Der BVB tritt auf der Stelle - und der gezeigte Fußball ist alarmierend

rnBorussia Dortmund

Borussia Dortmund tritt auf der Stelle. Das 2:2 in Freiburg ist der vierte Rückschlag am siebten Spieltag. Einzig der BVB-Blick auf die Tabelle macht Mut. Der gezeigte Fußball dagegen ist alarmierend.

Freiburg

, 06.10.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christian Streich zog Lucien Favre zu sich und nahm ihn in den Arm. Auf der einen Seite stand der stolze Trainer der Heimmannschaft, auf der anderen Seite der gebeutelte Trainer der Gastmannschaft. Favre drehte sich weg vom Publikum und zuckte nur mit den Schultern. Streichs Blick war in diesem Moment durchaus durchzogen von Mitleid - und das ist selten ein gutes Zeichen im Fußball. Gerade war die Pressekonferenz nach dem Dortmunder 2:2 beim SC Freiburg zu Ende gegangen. Es war das dritte 2:2 in Serie für den BVB in der Liga, das dritte 2:2 nach einer Führung und das zweite 2:2 in der Fremde nacheinander, das kurz vor Schluss durch ein Eigentor zustande kam.

Manuel Akanji hatte Sekunden vor dem Schlusspfiff ins eigene Tor getroffen. Wie schon in den Wochen zuvor hatte es Borussia Dortmund nicht geschafft, eine Führung ins Ziel zu retten. Das sei „sehr, sehr schwer zu akzeptieren“, sagte Favre. „Das ist ein echtes Problem für uns im Moment. Wir müssen wissen, dass wir bis zum Schlusspfiff konzentriert spielen müssen.“

BVB wird eigenen Ansprüchen erneut nicht gerecht

Wie der BVB-Trainer da so saß und diese Sätze sagte, hätte man tatsächlich den Eindruck gewinnen können, dass Mitleid für Favre und Borussia Dortmund angebracht sei. Zur Wahrheit dieses Spiels gehörte allerdings, dass ein Dortmunder Sieg schlicht unverdient gewesen wäre. Die einzige Mannschaft, die an diesem Samstag im Schwarzwald-Stadion bemitleidenswert gewesen wäre, falls sie leer ausgegangen wäre, war die des SC Freiburg gewesen. Der BVB konnte einmal mehr in puncto Lauf- und Einsatzbereitschaft nicht mithalten mit seinem Gegenüber - und seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden.

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So blieb Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag im Gespräch mit dieser Redaktion nur die Erkenntnis, dass „wir auf der Stelle treten“ und alles „total unbefriedigend ist“. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der am Mittwoch noch gefordert hatte, die Mannschaft müsse das eigene Tor auch mal wieder mit „Zähnen und Klauen verteidigen“, wollte am Sonntag lieber gar nichts mehr sagen, außer, dass man „ruhig und analytisch“ bleiben müsse. Und Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung der Schwarzgelben, erklärte: „Wir müssen kleine Schritte gehen. Wir sind weiter nicht da, wo wir hin wollen.“ Es gehe nun darum, „intern kritisch miteinander umzugehen“, aber auch darum, „das Positive rauszuziehen“.

Dortmunder Ballbesitz-Fußball hat das Zeug zum Schlafmittel

Das Positive ist schnell erzählt: Bayern München verlor 1:2 gegen die TSG Hoffenheim und ist in der Tabelle nur zwei Punkte entfernt. Beim BVB selbst dagegen passte schmerzlich wenig zusammen. Der eigene Ballbesitz-Fußball hatte das Zeug zum Schlafmittel, das eigene Defensivverhalten das Zeug zur Gruselgeschichte. „Schlampig“, nannte Julian Brandt die Dortmunder Angriffsbemühungen und konstatierte, dass andere Mannschaften im „Kampfmodus“ besser seien als er und seine Teamkollegen. Mats Hummels bemängelte „elf Gegentore nach sieben Spieltagen“ und ganz allgemein „fehlende Spielintelligenz“. Kapitän Marco Reus meinte: „Natürlich kann der Gegner kein Tor schießen, wenn wir denn Ball haben, aber wir müssen schon auch druckvoll spielen.“

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Das klang fast wie Kritik an Favre, auch wenn Reus es nicht so meinte. Nur mit Geduld und Balance aber, wie der Trainer es dogmatisch propagiert, das ist längst offensichtlich, kommt Borussia Dortmund nicht vom Fleck. Michael Zorc bekräftigte dennoch am Sonntag, dass er „keine Trainerdiskussion“ führe. Am Freitag auf der Pressekonferenz hatte er noch angekündigt, der BVB fange „jetzt richtig an“. Der Auftritt der Mannschaft nur einen Tag später kam allerdings eher wie der Anfang vom Ende daher.

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