Ein Elfmeter gegen den BVB - laut Statistik ein sicheres Tor. © imago / Matthias Koch
Borussia Dortmund

Der BVB und gegnerische Elfmeter – eine Geschichte ohne Happy End?

Ein Elfmeter gegen Borussia Dortmund - das ist laut Statistik ein sicheres Tor. Was hat mit Glück, was mit Psychologie zu tun? Wir haben mit BVB-Torwarttrainer Matthias Kleinsteiber gesprochen.

Es ist so eine Sache mit den Torhütern der Borussia und Elfmetern für den Gegner. Auch der Bielefelder Fabian Klos traf am Samstag vom Punkt aus – Marwin Hitz, für den angeschlagenen Gregor Kobel im Kasten, war gegen den gut geschossenen Ball chancenlos.

27 der vergangenen 28 Elfmeter landeten im BVB-Tor

In der Bundesliga schleppt Borussia Dortmund eine ernüchternde Bilanz auch durch die aktuelle Saison. Hitz kann sich vielleicht noch an den Strafstoß des ehemaligen Düsseldorfers Dodi Lukebakio erinnern, der im Mai 2019 neben den Kasten zielte. Dortmund führte 2:1 und gewann am Ende 3:2 gegen Hertha BSC, es war in der Liga der bislang letzte Elfmeter, der nicht zu einem Tor für den Gegner führte. 27 (!) der vergangenen 28 Versuche dagegen waren drin.

Gleich acht Jahre muss man zurückgehen, ehe man in der Bundesliga-Statistik einen Elfmeter gegen Borussia Dortmund findet, den ein BVB-Torhüter auch tatsächlich halten konnte. Das gelang natürlich Roman Weidenfeller, und gleich im wichtigsten Spiel des Jahres gegen den FC Schalke 04. Hohn und Spott waren dem Schalker Fehlschützen Kevin-Prince Boateng aus der Fan-Ecke der Borussia sicher, das Spiel (3:1) in der Veltins-Arena hätte der BVB allerdings wohl auch ohne die Glanztat Weidenfellers gewonnen.

Kein spezielles Elfmetertraining für die BVB-Torhüter

Gerade im Pokal kommt Elfmetern bisweilen eine besondere Bedeutung zu. In der Vorsaison sorgte der verwandelte Strafstoß des Paderborners Owusu für eine 30-minütige Extraschicht im Achtelfinal-Duell mit dem Zweitligisten, in der Saison 2018/19 bewahrte Marco Reus‘ Strafstoßtor in der Schlussminute der Verlängerung des Duells mit Union Berlin den BVB vor einem Elfmeterschießen.

Umfrage

Welcher Klub zieht ins Pokal-Achtelfinale ein?
Loading ... Loading ...

Womöglich werden die Feldspieler der Borussia im Abschlusstraining vor dem Duell mit dem FC Ingolstadt noch einmal Elfmeter trainieren, auch wenn jeder in Dortmund hofft, dass es gegen das Zweitliga-Schlusslicht so weit gar nicht erst kommen wird. Für die Torhüter hingegen gibt es kein spezielles Elfmetertraining, verrät Torwarttrainer Matthias Kleinsteiber im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. Das mache wenig Sinn, „aber wir sprechen vor jedem Spiel mit den Keepern natürlich über mögliche Elfmeterschützen des Gegners“.

BVB-Torhüter Gregor Kobel lässt sich Videosequenzen schicken

Aufgrund der so lang anhaltenden Serie erfolgreicher Elfmeter gegen den BVB müsse er sich so einige Frotzeleien der Spieler anhören, gesteht Kleinsteiber schmunzelnd. Am Ende aber sei das Duell Torwart gegen Schütze „immer auch ein bisschen Glückssache. Und das wird auch so bleiben.“

BVB-Torwarttrainer Matthias Kleinsteiber. © imago / Kirchner-Media © imago / Kirchner-Media

Gleichwohl gehört es heute zur normalen Torhüter-Vorbereitung auf ein Pflichtspiel, sich über Vorlieben der gegnerischen Spieler beim Strafstoß zu informieren. Gregor Kobel lässt sich beispielsweise zu jedem Gegner Videosequenzen von Elfmetern schicken, um Anlaufverhalten und mögliche „Lieblingsecken“ der Schützen zu studieren. Es sei „viel passiert auf diesem Sektor“, sagt Kleinsteiber. „Die Schützen informieren sich natürlich auch über die Torhüter, heute warten sie sehr lange und entscheiden sich oft erst beim Anlauf für eine Ecke.“

Ex-BVB-Stürmer Lewandowski hat seine Technik perfektioniert

Nahezu bis zur Perfektion hat Robert Lewandowski diese Technik veredelt, der Ex-Dortmunder hat nur fünf seiner bislang 63 Elfmeter vergeben. Sein eigenwilliger Anlaufstil findet mittlerweile etliche Nachahmer. Daher rät Kleinsteiber auch seinen Torhütern, möglichst lange stehen zu bleiben und dem Schützen „nicht zu früh eine Ecke anzubieten“. Dazu kommen physiologische („Beim Sprung in die Ecke kräftig abdrücken“) und psychologische Komponenten: „Ein Torhüter braucht eine starke Ausstrahlung“, sagt Kleinsteiber. „Damit kann man den Gegner im direkten Duell auch vielleicht mal ein bisschen nervös machen.“

Marwin Hitz, der am Dienstag das Tor der Borussia hüten wird, hat von den drei Keepern im Kader in der Liga die beste Elfmeter-Bilanz vorzuweisen. Fünf (von 24) geschossenen führten nicht zu einem gegnerischen Tor, im Pokal, damals noch im Trikot des FC Augsburg, parierte der 34-Jährige 2017 zudem einen Strafstoß von Thomas Müller.

BVB-Torhüter Weidenfeller bleibt Sieger gegen Arjen Robben

In der Spielzeit 2018/19 musste die Borussia letztmals im Pokal in ein Elfmeterschießen. 2:4 verlor man im Achtelfinale gegen Werder Bremen, Maximilian Philipp und Paco Alcacer verschossen. Im Dortmunder Tor stand Eric Oelschägel, weil sowohl Roman Bürki als auch Marwin Hitz erkrankt fehlten. Im Elfmeterschießen konnte der U23-Schlumann nicht einen der vier Bremer Strafstöße abwehren. Den emotionalsten gehaltenen Elfmeter der jüngeren Vergangenheit darf ohnehin Roman Weidenfeller für sich reklamieren. Seine Parade gegen Bayerns Arjen Robben in der 86. Minute der Bundesliga-Partie im Frühling 2012 war ein Meilenstein auf dem Weg zum zweiten Meistertitel der Klopp-Ära.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
Zur Autorenseite
Dirk Krampe