende. Bei den Wortführern der Mannschaft gab es dennoch keine zwei Meinungen.

Reus wartet auf den Meistertitel

„Das ist ein Gefühl, das nicht von oben oktroyiert wird. Das kommt aus der Mannschaft heraus und erfolgt im Gleichklang.“ Nicht zuletzt Kapitän Marco Reus wartet weiter auf seinen ersten Meistertitel. Spätestens im Urlaub werden auch die Grünschnäbel realisiert haben, wie nah sie am großen Coup dran waren. Und sich vornehmen, jetzt auch den letzten Schritt zu gehen.

BVB setzt als selbst ernannter Titelanwärter neue Reize - intern wie extern

In der abgelaufenen Saison reichte es für Marco Reus und den BVB nicht zum Meistertitel. In der kommenden Spielzeit soll das anders werden. © imago

Daraus und aus den hochkarätigen Neuzugängen ergibt sich jene Verpflichtung, große Zielsetzungen vorzunehmen. Dies im Laufe der Vorsaison nicht getan zu haben, mag einer der entscheidenden Fehler gewesen sein, doch das lässt sich lediglich vermuten. Jedenfalls ist die Schlussfolgerung eindeutig: „Ohne Wenn und Aber“, so Watzke, wollen die Westfalen wieder mit der Schale um den Borsigplatz fahren.

Hummels ist als Führungsfigur gefragt

Als ein entscheidender Faktor in der Fehleranalyse machten die Chefs die mangelnde Erfahrung im Finish der Bundesliga aus. Da traf es sich blendend, dass ein alter Bekannter aus München im Frühjahr vorsichtig vorfühlte, ob eine Rückkehr zum BVB möglich sei. Mit Mats Hummels sieht sich der BVB routinierter und zugleich profilierter aufgestellt. „Natürlich erwarten wir von ihm, dass er sportlich eine Führungsrolle übernimmt, dafür haben wir ihn zurückgeholt“, sagt Zorc. Hummels, 2016 als Kapitän vom BVB zum FCB gewechselt, sei für ihn „der beste deutsche Innenverteidiger. Er hat über Jahre sein Können unter Beweis gestellt.“

„Sportlich betrachtet hat Mats Hummels über Jahre bewiesen, dass er ein großartiger Spieler ist.“
Matthias Sammer

Zustimmung erntet Zorc für diese Einschätzung bei Matthias Sammer, der den Klub sicher auch in der Personalie Hummels beraten hat. „Sportlich betrachtet hat er über Jahre bewiesen, dass er ein großartiger Spieler ist“, sagt Sammer, der wie Zorc meint, dass Hummels derzeit der beste deutsche Innenverteidiger ist. Er hoffe für Hummels und Dortmund, „dass er der Leader ist, der er auch immer sein wollte“.

Sammer gibt den Mahner

Dass die neunte Deutsche Meisterschaft deswegen ein Selbstläufer wird, wo doch nun alle Puzzleteile bereitliegen, vor diesem Gedanken warnt Sammer in seiner gewohnten Rolle als Mahner. „Alles, was der BVB gemacht hat, muss sich ja erst mal beweisen“, so Sammer, „das ist die Wahrheit!“ Und gleichzeitig ergänzte Sammer, „bin ich aber der Meinung, dass Mannschaften Spieler brauchen, die in gewissen Konstellationen Verantwortung übernehmen“, so Sammer.

Neue Zielsetzung, eine weitere Leitfigur im Kader: Der BVB sorgt für Spannung. Intern im Team sowie extern in der Bundesliga.

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