Der BVB setzt auf Top-Talente: jung, schnell, durchgestartet

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Neidvoll und staunend schaut die europäische Fußball-Elite derzeit nach Dortmund. Denn der BVB hat sich zum Hauptspielplatz der Hochbegabten gemausert. Da ist die Borussia die Nummer eins.

Dortmund

, 27.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In den Fanshops des BVB muss fleißig nachgeräumt werden. Das Trikot mit der Nummer 17 und der Aufschrift „Haaland“ verursacht seit Wochen reißenden Absatz wie ein Eiscremestand am Karibikstrand. Mehr als 15.000 Haaland-Hemden sind bis jetzt über die Ladentheke gewandert - schon nach kurzer Zeit hat der Norweger in Dortmund Kultstatus erlangt. Weil er kraftvoll Tore schießt, weil er von An- bis Abpfiff rennt und kämpft, weil er Mitspieler und Publikum mitreißt. Erling Braut Haaland ist erst 19 Jahre alt. Aber er ist schon unverzichtbare Stammkraft und erfüllt sogar Führungsaufgaben auf dem Platz.

BVB geht anderen Weg: Topklubs setzen eher auf reife Stürmer

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Während in anderen europäischen Topklubs häufig der gesetzte Stürmer eher der reifen Kategorie zuzuordnen ist – ob Ronaldo (35) bei Juventus, Lewandowski (31) bei den Bayern, Messi bei Barcelona (32), Salah (27) beim FC Liverpool, Neymar in Paris (28) oder Agüero (31) bei Manchester City, vertritt Haaland bereits die nächste Generation auf höchstem Level. Nicht zufällig vor der Gelben Wand.

„Es gehört zur Strategie Borussia Dortmunds, Talenten die Chance zu bieten, sich zu entwickeln, den nächsten Schritt zu gehen“, betont Sebastian Kehl. Der Leiter der BVB-Lizenzspieler weiß genau, warum die Schwarzgelben eine der attraktivsten Adressen für begehrte junge Profis darstellen. „Wir gehören zu den Top 12 in Europa, hier können sie in einem großen Klub in einer starken Liga und in der Champions League agieren, erste Erfahrungen auf diesem obersten Level sammeln und um Titel spielen.“

Haaland, Sancho und Hakimi entscheiden sich bewusst für den BVB

Nicht nur Erling Haaland hat sich deshalb bewusst für den BVB entschieden. „Auch Jadon Sancho in Manchester und Achraf Hakimi in Madrid hatten nicht so gute Perspektiven wie bei uns“, erklärt Kehl, „mittlerweile hätte beide wohl jeder Topklub gerne in seinen Reihen.“

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Die Youngster Haaland (19), Sancho (19) und Hakimi (21) spielen nicht nur mit bei der Borussia, sie sind längst tragende Säulen des sportlichen Erfolgs. Naturgewalt Haaland hat schon zwölf Tore für den BVB geschossen, darunter ein Doppelpack gegen Paris Saint-Germain. Die Werte des englischen Dribbelkünstlers Jadon Sancho sind mit 16 Toren und 18 Vorlagen in 32 Pflichtspielen dieser Saison herausragend. Und der Marokkaner Achraf Hakimi, laut offizieller Messung schnellster Profi der Bundesliga-Historie, hat sich als vierfacher Torschütze in der Champions League und zehnfacher Torvorbereiter in der Bundesliga (zweitbester Akteur des BVB) hervorgetan.

Auch hinten hat der BVB junge Top-Talente - wie Dan-Axel Zagadou

Damit nicht genug aus dem Dortmunder Programm „Jugend forscht“. Denn da gibt es ja auch noch Dan-Axel Zagadou, diesen mit einer Bärenruhe ausgestatteten französischen Verteidiger. Gerade 20 geworden, aus der Abwehrkette nicht mehr wegzudenken. Ein weiterer wartet auf seinen Durchbruch: Leonardo Balerdi. Oder Giovanni Reyna, diesen technisch starken Mittelfeldspieler aus den USA. Erst 17 Jahre alt - aber gehindert hat den Teenager das an der Torvorlage zu Haalands Siegtreffer gegen Paris ebenso wenig wie am in den Winkel geschlenzten Traumtor im Pokal in Bremen.

Fünf Jungs, im Schnitt 19 Jahre jung. Eine verheißungsvolle Boyband auf Meistermission im schwarzgelben Trikot. „Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir erneut einige sehr hochtalentierte junge Spieler bei uns haben, die sich auf europäischem Top-Niveau auch schon behauptet haben. Sie bringen eine Unbekümmertheit und einen Hunger auf Erfolg mit, die unserem Spiel guttun“, lobt Sebastian Kehl.

Borussia Dortmund mit Ausnahmestellung bei jungen Spielern

Ein Rundblick durch die großen Namen des Klubfußballs zeigt die Ausnahmestellung der Borussia, jungen Spielern eine Chance zu geben. Im Kader Juventus Turins steht kein einziger Akteur unter 20 Jahren. Matthijs de Ligt (20) zählt zum Stammpersonal, einzig Mittelfeldakteur Rodrigo Bentancur (22) fällt noch in diese Talent-Kategorie.

Bei Inter Mailand macht Stürmer Lautaro Martinez (22 Jahre, 30 Pflichtspiele, 16 Tore, vier Vorlagen) von sich reden. Im Trikot des FC Barcelona darf ab und an der 17-jährige Ansu Fati sein offensives Können beweisen, Ex-Ajax-Profi Frenkie de Jong (22) geht auch noch als Stammkraft durch. Nicht anders bei Real Madrid, für das sich in Linksaußen Vinícius Júnior (19) und Mittelfeldmotor Federico Valverde (21) zwei Jungprofis festgespielt haben.

Anders als beim BVB: Kein Youngster in Liverpool

Auch Stadtrivale Atletico Madrid bringt es auf nur zwei Youngster, die über den Ersatzbank-Status hinauskommen: 100-Millionen-Euro-Angreifer Joao Felix (20), der aber den Erwartungen noch hinterherläuft, und Renan Lodi (21) auf der linken Abwehrseite. Weder beim FC Liverpool noch bei Manchester City oder dem FC Sevilla finden sich Spieler unter 20 Jahren unter den Stammkräften. Der FC Chelsea setzt zumindest häufig auf den noch vor kurzem vom FC Bayern umworbenen Callum Hudson-Odoi (19).

Apropos FC Bayern. Der Titelrivale des BVB kann nur mit einem Teenager in der Stammelf aufwarten: Alphonso Davies. Der 19-jährige Kanadier ist als Linksverteidiger unter Trainer Hansi Flick aufgeblüht.

Ende des Jugendstils bei Borussia Dortmund nicht in Sicht

Zu einer umschwärmten Boyband wie beim BVB reicht das natürlich noch nicht. Und ein Ende des Jugendstils in Dortmund ist nicht in Sicht, wenn es nach Nachwuchskoordinator Lars Ricken geht: „Ich rechne damit, dass wir nächstes Jahr in unserer U19 sieben Junioren-Nationalspieler haben. Da müssten wir schon sehr viel falsch machen, wenn es nicht der eine oder andere zu den Profis schafft.“ Einer davon könnte BVB-Toptalent Youssufa Moukoko sein.

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