Der BVB trotzt den Personalproblemen - das Filigrane bleibt derzeit auf der Strecke

Redakteur
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Mit dem allerletzten Aufgebot wurden es die erwartet schweren 90 Minuten gegen Köln für den BVB, der am Ende beim Ballbesitz und vor allem bei den Torchancen klar unterlegen war, seine beiden Tore aber zum perfekten Zeitpunkt erzielte. Nach den Treffern von Thorgan Hazard (40.) und Tor-Debütant Steffen Tigges (64.) zum 2:0-Sieg bleibt Dortmund den Bayern auf den Fersen, musste aber vier Tage vor dem Duell mit Ajax Amsterdam erneut viele Körner auf dem Rasen des Signal Iduna Parks lassen.

Der 1. FC Köln bereitet Borussia Dortmund viele Probleme

Wie mutig der FC unter Trainer Steffen Baumgart spielt, davon bekam die Borussia nach dem Videostudium in der Spielvorbereitung auch Anschauungsunterricht auf dem Rasen. In den ersten 30 Minuten und auch in der gleichen Phase nach der Pause hatte der BVB große Probleme mit dem variablen Spiel der Gäste, die bei Ballbesitz alle Feldspieler in die Dortmunder Hälfte schoben und wahlweise mit Kurzpassspiel oder dem präzisen langen Ball sehr ansehnlich nach vorne kombinierten. Kölns strikte Besetzung der Außenbahnen, das gute Positionsspiel und die variabel agierenden Stürmer zwangen die Borussia zu viel Laufarbeit gegen den Ball.

Nicht immer hingegen war die Dortmunder Abwehr gut positioniert. Trainer Marco Rose, der erneut mit einer Dreierkette aus drei Innenverteidigern spielen ließ, sah vor allem Marin Pongracic als linken Mann der Kette als großen Unsicherheitsfaktor in der Anfangsphase. Das hätte Mark Uth beinahe bestraft, Glück für den BVB, dass der völlig alleingelassene Kölner vor dem Abschluss ins Tor den Ball mit der Hand mitgenommen hatte (16.).

BVB-Torhüter Gregor Kobel verhindert das Gegentor spektakulär

Auch die zweite echte Torchance des Spiels gehörte den Gästen, wieder war Pongracic beteiligt. Nach seinem Fehlpass in die Füße von Ondrej Duda sah dieser Dortmunds Keeper Gregor Kobel weit vor dem eigenen Tor postiert. Dudas Bogenlampe aus knapp 40 Metern senkte sich perfekt in den Winkel, Kobel rettete mit einem beherzten Sprung – sein anschließender Zusammenprall mit dem Pfosten blieb gottlob folgenlos (20.).

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Ein Raunen der 66.000 Zuschauer quittierte diese spektakuläre Aktion, erst danach rappelte sich der BVB zu mehr Eigeninitiative auf. Marius Wolf tankte sich auf der Seite gegen gleich zwei Kölner durch und fand Marco Reus, der völlig frei den Ball nicht richtig traf (25.). Als sich Thorgan Hazard an der Strafraumkante durchspielte und zu kurz auf Thomas Meunier durchsteckte, war die Chance eigentlich vertan. Erst der verstolperte Ball von Hector brachte Meunier erneut in Ballbesitz, an seiner scharfen Flanke rauschte Reus knapp vorbei (37.).

BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt gewinnt wichtiges Kopfballduell

Doch Dortmund war nun endlich angekommen in dieser Partie, attackierte griffiger und setzte auch bei zweiten Bällen konsequenter nach. Das lohnte sich, als Julian Brandt nach einem langen Ball von Manuel Akanji das Kopfballduell gegen zwei Kölner gewann und Jude Bellingham geistesgegenwärtig den einlaufenden Hazard erblickte. Gefühlvoller Chip-Ball, Kopfball ins lange Eck, kein Abseits – es stand 1:0 für die Borussia (40.).

Die Führung war glücklich, was auch der gute Kölner Start nach der Pause untermauerte. Dem BVB gelang es weiterhin zu selten, das Kombinationsspiel der Gäste zu unterbinden, das Tempodefizit bei Axel Witsel war auffällig und sorgte immer wieder für gefährliche Kölner Vorstöße durchs Zentrum. Beim Kopfball von Modeste nach Ballverlust Bellingham und der Flanke von Thielmann musste sich Kobel im Tor richtig lang machen (50.).

BVB-Stürmer Steffen Tigges erzielt sein erstes Bundesliga-Tor

Dortmund schwamm gewaltig, Uth verfehlte bei zwei Kopfbällen Kobels Kasten nur knapp (55./57.). Rose reagierte: Steffen Tigges und Donyell Malen sollten vorn für Entlastung sorgen, die Umstellung auf ein 4-2-3-1 die Defensive stärken. Der nächste Abschluss gehörte dennoch Köln: Modestes Schuss war aber kein Problem für Kobel (61.).

Mitten hinein in die Kölner Überlegenheit (57 Prozent Ballbesitz nach einer Stunde) erlöste der eingewechselte Tigges den BVB mit dem 2:0. Perfekt lief der baumlange Stürmer bei Brandts Ecke ein, im hinteren Toreck schlug der Kopfball unhaltbar ein. Das erste Bundesliga-Tor des U23-Kapitäns sorgte für Gänsehaut-Momente bei ihm und Ekstase auf den Rängen (64.).

Die Statistik spricht klar gegen Borussia Dortmund

Erst vor einer Woche hatten die Kölner gegen Leverkusen ein 0:2 aufgeholt, auch im Signal Iduna Park waren sie nicht gewillt, sich nun geschlagen zu geben. Der eingewechselte Andersson (66.) verzog ebenso knapp wie Modeste zwei Minuten später. Nach 70 Minuten zeigte die Statistik ein Torschussverhältnis von 13:4 – zugunsten der Gäste.

Doch mit ablaufender Zeit schwand mit nachlassenden Kräften die Präzision bei den wehrhaften Gästen, Dortmund verpasste es bei einigen Kontersituationen in Überzahl, die Partie endgültig nach Hause zu bringen. Am Ende war das 2:0 vom Ergebnis zu eindeutig und hart erarbeitet – Köln musste sich fragen, warum man mit dieser Leistung nichts Zählbares mit an den Rhein nehmen konnte. Dortmund und der FC Bayern München (24 bzw. 25 Punkte) setzen sich früh in der Tabelle ab. Derzeit kann der SC Freiburg (noch) Schritt halten (22 Punkte).