BVB-Allrounder Emre Can will zurück in die Startelf. © RHR-FOTO
Borussia Dortmund

Der lange Weg zurück: BVB-Allrounder Emre Can hat ein Problem

Emre Can will wieder in die Startelf. Der Weg dorthin ist lang – und mit viel Kampf verbunden. Der BVB-Allrounder hat ein Problem, das es nun zu lösen gilt.

Eine Stunde Fußball spielen. Auf dieses Erlebnis hatte Emre Can lange verzichten müssen. Zuletzt hatte Borussia Dortmunds Defensivspieler am 13. Mai im Pokalfinale mehr Minuten auf dem Platz gestanden. Fünf Monate später umgab Cans Auftritt zwar weit weniger Glanz als bei der umjubelten Pokalsiegernacht in Berlin. Aber dieser Testkick gegen den SC Paderborn am vergangenen Donnerstag, er war dennoch immens wichtig für ihn.

BVB-Profi Emre Can braucht Spielpraxis

Denn nach einigen verletzungsbedingten Rückschlägen und einer enttäuschenden EM, die für Can nur drei Kurzeinsätze geboten hatte, fand der 27-Jährige beim BVB bislang nicht wieder in Tritt. Muskuläre Probleme bremsten ihn monatelang aus.

Can brauchte also dringend Spielpraxis – und Marco Rose gewährte sie ihm. Gegen Zweitligist Paderborn (0:3) bekam er 60 Testminuten als Sechser. Die Erkenntnis: Can ist noch ein Stück weit von seiner Topform entfernt, es mangelt noch an Tempo im Umschaltspiel und an Timing im Zweikampf. Auch den einen oder anderen Fehlpass leistete er sich.

BVB-Chefcoach Marco Rose lobt Emre Can

Marco Rose aber wusste um die erwartbaren Defizite nach so langer Pause und attestierte Can, den er zum Kapitän seiner Testspiel-Elf auserkoren hatte, Fortschritte. „Er ist ein wichtiger Faktor für uns, für den die Saison erst jetzt wirklich losgeht“, erklärte Dortmunds Cheftrainer. Dass es jetzt wirklich losgeht, wäre nicht nur für den BVB, sondern auch für Can ebenso wertvoll wie dringlich. Denn seitdem Marco Rose das Ruder bei der Borussia vor rund 100 Tagen übernommen hat, ist Can verletzungsbedingt außen vor.

Andere Profis haben sich dagegen in den Vordergrund spielen können. Youngster Jude Bellingham hat die Rolle des unermüdlichen Antreibers im Mittelfeld übernommen, Mo Dahoud blühte als Sechser und auch als Achter auf und eroberte sich einen Stammplatz. Auch der im ersten Halbjahr aufgrund seiner Achillessehnenverletzung außer Gefecht gesetzte Axel Witsel meldete sich mit soliden Leistungen jüngst zurück. Und im neuen Spielsystem Roses mit nur einem Sechser in einer Mittelfeldraute hat sich eben der Konkurrenzkampf zugespitzt.

Emre Can startet mit Rückstand in den BVB-Konkurrenzkampf

Can startet hier mit einem merklichen Rückstand. Dazu kommt, dass Manuel Akanji in der BVB-Innenverteidigung seine frühere Wankelmütigkeit abgestellt hat und längst zur festen Säule in der Abwehrkette avancierte. Links in der Kette ist zudem Raphael Guerreiro gesetzt.

Wo also wäre derzeit überhaupt Platz für Can? Gegen den FC Augsburg löste er Axel Witsel nach 66 Minuten im defensiven Mittelfeld ab. Gegen Mainz am Samstag könnte er in gleicher Rolle als Joker gefragt sein – oder als Ersatzmann für die gesetzten Innenverteidiger Mats Hummels und Manuel Akanji, die sich beide derzeit mit Blessuren herumplagen und so nicht unbedingt 90 intensive Bundesliga-Minuten durchhalten müssten.

Emre Can wird bei Borussia Dortmund wohl zunächst auf der Bank sitzen

So oder so wird es in den nächsten Wochen wohl zunächst ein Platz auf der Ersatzbank werden für Emre Can. Für den flexibel einsetzbaren Profi gewiss kein erträglicher Dauerzustand. Denn als er im Januar 2020 seine Zelte bei Juventus Turin abbrach, da erhoffte er sich, in Dortmund genau diesen Status des Ersatzspielers abwerfen zu können.

Oft überzeugte er gerade in den ersten Monaten im BVB-Trikot mit seiner Präsenz auf dem Platz, kompromissloser Zweikampfführung und der die Teamkollegen mitreißenden Gier auf Erfolg. Attribute, für die jetzt auch die neue Generation um Erling Haaland und Jude Bellingham steht.

BVB-Allrounder Emre Can muss kämpfen

Can wird jetzt also um seinen Platz in der BVB-Elf hart kämpfen müssen. Auch, um sich mit regelmäßigen und guten Auftritten in Dortmund wieder neu für die Nationalmannschaft zu empfehlen. Denn unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick feierte die DFB-Auswahl nun vier Siege in Serie – allesamt ohne Cans Hilfe.

Die Stunde Fußball spielen gegen Paderborn darf für ihn auch deshalb nur der erste Schritt gewesen sein, die verzwickte Lage zum Positiven zu wenden. Womöglich bekommt Can gegen Mainz plötzlich sogar die Bewährungschance von Beginn an: Manuel Akanji brach die Länderspielreise am Sonntag aufgrund einer Adduktorenverletzung ab. Fällt der Innenverteidiger am Samstag aus, wäre Can die erste Alternative.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
Zur Autorenseite
Sascha Klaverkamp